Jetzt im TV: Naturparks in Europa. Aktuell versorgt der Reisende euch möglichst regelmäßig mit TV-Dokus über Kultur und Reise. Im Zentrum stehen beliebte Ziele in Europa, die jetzt im Fernsehen laufen. Diesmal sind nach der Masse an Dokus in der vergangenen Woche nur Deutschland, Portugal und Österreich vertreten. Am meisten erfahren die Zuschauer diesmal über Destinationen in Deutschland. Das liegt wohl an Corona mangels Reisemöglichkeiten liegt.
Empfehlen kann der Reisende einen Film über Naturparks in Portugal. Er sah ihn bereits. Die Serra da Estrela kennt er gut, da er dort mehrfach recherchierte, einen Reiseführer darüber verfasste. Die Region liegt im Centro de Portugal. Sie besticht durch hohe Berge und Juwelen-Dörfer. Und sie ist gut mit dem Rad zu bereisen. Denn die Strecken sind auf der von zu empfehlenden Rundstrecke nicht steil. Zwei Wochen kannst Du die Region ohne Muskelkater erkunden.
Naturpark Peneda-Gerês
Gerade schaute der Reisende nach, wo der Naturpark Peneda-Gerês liegt. Dabei stellte er fest, dass er schon nah dran war, als er von Santiago de Compostela über Allariz nach Albergueria fuhr. Daher kann er sich auch vorstellen, wie es dort aussieht. Es ist bergig. Er kurbelte auf Serpentinen stundenlang bergauf und ‑ab, genoss Ausblicke, Adler und Geier und Cafés in Dörfern. Eine in einer hoch gelegenen Siedlung oberhalb eines Stausees lebende alte Frau stöhnte „Mein Gott“, als sie den Radler heraufkommen sah. Wahrscheinlich malte sie sich dessen Leiden aus. Aber da es auch lange Täler gibt, konnte er sich immer wieder mal ausruhen. Außerdem verbrennt er immer ordentlich Kalorien. Neulich radelte er 123 Kilometer auf einer der schönsten Radstrecken von Münster nach Wettringen und wieder zurück: 2760 Kalorien. Viel musste er bei der Portugal-Tour also nicht heraufschleppen.
Außer ihm radelten auch zwei Mädels mit Zelt durchs Dorf. Sonst scheinen fast nur Pilger auf dem Jakobsweg durchzukommen. Daher hielt mich die Frau wohl für etwas Besonderes. Ich reagierte später ähnlich entsetzt, als ich Spuren der Verwüstung durch Bauarbeiten entlang der Serpentinen sah. Ein Tunnel wurde verbreitert, um eine Schnell-Verbindung für Züge von A Coruña nach Madrid herzustellen. Ein Jäger versicherte dem deutschen Bikepacker, dass diese Spuren bald wieder beseitigt würden.
Eifel auch Thema
Sonst gibt es im Fernsehen viel über die Eifel zu sehen. Da vor den Toren Bonns, worüber auch eine Doku läuft, wandere ich dort oft mit Freunden. Besonders Kurgäste wissen die Gegend zu schätzen, da es zum Beispiel gesundes Thermalwasser in Bad Neuenahr gibt. Neulich las ich, dass aktuell in der Gegend um Hellenthal Narzissen blühten. Viele Gebiete würden gelb leuchten. Ich kenne das nur vom Ginster, der ab dem Sommer blüht. Empfehlenswert ist auch eine Wanderung bei Maria Laach. Denn dort sprudelt Kohlensäure an die Oberfläche eines Sees. Die Gegend steckt voller Maare. Vulkane sind sogar aktiv, wenn auch nur schwach.
Es gibt also auch in Corona-Zeiten viel in der eigenen Gegend zu entdecken, wenn Du so mutig bist, alte Wege zu verlassen und neue zu beschreiten. Und nun zu: Jetzt im TV: Naturparks in Europa.
Jetzt im TV: Ahr und Weserradweg. Aktuell versorgt der Reisende euch möglichst regelmäßig mit Dokus über Kultur und Reise. Im Zentrum stehen beliebte Ziele in Europa, die an den nächsten Tagen im Fernsehen laufen. Diesmal ist die Auswahl sehr breit mit Zielen in Frankreich, Österreich, Spanien und Schweden. Frankreich, Norwegen und wieder einmal Dänemark bleiben diesmal außen vor. Fast jeden Tag ist das Mitreisen auf dem Sofa also garantiert.
