“Es gibt keine besonderen Sehenswürdigkeiten”

Mark van Huisseling von der “Weltwoche” ist noch nicht in Olhão angekommen

Harbor and town of Olhão at sunset with boats and palm trees
Von KI gene­rier­tes Bild von Olhão in Algarve

„Man kann es sich nicht vor­stel­len. Es gibt kei­ne beson­de­ren Sehens­wür­dig­kei­ten oder Monu­men­te, kei­ne her­aus­ra­gen­den Häu­ser oder besu­chen­swer­te Muse­en.“ So beginnt Mark van Huis­se­ling sei­nen Arti­kel mit dem Titel „Olhão, meu amor“ in der Schwei­zer Wochen­zei­tung “Welt­wo­che”. Dar­in geht es um eine Bewer­tung der por­tu­gie­si­schen Klein­stadt und der umlie­gen­den Umge­bung in Ost-Algarve.

Die Welt­wo­che gilt als ein­fluss­rei­ches Schwei­zer Medi­um. Es ver­steht sich als libe­ral-kon­ser­va­ti­ves Debat­ten­ma­ga­zin. Die Bericht­erstat­tung gilt oft als pro­vo­ka­tiv und gegen den “Main­stream” gerich­tet. Van Huis­se­lings Bei­trag wur­de im Maga­zin Nr. 2 im Juni/Juli 2025 ver­öf­fent­licht. Den Arti­kel fand der Rei­sen­de über Lin­ke­din. Bei der Welt­wo­che selbst ist er nicht auf­find­bar. Beim Lesen hat der Rei­sen­de das Gefühl, dass der Autor dort nie rich­tig ange­kom­men ist. 

Mit die­sem Arti­kel setzt sich die Serie der Rezen­si­on deutsch­spra­chi­ger Rei­se­blät­ter von Durch­strei­fen & Erle­ben auch in die­ser Woche fort. Die­se begann mit zwei Arti­keln der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung, wur­de mit zwei Arti­keln der Zeit fort­ge­setzt. In der ver­gan­ge­nen Woche ging es um High­lights der Ost­see in der Welt am Sonn­tag und eine Woche spä­ter um Nacht­zü­ge. Es folg­te eine Ana­ly­se eines Arti­kels in der Süd­deut­schen Zei­tung. Ab heu­te geht um Medi­en in der Schweiz.

Drei Spalten, um Olhão nicht zu beschreiben

In der heu­te ana­ly­sier­ten Welt­wo­che braucht van Huis­se­ling nach die­sem Ein­stieg allei­ne drei Spal­ten, um Olhão nicht zu beschrei­ben. Er sagt zwar, dass die Stadt sein Sehn­suchts­ort sei, arbei­tet aber nicht her­aus, war­um dies so ist. Statt­des­sen benennt er erst Faro als inter­na­tio­na­len Flug­ha­fen und über­nimmt die Ein­woh­ner­zahl Olhãos aus Wiki­pe­dia. Im wei­te­ren zitiert er eine Jour­na­lis­tin der Lon­do­ner Zei­tung „Times“. Die­se habe auf die im kubis­ti­schen Stil errich­te­ten Fischer­häu­ser hin­ge­wie­sen sowie auf die reprä­sen­ta­ti­ven Häu­ser der Händ­ler und Fabrikanten. 

Dann erst kommt es zur ers­ten, viel­leicht eige­nen, Beob­ach­tung, dass die Stadt per­fekt aus­ge­leuch­tet sei. Dafür sor­ge die Ria For­mo­sa, also die Lage an der Küs­te mit vie­len klei­nen vor­ge­la­ger­ten Inseln. Die­se sor­gen für einen natür­li­chen Schutz des Fest­lan­des. Die wich­tigs­ten mit der Ilha da Culatra und der Ilha da Armo­na führt er auch auf, die mit Fäh­ren vom Hafen aus ange­steu­ert wer­den kön­nen. Dies geschieht erst auf einer farb­lich beson­ders gestal­te­ten Son­der­sei­te und spä­ter im wei­te­ren Fließ­text. Kri­ti­sche Wor­te, war­um die­se bebaut und inmit­ten eines Natur­schutz­ge­bie­tes lie­gen, fin­det er nicht.

Bevor die ers­te Sei­te endet, gelingt es ihm noch, auf die Markt­hal­len hin­zu­wei­sen, die ein beson­de­rer Anzie­hungs­punkt sind. Zudem gebe es im Ort Geschäf­te, auch mit Gütern, die kein Mensch brau­che. Er ver­weist wei­ter auf die güns­ti­gen Prei­se für Lebens­mit­tel. Dies stimmt aus Sicht des Rei­sen­den nicht. Die Prei­se sind min­des­tens genau­so hoch wie in Deutsch­land und erst recht in der Schweiz, wenn nicht sogar deut­lich höher. Und die Ein­kom­men in Por­tu­gal sind mit die nied­rigs­ten inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on. Als Beleg zitiert er eine Jour­na­lis­tin, die einen Arti­kel über den Ort in der „New York Times“ ver­öf­fent­licht habe. Im Anschluss dar­an geht es ihm ums frei­heit­li­che Auto­fah­ren und Par­ken, das ihm im Ver­gleich zur Velo­stadt Zürich para­die­sisch erscheint.

Großer Schwenk nach Tavira

Dann erfolgt ein gro­ßer Schwenk zu den Nach­bar­or­ten. Er hat Tavi­ra mit ihren his­to­ri­schen Häu­sern besucht, hebt her­vor, dass man dort essen gehen kann. Miss­fal­len habe ihm der Anblick zwei­er Restau­rants indi­scher Fami­li­en. Auch die Fes­tung in Cace­la Vel­ha besuch­te er. Die dort ange­kün­dig­ten Cha­mä­le­ons war­te­ten offen­bar nicht auf sei­ne Ankunft.

Dies ist sicher der schwächs­te aller bis­her ana­ly­sier­ten Arti­kel. Dem Autor fehlt der ent­schei­den­de neu­gie­ri­ge Blick, um den Din­gen im Ort und in der Umge­bung auf die Spur zu kom­men. Statt­des­sen bemüht er Gemein­plät­ze und zitiert ande­re Jour­na­lis­ten als Bele­ge. Auch der Ein­stieg ist nicht zu emp­feh­len. Er ist völ­lig unjour­na­lis­tisch. Dabei besitzt er offen­bar sogar ein Haus in der Stadt. Und er soll ein Buch über die Stadt ver­fasst haben, das im Netz nicht auf­find­bar ist.

Wel­che Sehens­wür­dig­kei­ten dort lie­gen, beschreibt der Rei­sen­de in sei­nem in Kür­ze erschei­nen­den Rad- und Kul­tur­rei­se­füh­rer Ost-Algar­ve. Denn es sind reich­lich davon vor­han­den. Und sie haben Qualität.

Portugal

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Fes­tungs­stadt Almei­da, Portugal

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