Größter Trüffelproduzent der Welt

Die meisten Pilzsammler laufen im Herbst durch die Wälder, um die oberirdischen schirmchenförmigen so genannten Pilze zu suchen. Biologisch handelt es sich aber nur um die schirmförmigen Teile der Pilze, die oberirdisch wachsen und Sporen bilden. Sie sind die Sporenträger. Von diesen gehen neue feinste Pilzschläuche aus, aus denen das Myzel gebildet wird. Im Gegensatz zu diesen „normalen“ Pilzen haben die Trüffeln keine oberirdischen Vermehrungsorgane. Die knollenförmigen Gebilde, die als Trüffeln gegessen werden, entsprechen biologisch den Pilzschirmen. Pilzzüchter entnehmen ihnen die Sporen und impfen damit Baumwurzeln, um eine Trüffelzucht anzulegen.

Spanien Trüffel Okt 2010 Navaleno Restaurant 1

Dies ist bereits in großem Umfang geschehen: Catesa Arotz, der größte Trüffelproduzent der Welt, gehört dem spanischen Nahrungsmittelkonzern Ebro, Puleva. Der deutsche Nudelhersteller Birkel gehört auch dazu. 600 Hektar umfasst sein mit über 150.000 Bäumen bepflanztes Gelände nahe Navaleno. Zum Vergleich: In der Provinz von Soria gibt es ungefähr 1.500 Hektar Land, auf denen Trüffeln kultiviert werden. „400 Menschen sind in der Branche in Spanien beschäftigt“, sagt Carlos Fresneda, Präsident der Asociación Provincial de Truficultores. In der Provinz von Soria seien es 40. Die meisten Betriebe sind jedoch kleine Einmann-Unternehmen mit einer Größe von vier Hektar, in großen mit zehn bis zwanzig Hektar beschäftigt der Unternehmer drei bis fünf Arbeiter. Die Zahl der Arbeitskräfte variiert, je nachdem, ob geerntet oder auch noch zusätzliche Bäume gepflanzt werden. Auf der Arotz-Finca arbeiten dagegen zehn, also die doppelte bis dreifache Anzahl; wenn gepflanzt wird sogar bis zu dreißig Arbeitskräfte. Es verwundert, dass eine solche Farm Besuchern gezeigt wird, da man sonst Trüffelanbau nicht sehr stark propagiert. Viele ältere Trüffelbauern befürchten, dass Image ihres Berufes könne darunter leiden und so könnten mittelfristig die Preise verdorben werden; sie meinen, die heutige Möglichkeit der Zucht solle besser geheim gehalten werden. Doch das ist gar nicht nötig: Die Nachfrage nach Trüffeln übersteigt das Angebot.


Fortsetzung folgt.

Finca Arotz

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Auf der Jagd nach edlen Pilzen

In ein Grimmsches Märchen zurückversetzt, fühlen sich Besucher der Provinz Soria in den Wäldern der ehemaligen spanischen Königreiche Kastilien und León. Wie Rotkäppchen tragen Pilzsammler geflochtene Körbe. Sie ernten, ohne zu säen: Soria ist ein Dorado für Pilzkenner. Restaurants bereiten Speisen aus Steinpilzen oder Trüffeln zu. In Navaleno gibt es die größte Trüffelfarm der Welt. Die Bedingungen für Pilze sind auf der von Touristen noch nicht entdeckten Hochebene von Soria sehr gut.

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Modell eines Pilzes im Pilzzentrum Navaleno. Oben: Landschaft von Navaleno.

Wenn Gourmets von Trüffeln, Morcheln und Steinpilzen sprechen, wissen sie, dass es sich um Spitzenprodukte der französischen und italienischen Esskultur handelt. Doch gibt es auch in Spanien, dem Land der Olivenhaine und des Serrano-Schinkens, Trüffeln und andere Edelpilze? Die Antwort ist ein deutliches „Ja“, vorwiegend in der autonomen Region Kastilien und León. Speziell in den Wäldern der Provinz Soria finden die begehrten Speisepilze günstige natürliche Bedingungen. Jeden Herbst sind dort mit Messern bewaffnete Sammler unterwegs, um zu „ernten, ohne zu säen“. Diese Gegend übergehen die Reiseführer bislang, sie liegt im Binnenland, 230 Kilometer nordöstlich von Madrid. Noch ist die gezielte Trüffelzucht erst dreißig bis vierzig Jahre alt. Sie ist aber so erfolgreich, dass man sie als eine neue Form der Landwirtschaft bezeichnen könnte. Nicht einmal in Frankreich ist die Herkunft der Trüffel aus spanischer Zucht bekannt. Die spanischen Initiatoren in Soria beurteilen die Chancen für den Export, aber auch die Förderung des Tourismus jedoch als sehr gut. Sie meinen auch, dass sich keine Gefahr für die Natur ergibt. Im Grunde folgen die Initiatoren dem in Katalonien und dem Baskenland wesentlich früher beschrittenen Weg der Pilzkultur.


Fortsetzung folgt.

Offizielle Website der Region Kastilien & León zur Pilzkultur

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