Wieder einmal hochwertig nach Spaniens einzigartiger Waldlandschaft vergangene Woche scheint auch ein Beitrag über Iberiens wilde Vielfalt zu werden. Kein Wunder! Der Reisende hört oft von Portugiesen und Spaniern, dass sie nicht ins Ausland reisten, weil sie sowieso alles hätten: Berge, Meer und Wüsten. Es gibt Skigebiete wie in Andorra und in der Serra da Estrela.
Keltengrab und Ritter Maximilian
Recht viel wird über Österreich gebracht. Erfreulich sind die historischen Beiträge über ein Keltengrab im Umland von Salzburg. Und über den letzten Ritter Maximilian im 16. Jahrhundert: Er ist zu empfehlen, da gut gemacht. Denn Maximilian heiratete Maria von Burgund aus machtpolitischen Gründen. Dem Habsburger Haus gelang durchs reiche Flandern der endgültige Aufstieg zur Weltmacht. Und es entstand sogar echte Liebe zwischen Maximilian und Maria.
Radeln an Ahr und Weser
Auf den NDR-Beitrag über den Weserradweg ist der Reisende auch sehr gespannt. Denn dort war der Reisende selbst schon einige Male unterwegs. Die Strecke durchs Weserbergland ist der schönste Abschnitt, ein unterschätztes Gebiet. Die Weser ist dort weitgehend noch natürlich. Es gibt viele Auen, keine gewerbliche Schifffahrt, nur Freizeitsportler. Tiefe Wälder zum Wandern und Radeln und wirklich freundliche Menschen. Und ein hochwertiges Kulturangebot, wenn der Bikepacker alleine an Corvey, Weserrenaissance und Porzellan aus Fürstenberg denkt.
Ein tolles Ziel ist aber auch das Ahrgebirge vor den Toren Bonns. Darüber berichtet heute der SWR. Wenn Durchstreifen & Erleben dort wandert oder radelt, fühlt er sich bei manchen Etappen wie im Süden Europas. Dies liegt zum einen an der Vegetation mit Pflanzen, die es auch im Süden gibt. Zum anderen liegt es an der Wärme, die an gewissen Stellen über 60 Grad erreichen kann. Daher fühlen sich dort Reptilien wohl. Aber auch Wein gedeiht dort. Den Wein empfindet der Reisende als wohlschmeckend. Beliebt ist die Zeit der Weinlese. Eine der schöneren Wanderstrecken ist die Etappe von Insul über Liers nach Kreuzberg, zumal diese nicht überlaufen ist.
Allerdings ist die Gegend dann der Feste wegen völlig überlaufen. Viele Autofahrer zieht es dann in die Dörfer rund um Ahrweiler statt mit Bahn oder Rad zu kommen. Die Anbindung an den Zug ist ziemlich gut.
Einschalten über “Jetzt im TV: Ahr und Weserradweg” also nicht vergessen!
Sexy: die zehn ärmsten Städte Portugals. Ein nach diesen Kriterien zusammengestellter Urlaub in Portugal, wäre mal eine originelle Reise: Du kennst sicher auch Rankings, in denen die Orte des Landes nach bestimmten Kriterien ermittelt werden. Vor Jahren stellte der Reisende sein Zelt in einem Dorf in einem Dorf irgendwo in Mittelschweden auf. Dabei spazierte an ihm ein Paar vorbei. Beim Gespräch stellte sich heraus, dass ich in einem der langweiligsten Orte Schwedens angekommen war. Eine Zeitschrift hatte eine Rangliste mit den langweiligsten Orten des Landes aufgestellt, der das Paar folgte. Die Mücken aber fanden uns gar nicht langweilig, sondern stürzten sich gierig auf uns. Den Namen des Ortes hat der Reisende leider vergessen.
In Portugal haben jetzt Journalisten ermittelt, welche Orte die geringste Kaufkraft besitzen. Herausgekommen ist dabei: arm, aber sexy. Denn arm zu sein, heißt nicht unbedingt gleich hässlich. Ein Autor des sehr guten Magazins Vortex hat die Top Ten der Städte zusammengestellt, die zugleich touristisch attraktiv sind.
