Fast jeder, der einmal Paris besucht hat, dürfte sie kennen: die Pyramide auf dem Louvre. Von oben finde ich sie gar nicht so beeindruckend. Denn sie unterscheidet sich nicht wirklich von anderen ähnlichen Werken. Daher fotografierte ich sie auch nicht dort wie der Fotograf des jetzt im Schweizer „Tagesanzeiger“ erschienenen Bildes.
Als ich den Louvre besuchte, befand ich mich unter ihm. Sie dringt mit ihrer gläsernen Spitze in eine Einkaufspassage ein. Ihr Metallgitterwerk teilt den blau über Paris leuchtenden Himmel in verschiedene Segmente. Die monotone Einkaufspassage erfährt durch den durchsichtigen Glaskegel eine dramatische Zuspitzung. Erhöht wird diese durch einen zusätzlichen wie ein Stalagmit aufsteigenden Kegel. Jetzt ist der amerikanisch-chinesische Architekt Ieoh Ming Pei im hohen Alter von 102 Jahren gestorben.
Den kompletten Artikel des Tagesanzeigers über den Architekten findest Du hier.
Zwei Hasen schauen einander an. Einer überreicht dem anderen etwas. Erwartungsvoll öffnet dieser die Arme. Die beiden Skulpturen sind die Publikumslieblinge im Museum für moderne Kunst, zeitgenössische Kunst und Art brut in Lille (LaM). Jeder sieht sofort, dass der Künstler im Grunde eine Frau und einen Mann geschaffen hat, die miteinander tanzen. Über den Humor verbinde man zeitgenössische eigentlich nicht, sagt eine der Kuratorinnen. Doch so wolle man die Besucher an aktuelle Themen heranführen.
„Abenteuer Museum. Das LaM in Lille“ — der arte-Film vermittelt sehr gut das Besondere dieses Museums. Es stellt die verstaubten Kunstmuseen in Paris in Sachen Kunstvermittlung klar in den Schatten. In Paris werden wertvolle Gemälde bloß zur Schau gestellt. Dabei sind die Einnahmen durch die hohe Zahl der Besucher sicher üppig, um gute Museumsdidaktik aufzubauen. Doch das scheint man nicht für nötig zu halten. Kein Wunder, dass ins Louvre zum Beispiel die Selfie-Kultur vor der Mona Lisa eingezogen ist.
Ebenso arbeitet der Film gut die besondere Lage der Kunsthalle heraus. Es liegt außerhalb Lilles in einem Park. Es sind Jogger zu sehen, die auch dazu eingeladen sind, sich die Bilder und Skulpturen anzuschauen. Lille liegt nahe an Belgien und England, öffnet sich so aus Sicht der Franzosen nach „Nordeuropa“. Das Museum soll zum Alltag der Menschen gehören, Teil eines Netzwerkes sein.
Der sehenswerte Film steht in der Mediathek zur Ansicht bereit. Schnell anschauen, bevor er wieder abgesetzt wird.
Was für ein Chaos! Selfie-Chaos vor der Mona Lisa! In Museen geht der Reisende gerne und stundenlang. Dann erfährt er mehr über die Kultur eines Landes, einer Region, damit er gut darüber schreiben kann. Für heute haben sich Alexandra und er das Museum Louvre in Paris vorgenommen. Dies ist unumgänglich. Bei einer Städtereise sollten weder das Vasa-Museum in Stockholm, der Prado in Madrid noch das Nationalmuseum in Kopenhagen ausgespart werden. Es sei denn, man hat nur Tivoli oder fiesta im Kopf.
Der Mona Lisa gilt der Besuch nicht in erster Linie. Und in den meisten Abteilungen entkommt man auch dem Selfie-Chaos im Louvre. Es gibt viele andere Weltkunst im Original zu sehen. Französische, italienische niederländische und spanische Meister, berühmte Werke der Antike. Wo, wenn nicht im Louvre, gibt es alles “auf einen Schlag zu sehen”. Schon beim Eintreten fühlt sich der Reisende erhaben, geht es doch über eine schöne Treppe etwas tiefer zum Bildhauer Rodin und zu holländischen Meistern. Wer sich auf ihr umdreht, erkennt einen wunderschönen Blick auf ein rundes großes Fenster. Auch im Dach befinden sich mehrere Glaselemente, um Licht einzulassen. Denn das Museum ist ein ehemaliger Bahnhof. Aber es gibt auch ganz moderne Bauelemente wie eine Pyramide innerhalb eines Einkaufszentrums.
