„Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“

Geniales Kriegerdenkmal in Nienberge bei Münster

Ganz in der Nähe steht an der Dorfkirche St. Sebastian in Nienberge ein Kriegerdenkmal. Selten bleibt jemand hier stehen. Nur am Volkstrauertag gedenkt die Soldatenkameradschaft der Gefallenen beider Weltkriege. Dargestellt ist ein Genius, mit einer Hand gefesselt an einem seiner Krone beraubten Eichbaum. Dieser beugt sich gramvoll zu einem toten Soldaten in deutscher Uniform nieder und streckt ihm die andere Hand entgegen. Neben dem Soldaten liegt ein Stahlhelm, unter ihm Munition. Den Tornister trägt er noch auf dem Rücken. Die Inschrift des 1921 errichteten Denkmals lautet: „Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“.

Münster-Nienberge-Kirche-St

Niemand ruft zu politischem Handeln auf. Der Genius kommt wie der Engel der Verkündigung auf mittelalterlichen Bildern von links. Die Mahnung liegt im gefesselten Genius und in der gekürzten Eiche als bildhafte Symbole für das damalige Deutschland um 1921. Keiner wusste, wie es weitergehen sollte. Der Genius ist nicht religiös gebunden. Er steht über allen Dingen, ist unparteiisch.

Fortsetzung folgt.

Erinnerungstourismus in Nordfrankreich

Scharen von Touristen – vorwiegend aus Australien und Kanada – rollen täglich vor die Friedhöfe für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Nordfrankreich. Sie nehmen dafür über 20-stündige Flüge von Sydney oder Vancouver nach Paris in Kauf. Auch viele Briten sind unter den Besuchern. Was suchen all diese Menschen in der Region Nord-Pas-de-Calais, fast hundert Jahre nach dem Kriegsgeschehen? Sind sie in den Sog des Erinnerungstourismus geraten?

Zur Stärkung vor der Tour empfiehlt sich in Lille erst einmal der Besuch der Brauerei Les 3 brasseurs in der Nähe des Hauptbahnhofes. Dort gibt es deftiges Essen. Viele trinken hier Bier, was zu Lille traditionell gehört. Mir serviert man Rindfleisch mit Pommes Frittes. Fritten sind typisch hier. Belgien ist nahe. Das Rindfleisch besteht aus einzelnen Stücken, die zu einem saftigen Stück zusammengefügt sind. Als Dessert kommt Eis mit Spekulatius auf den Tisch. Es gebe nahe Lille eine große Spekulatius-Fabrik, erklärt man uns. Daher gehörten Spekulatius immer zum Essen. Dann geht es nach Arras. 

Viele Touristen strömen in der Nähe von Arras zu einem neuen australischen Ehrenmal von 1998 in Fromelles. Hier verlief längere Zeit die Westfront. Australien musste am 23. August 1914 gemeinsam mit den anderen Dominions Kanada, Südafrika und Neuseeland sowie mit der Kolonie Britisch-Indien in den Krieg eintreten. Das Denkmal zeigt einen breitbeinig gehenden Soldaten mit gebeugtem Kopf, der einen toten Kameraden auf seinen Schultern schleppt. Er steht für 5.000 Australier, die hier in einem über 24 Stunden dauernden Kampf gegen die Deutschen im Jahre 1916 ihr Leben verloren.

Fortsetzung folgt.