Vortex ist für den Reisenden das beste Portal, was Reisen mit Hintergrund angeht. Geo Saison oder Norr können bei weitem nicht mithalten. Der Verfasser erläutert die Geschichte der Städte und findet, dass die Orte touristisch sehenswert sind. Auf Platz 6 bis zehn liegen Penalva do Castelo, Vinhais, Resende, Ribeira de pena und Baião. Wer aber die Top 5 sind, erfährst Du hier.
Würde dies doch auch so bei uns mit den ärmsten Städten zutreffen: Sexy: die zehn ärmsten Städte Deutschlands oder der Schweiz. Was wäre das für eine Schlagzeile: Duisburg, arm, aber sexy.
In jüngster Zeit habe ich über Filme, gute Literatur und Reisen viel Interessantes über Schweden erfahren. Zum Beispiel, dass die deutsche Botschaft in Stockholm durch schwedische Sympathisanten der RAF besetzt wurde. Oder dass die Königsfamilie viele Jahre mit einer Yacht nach Madeira segelte, um dort Urlaub zu machen. Dass ein Leibarzt der Königin zwei prächtige Villen besaß, die man noch heute auf Capri und am See Siljan in Dalarna besichtigen kann. Oder dass die Weltmacht Schweden während des Dreißigjährigen Krieges von einer Frau regiert wurde.
Hast Du das alles gewusst? Wer noch mehr interessante Fragen in einem Quiz der Süddeutschen Zeitung beantworten möchte, kann diese jetzt hier lösen.
Entspannung am Pool in der Quinta Jardins do Lage in Funchal
Fisch in der Markthalle Mercado do Lavradores von Funchal
Weit draußen im Atlantik: Wisst ihr, dass Portugal mehr ist als nur der schmale Streifen auf der Iberischen Halbinsel?
Der Staat besitzt weit weg im Atlantik kleine Inseln, die noch aus der Kolonialzeit übrig geblieben sind. Nach und nach fielen die Kolonien ab. Oder sie wurden von anderen Nationen übernommen wie kleine Handelsstützpunkte in Asien, Brasilien. Später folgten noch Angola und Mosambik.
Übrig geblieben aus Übersee ist Madeira. Vor einiger Zeit durfte der Reisende auf Einladung die Insel besuchen. Ihn berührte die scheue, fast devote Art der Bewohner, der er zum ersten Mal in einem südeuropäischen Land begegnete. Die Menschen schienen sich dort fast unsichtbar zu machen. Portugiesen sind ohnehin die ruhigsten Bewohner Südeuropas. Dies war das Eindrucksvollste, woran sich der Reisende erinnert, was Portugal angeht. Unerwartet!
Reporterin des Telegraph auf Madeira
Auch die englische Zeitung “The Telegraph” hat sich Madeira angeschaut. Lasst euch überraschen, was Reporterin Sarah Baxter besonders aufgefallen ist. Sie fängt ihren lebendig verfassten Artikel über Madeira dramatisch an. Der Wind schüttelte das Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen Cristiano Ronaldo. Ihr Fenster füllte sich mit blauer Dünung und weißen Pferden. Sie sah also die Farben des Atlantiks. Die Landung nahm dann aber wieder die richtige Richtung an. Dabei rüttelte der Wind das Flugzeug noch an den Seiten. Dann sah sie die Landebahn auf Pfeilern im Meer, „exponiert und gefährlich“.
Der Pilot habe die Passagiermaschine in Position gebracht. Näher und näher sei die Maschine ihrem Ziel gekommen, beinahe schon da – doch dann. Mit einem letzten Schub der Maschine sei alle an Bord aufwärts getorkelt, wieder an den Himmel gebunden. Der Das Tischgestell trat zurück. Diesmal gewann das Wetter. Es brauchte einige Versuche, um den Cristiano Ronaldo-Flughafen anzufliegen, ein Begriff so trickreich wie die Füße des Namensgebers. Der Flughafen ist bekannt als eines der schwierigsten Landegebiete der Welt, schreibt Baxter. Dies liege an den die Landebahn peitschenden Querwinden. Dies erscheine ganz als gegensätzliche Einführung in eine Insel, die häufig als ruhig, konventionell, vielleicht sogar nett-aber-langweilig gelte. Wie auch immer, diese Vorstellung werde gerade herausgefordert.
