„Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“

Geniales Kriegerdenkmal in Nienberge bei Münster

Ganz in der Nähe steht an der Dorfkirche St. Sebastian in Nienberge ein Kriegerdenkmal. Selten bleibt jemand hier stehen. Nur am Volkstrauertag gedenkt die Soldatenkameradschaft der Gefallenen beider Weltkriege. Dargestellt ist ein Genius, mit einer Hand gefesselt an einem seiner Krone beraubten Eichbaum. Dieser beugt sich gramvoll zu einem toten Soldaten in deutscher Uniform nieder und streckt ihm die andere Hand entgegen. Neben dem Soldaten liegt ein Stahlhelm, unter ihm Munition. Den Tornister trägt er noch auf dem Rücken. Die Inschrift des 1921 errichteten Denkmals lautet: „Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“.

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Niemand ruft zu politischem Handeln auf. Der Genius kommt wie der Engel der Verkündigung auf mittelalterlichen Bildern von links. Die Mahnung liegt im gefesselten Genius und in der gekürzten Eiche als bildhafte Symbole für das damalige Deutschland um 1921. Keiner wusste, wie es weitergehen sollte. Der Genius ist nicht religiös gebunden. Er steht über allen Dingen, ist unparteiisch.

Fortsetzung folgt.

„Ich hatt‘ einen Kameraden, einen Bessern findst Du nicht“

Viel Toleranz der Franzosen schon kurz nach dem Krieg

Einige unter den jungen schottischen Besuchern haben ein Massengrab entdeckt, in dem 7.000 deutsche Soldaten liegen. Auf einer Steinplatte steht, dass ihre Namen unbekannt seien. „Das ist traurig“, sagt einer von ihnen. Ihm werde die Größe des Leids und die Sinnlosigkeit der Kampfhandlungen hierdurch besonders klar. Die Schotten finden auf dem Friedhof auch den Vers „Ich hatt‘ einen Kameraden, einen Bessern findst Du nicht“. Er steht auf einem Gedenkstein. Über dem Vers ist ein eisernes Kreuz in den Stein gemeißelt. Er stammt aus einem bekannten Soldatenlied, gesungen während der gegen Napoleon geführten Befreiungskriege Anfang des 19. Jahrhunderts, heute noch gesungen am Volkstrauertag und auf Trauerfeiern für gefallene Soldaten.

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Das eiserne Kreuz hat Schinkel zur Zeit der Befreiungskriege entworfen. Gedacht wird hier der fürs Vaterland gefallenen Kameraden. Der Friedhof wirkt aus heutiger Sicht durch dieses Arrangement versöhnlich: Der Tod ist überwunden. Christus hat über ihn gesiegt: Es gibt Hoffnung auf Auferstehung. Nun soll der Friede bewahrt bleiben. Immerhin durften auf dem Gedenkstein die Sätze „Gefallen fürs Vaterland“ und der Vers des Liedes aus den Befreiungskriegen verwendet werden; dies spricht für viel Toleranz der Franzosen schon kurz nach dem Krieg.

Fortsetzung folgt.