All die guten Dinge über Madeira existierten noch – die Sicherheit, Gastfreundlichkeit, exotische Blumen, gerade drei Stunden von der Heimat entfernt. Aber eine neue Kampagne, Madeira Ocean Trails, beabsichtige die Möglichkeiten zum Aktivurlaub hervorzuheben, speziell die wachsende Zahl der Pfadläufer und Wanderer.
Wandern und Extremsport
Topographisch falle Madeira konstant über sich selbst – sie sei ein Knüppel vulkanischen Basalts, wildes Grün, tiefe Mulden und knorrige Bergketten; es sei kaum ein flaches Stück zu finden. Jetzt werde dieses Terrain erkannt als perfekter Spielplatz für diejenigen, die Abenteuer zu >Fuß suchten.
So, fade? Keine Chance. Die Insel – wie auch deren Flughafen – sei passend, um einen seitwärts zu klopfen. Extremsport sei nicht neu für Madeira. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Einheimischen der Nachbarschaft des Monte seien mit Korbschlitten die steilen Gassen hinunter in die Hauptstadt Funchal heruntergekommen.
Ernest Hemingway – ein Mann, nicht unvertraut mit der Suche nach Spannung – bezeichnete dies als „anregend“. Heute strohbedeckte Fußwege (carreiros) steuerten noch heitere Touristen herunter in diesen Hammern auf Skier, dabei Geschwindigkeiten bis zu 50 Stundenkilometer erreichend. „Ich sah von oben, wie sich die Fahrer abstießen, ihre flatternden weißen Hosen, vor Freude keuchende Fluggäste.
Vorbei an den Rodlern entschied sich die Autorin für eine Allrad-Tour, um die Bodenwellen Madeiras besser kennenzulernen. Am Rad war ihr Führer Ricardo Carvalho, anscheinend halb Mann, halb Jeep, so harmonisch sei er mit seinem Fahrzeug verschmolzen. Sie habe sich gefragt, ob, gerade wie Piloten benötigen ein Extra-Training, um auf dem Flughafen zu landen, Fahrer mögen erreichen eine Zusatzqualifikation, um die Straßen anzugreifen.
Einige „Straßen“ seien kaum als solche zu bezeichnen – sie seien eher Skipisten. Aber Ricardo sei gelassen gewesen, als er sie auf Tour im Osten der Insel genommen habe, schwingend wie im Flug um fiese Ecken, hupend, Bananenstauden „bürstend“, fast abweidend die Seiten der an den Hügeln liegenden Häuser. „Griffe und Bremsen“, zitiert sie Ricardo, „ersetzen wir ständig.“
Steile Hänge für Bauern
Mit dem Fahrzeug seien so Eukalyptus- und Pinienwälder belebt worden, vorbei an Mimosen, exotischem Bambus und Zuckerrohr. Ebenso seien landschaftliche Abkürzungen über Hügel, wo schwindelerregende Terrassen Kartoffeln, Broccoli, Brunnenkresse und Reben nährten, gemeistert worden. Es muss unglaublich guter Boden für die Insulaner gewesen sein, um sich dabei zu quälen, diese steilen Hänge zu kultivieren, sinniert die Autorin.
„Sie konnten keine Maschinen verwenden, daher war es nicht so hart für sie“, lässt sie Baxter sagen. „Noch heute erledigen die Bauern alles per Hand“. Wie auf Kommando habe ein alter Mann mit flacher Mütze einen Eimer mit Kartoffeln erhoben auf der steilen Straße seitlich von ihnen. Der fruchtbare Boden schien in seiner Produktivität unbegrenzt, die der den Levadas verdankt, einem Netzwerk aus Kanälen, das die Felder wässert. Portugiesen hätten Madeira vor 600 Jahren entdeckt, die Levadas stammten aus dieser Epoche.
Kostbares Nass in den levadas
Sie leiten kostbares Nass aus den lebendigen, schwammartigen Lorbeerwäldern auf die durstigen Terrassen. Über Madeira hinweg zieht sich das mehr als 2000 Kilometer lange Levada-Netzwerk, tröpfelnd wie Adern. Die Pfade entlang der Kanäle glichen einer großen Zeichnung mit phantastischen Routen für Wanderer.
„Ich folgte einigen kurzen Levada-Abschnitten, die einen Spaziergang am Ribeiro Frio einschloss. Auf der Route tröpfelte und atmete der Wald – du konntest das Leben in ihm spüren. Als ich durch moosige Baumstämme und bärtige Flechten streifte, traf ich auf ein Café, das poncha verkaufte, lokalen Schnaps“, erzählt Baxter. Dieser setze sich zusammen aus Zuckerrohr, Honig, Zucker und Zitrone. Vom Balkon des Cafés habe die Autorin dann die Aussicht genossen. Dabei habe sie sich angesichts eines unter ihr befindlichen Wasserfalls wie in China gefühlt, also in einer mystischen nebeligen Szene.
Von dort sei sie mit Ricardo zur Quinta do Furão gefahren, wo ihnen einen köstliches Mahl mit Degenfisch und Napfschnecken-Risotto serviert worden sei. Vom Tisch der Veranda aus habe sie über die Nordküste der Insel blicken können, „eine Küste mit einer ziemlichen Beule“. Die volle Kraft der herrschenden Wind ließen die Klippen bis hin zur Unterwerfung erodieren; Felsen fielen einfach in den Schaum.
Piraten auf Madeira
Geradewegs unter dem Restaurant erblickte Baxter ein Stück Land zum Verkauf. Es sei überwachsen gewesen, unerreichbar, vollkommen unpraktisch. In ihr sei der Tagtraum entstanden, es zu kaufen, darauf ein Zelt aufzustellen und dann das weitere Leben über die wilde feindliche Küste zu schauen. Ricardo selbst gestand ihr, Piratenblut in sich zu haben. „Madeira wurde während des 16. Jahrhunderts häufig von Piraten attackiert“, erzählt er ihr.
„In den Jahren danach sind viele Kinder mit unbekanntem Vater auf die Welt gekommen – meine Familie betraf das auch. Daher mag ich es wohl, morgens Rum zu trinken.“ 1566 landete der französische Pirat Bertrand de Montluc vor Funchal. Er wütete unter den Einheimischen, wobei hunderte von ihnen umkamen. Danach seien Festungen errichtet worden zum Schutz des Eilands. „An der Nordküste mussten nicht viele errichtet werden“, fügt er später hinzu, als er dort mit Baxter an einer Mauer aus unüberwindlichem Felsen betrachtet.
Oder wäre es das gewesen“ Einige Tage später habe sie sich an solch einem Wall befunden, gehauen über einer Rille an den Klippen. Dort sei Wasser heruntergeströmt, Gebüsch in die Wellen darunter gestürzt. An diesem Tag sei Sergio vom Go Trail Madeira ihr Führer gewesen, um einen der Meerespfade der Insel zu erkunden.
Ultra Trail (MUIT) weit draußen im Atlantik
Dort sei es spektakulär gewesen, nicht umsonst der letzte Teil des Ultra Trails der Insel (MUIT), der bei ihrer Ankunft bereits den zehnten Jahrestag gefeiert habe. Über 115 Kilometer lang sei dieser Wettbewerb, bei dem Porto Moniz im Nordwesten und Machico im Südosten miteinander verbunden würden. Integriert würde der mit 1862 Metern höchste Berg der Insel, der Pico Ruivo. Baxter selbst teste die zwölf Kilometer lange Etappe zwischen Porto da Cruz und Machico mittels des sogenannten Vereda do Larano-Pfades.
Losgegangen sei es ab Engenhos do Norte, wo es auch eine dampfgetriebene Rum-Destillerie gebe. Doch zum Trinken habe es keine Zeit gegeben. Hinter Porto da Cruz beginne ein Küstenweg, den an diesem Tag Wellen benetzt hätten, bevor es weiter ins Hinterland gegangen sei. Dort gebe es grasende Tiere auf Weiden zu sehen. Der Pfad folge flachen Levadas. Mitunter verlaufe der Weg auf Klippen, winde sich auf Felsen, von denen man bis nach Ponta de São Lourenço komme – Madeiras östlichster Punkt.
Madeira mit der selten flachen, dünn besiedelten Wildnis, sei wie gemacht fürs Trail-Rennen, also fürs Laufen im Gelände. In den letzten Jahren habe der Sport hier stark zugenommen mit lokalen Rennen im Kalender. Große Namen der Szene hätten sich dazu eingefunden. Der beste Athlet Portugals, Luis Fernandes, stamme sogar von Madeira. Aber man müsse keine Bergziege oder oder Wettläufer sein, um die Strecken bewältigen zu können, meint Baxter. Die Idee hinter den Trails sei eher ein Mentalitätswandel; dieser lasse die Welt wissen, dass das sichere Madeira aufregende Routen zu bieten habe, egal welches Tempo man einschlagen wolle.
Sie habe sich am nächsten Tag definitiv fürs langsame Laufen entschieden, als sie an der Nordküste bei Porto Moniz zum höchsten Plateau im Gebiet von Fanal heraufgestiegen sei, ein scharfer Aufstieg auf gut 1000 Meter. Dies sei auch die Etappe des Trail-Laufs; so wie sie gepustet und geschnauft habe, über Moose gehüpft, Farne gestreift und über Wurzeln geschritten sein, hätte sie sich kaum vorstellen können, ihre hundert Kilometer bewältigen zu können.
Auf dem Plateau von Funal
Als sie das Plateau erreicht habe, waberte überall Nebel; einen Ausblick habe es nicht gegeben. Doch es sei überwältigend gewesen. Fanal gehöre zu Madeiras feinsten, von der UNESCO gelisteten, Laurisilva, den ersten Lorbeerwald, der große Teile Südeuropas vor über 40 Millionen Jahren bedeckt habe. Heute sei er nur noch selten. Hoch oben sei es wie im Märchen gewesen. Die Bäume seien wie Geister erschienen, Gespenster im Dunst mit krummen Gliedmaßen. Sie wirkten wie Großväter, gebeugt, bärtig und weise. „Alles, was ich tun konnte, war anzuhalten und sie zu liebkosen.“ Ruhe kam in ihr auf. Sie habe den alten Wald wie Balsam durch die Schuhe in sich aufgenommen, zusammen mit den Pfützen des letzten Regengusses.
Am Nachmittag sei sie nach Funchal zurückgekehrt. Bei einem Glas poncha habe sie sich den Karnevalsumzug im Gewirr von Federn und Strings angesehen. Sie habe sich gewünscht, auch den Umzug der Dienstagsparade zu sehen. Der Taxifahrer habe ihr auf dem Weg zum Flughafen erzählt, dass diese Dummer Karneval genannt werde. „Jeder darf daran teilnehmen. Die Leute ziehen an, was sie wollen, Politiker werden auf die Schippe genommen. Dies gleicht mehr einer Gesellschaftssatire.“ Dies habe mehr nach der Insel geklungen, schließt Baxter den Artikel, die sie gefunden habe.
Portugals schönste Bibliotheken: In Portugal hat Literatur noch einen richtigen Stellenwert. Es gibt dort ausgesprochen liebevoll eingerichtete Buchgeschäfte wie in Funchal auf Madeira oder in Porto. In Funchal ist es die Livraria Esperança, in Porto die Livraria Lello. Dort sind sie richtige Schmuckstücke und lohnen einen Besuch.
In Mafra, Coimbra und sogar in Rio de Janeiro befinden sich auch die drei schönsten brasilianisch-bportugiesischen Bibliotheken. Die Bibliothek im Palácio Nacional de Mafra lieferte einst einem Konvent wichtige Informationen. Die “Biblioteca Joanina” gehört zur berühmten Universität von Coimbra. Leider ist sie aber sehr dunkel, die berühmte Decke daher kaum zu erkennen. Die dritte in Brasilien ist das Real Gabinete Português de Leitura.
Schöne Fotos berühmter Bibliotheken
Die portugiesische Zeitung “Publico” zeigt in einer Galerie schöne Fotos berühmter Bibliotheken. In dieser dürfen natürlich nicht die Bibliothek des Vatikan und die des Klosters Metten in Bayern fehlen. Der Reisende selbst fand bei einem Besuch die Bibliothek im ehemaligen Kloster Corvey bei Höxter sehr imponierend. Nicht umsonst gehört diese zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auf dem Friedhof liegt der berühmte Dichter Hoffmann von Fallersleben begraben. Ihm hat Deutschland den Text der deutschen Nationalhymne zu verdanken. The World’s Most Beautiful Libraries, ein schweres Werk mit Fotografien des Italieners Massimo Listri, führt auf 550 Seiten diese Bibliotheken auf.
Wer gerne Bibliotheken besichtigt, ist auch in Aarhus gut aufgehoben. Dort gibt es mit “Dokk 1” eine modern, aber doch ansprechend gestaltete Stadtbibliothek. Eingang fand diese fotografisch im unter Dänemark-Fans beliebten Kalender “Aarhus Stadt des Lächelns”.
Das sieht richtig edel aus. Antike griechische und römische Statuen säumen den Beckenrand des Schwimmbads mit Art-déco in Lille, Hauptstadt der Region Flandern. Am liebsten würde der Reisende jetzt seine Badehose auspacken und reinhüpfen. Denn noch nie ist er in einem Schwimmbad im Art-déco-Stil gewesen.
Einige Museen hat er schon in dieser Art gesehen wie die schöne Casa das Mudas bei einer Rundreise auf Madeira. Das kann er für einen Besuch nur empfehlen. Es liegt etwa 20 Minuten von Funchal entfernt, zeigt Kunst und Möbel, die ziemlich kostbar aussehen, da auf Hochglanz poliert. Es gibt eine gute Flugverbindung von Frankfurt nach Funchal. Aber noch kein Schwimmbad, piscine auf Französisch.
Das Becken ist voller Wasser. Es riecht nach Chlor, und die Luft ist feucht. Doch die Oberfläche ist glatt wie ein Spiegel. Schwimmer sind nicht zu sehen. Denn das Bad in Roubaix, einer ehemaligen Arbeiterstadt außerhalb Lilles, ist nur noch zu Schauzwecken eröffnet — als Musée d’Art et d’Industrie de Roubaix. 1912 beschloss der Rat der Stadt, dass sich hier Arbeiter erholen sollten, die in Fabriken der Umgebung tätig waren. Doch der Folgen des Ersten Weltkriegs wegen konnte es erst 1932 eröffnet werden.
Im großen runden Fenster am Ende der auch für Olympische Spiele geeigneten Kampfbahn geht die Sonne auf. Gelbe Strahlen deuten sie an, die sich auch auf der Wasseroberfläche spiegeln. Über ihr eine glatte weiße Decke, gewölbt wie die Tonnengewölbe großer Kathedrale. Ringsum gehen auf zwei Etagen kunstvoll gemeißelte Geländer. Teils ragen Balkone heraus. Von denen konnten Badegäste das Geschehen unter sich in der Halle beobachten. Leicht belustigt flaniert der Reisende durch die Schwimmhalle. Denn aus Lautsprechern ertönen Stimmen und Plätschern der Badegäste vergangener Zeiten. So wird der Eindruck erweckt, als liefe der Betrieb auch heute noch. Sogar Umkleidekabinen existieren noch im Schwimmbad mit Art-déco.
Dem Schwimmbad im Art-déco-Stil folgt das Kunstmuseum LaM
Danach besucht der Reisende das Kunstmuseum LaM, das einige Kilometer weiter außerhalb von Lille liegt. Der Name steht für Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut. Der Reisende findet, diese Exponate können durchaus mit dem Centre Pompidou in Paris mithalten, das etwas verstaubt daherkommt. Man merkt alleine am Konzept und der Architektur, das hier noch ein Team an den Hebeln sitzt, da noch 2004 die Spiele der Kulturhauptstadt organisierte. Der Industrielle und Kunstsammler Jean Masurel (1908–1991) und dessen Ehefrau Geneviève legten 1979 mit der Schenkung ihrer Sammlung von Kubisten, Surrealisten und anderen Gemälden die Basis für die Gründung des Museums.
Eine weitere große Schenkung erfolgte zwanzig Jahre später mit der Art-brut-Kollektion von 3.500 Werken der Gruppe Aracine an den Stadtverband Lille. Darunter befinden sich Werke wie zum Beispiel Jean Dubuffets’, von dem auch der auf dem Foto abgebildete weibliche Akt stammt.
Noch beeindruckender findet der Reisende den Skulpturenpark außerhalb des Museums — mit Werken Picassos und Mirós zum Beispiel. Und die Gestaltung der Gebäude findet er spannend, die er näher in einem Artikel für die österreichische Zeitung “Die Presse” beschrieben hat. Die Reise nach Flandern hat sich allein für diesen Tag gelohnt.
Fisch in der Markthalle Mercado do Lavradores von Funchal
Entspannung am Pool in der Quinta Jardins do Lage in Funchal
Ponta do sol Quinta da Rochinha
Fest in Santana
Wandern im Parque das Queimadas
Subtropenparadies auf dem Vulkan: So weit draußen im Atlantik hat sich der Reisende bisher noch nie aufgehalten. Am weitesten war es bisher auf der Kanareninsel El Hierro. Doch Madeira — ein Subtropenparadies auf dem Vulkan — unterscheidet sich deutlich von den Kanarischen Inseln. Dies gilt sowohl für die Vegetation als auch für die Menschen. Dies hat sich auf der Madeira-Rundreise gezeigt. Gut zu erreichen ist die Insel über die Verbindung Frankfurt — Funchal mit Umsteigen in Lissabon.
Feuchter als auf den Kanaren
Auf den Kanaren hat der Reisende das Gefühl, nach wie vor in Spanien zu sein. Selbst im Winter ist es dort recht trocken. Der Teide auf Teneriffa unterscheidet sich auch nicht so sehr von anderen Bergen Spaniens. Hier wie dort wachsen Pflanzen wie auf dem Festland: Agarven und Palmen. Besonders ist Vulkangestein, das auf El Hierro schwarz ist und auch als Baumaterial verwendet wird. Je nach Wetterlage kann es sich etwas depressiv auf die Stimmung auswirken, wenn man weiß getünchte spanische Häuser gewöhnt ist. Aber die Einwohner sind und bleiben Spanier: ein fröhliches Volk.
Auf Madeira wandelt sich das Bild: Es scheint feuchter zu sein und daher auch grüner. Eine Wanderung führt den Reisenden und seine Gruppe durch den Parque das Queimadas. Madeira-Wanderurlaub wollen die Touristiker der Insel etablieren, um so auch vom Image der Rentner- und Golf-Insel wegzukommen. An der Seite des Wanderweges plätschern Rinnsale durch die so genannten levadas. Mit diesen bewässern Bauern ihre Felder. Es ist natürliches Wasser. Dies kommt vor allem auf der niederschlagsreichen Nordseite der Insel vor. Hortensien wachsen in Massen am Wegesrand, was optisch den in Schweden häufig wachsenden Lupinen entspricht. Üppiger Blumenbewuchs ist in Spanien hingegen selten zu sehen. Hortensien wachsen dort wohl fast nur in Gärten. Die Farbe des Vulkangesteins fällt nicht so ins Auge.
Fast schon devot
Die Menschen sind hier ruhiger als in Spanien. Manche Direktoren wie Kellner in den Hotels erscheinen einem fast schon devot. Das ist der Reisende nicht so gewöhnt. Und es nervt auch etwas, wenn sich jemand vor einem ständig leicht verneigt, wenn man sich mit jemandem unterhält oder man das Essen serviert bekommt. Vielleicht liegt es daran, dass das der hier manchmal herbei segelnde Adel es so erwartet. Prinzessin Viktoria von Schweden gastierte hier schon einige Male. Natürlich schauen auch entsprechend Adelige aus England vorbei.
Briten machen den Hauptteil ausländischer Besucher aus. Diese sieht man dann abends erschöpft vom Golfplatz zurückkommen. Es liegt ganz sicher daran, dass das Subtropenparadies auf dem Vulkan abgelegener ist. Die geographische Lage formt die Bewohner. Menschen im Douro-Tal in Nordportugal sind wieder ganz anders. Dort ist die Landschaft auch mediterran und nicht atlantisch.