Ein riesiges Gebäude mit einer Vielzahl vollgestellter Räume. Auf Dauer wirkt sich dies aber auch ermüdend aus. Es empfiehlt sich also, sich besser auf ein oder zwei Epochen zu konzentrieren, als alles sehen zu wollen. Jeder kann ja wiederkommen. Ein Konzept, das sich beim Reisenden bewährt hat: Denn er hat immer einen Grund, in eine Stadt oder Region zurückzukehren, weil es dort noch Dinge zu sehen gibt, die er noch nicht kennt. Auf dem zweiten Blick sieht er auch viel mehr oder anders, weil jetzt andere Menschen dort sind oder das Licht fotogener fällt. Oder Bäume oder Gebäude entlaubt oder entfernt sind und der Blick freier.
Mona Lisa anhand des Selfie-Chaos gefunden
An Mona Lisa kommt er nach zwei Stunden Aufenthalt zufällig vorbei, schaut in den Saal, weil der so seltsam voll ist. Wer hat die Dame nicht alles porträtiert: Es gibt von Pablo Picasso Mona Lisa, von Frida Kahlo Mona Lisa, von Andy Warhol Mona Lisa. Und es gibt Lego Mona Lisa. Aber bestimmt nicht bei dem Chaos hier. Es ist so voll, dass ein Band wie auf dem Flughäfen den Zustrom zum Gemälde kanalisieren muss, mehrere Ordner das Gewusel in den Griff bekommen müssen. Alle scheinen nur eines zu wollen: einen Nachweis per Selfie, dass sie hier gewesen sind. Selfie-Chaos um Mona Lisa! Und es sind nicht nur Japaner oder Chinesen, die wie die Wilden Leonardo da Vincis Meisterwerk fotografieren, sondern auch Menschen aus anderen Kontinenten der Welt. Dies ist deutlich auf dem Foto oben zu sehen.
Dabei ist die gemalte Dame nicht einmal fotogen, steht sie doch unterm Schutz von Panzerglas. Kein Wunder, wenn nach Angaben des Louvre täglich 20000 Besucher ins Haus strömen, ist es nötig, sie abzuschirmen. Es gilt, andere Konzepte zu finden, damit Kunstfreunde dem Selfie-Chaos um Mona Lisa entkommen.
Seit März 2021 enthüllt der Louvre übrigens online seine Schätze. Über 480 000 Werke stehen jetzt im Internet. Kostenlos, egal ob sie ausgestellt, ausgeliehen oder eingelagert sind. Unter www.collections.louvre.fr stehen bislang 74 Prozent der Bestände. Interessenten können die Sammlung nach Kategorien wie Malerei, Skulptur oder Kunstobjekte durchstöbern. Oder aber nach Kunstschulen und unterschiedlichen Abteilungen des Museums wie “Altertümer aus dem Nahen Osten”. Die Leitung des Hauses versteht die Online-Sammlung als “Werkzeug zur Demokratisierung”, wie Anne-Myrtile Renoux gegenüber Sabine Glaubitz von der Deutschen Presse-Agentur erklärte.
Im Online-Louvre gibt es bestimmt auch kein Selfie-Chaos um Mona Lisa. Aber die Leitung ist bestimmt schon mal zusammengebrochen.
Obwohl Freundin Alexandra im Tourismussektor arbeitet, hat sie einiges in Europa noch nicht gesehen. Schon lange plant sie, sich berühmte Metropolen anzuschauen. Franz Kafkas “Der Prozess” liegt auf dem Nachtschrank. Dessen surrealistische Schilderungen lösten den Wunsch aus, sich Prag anzuschauen. Kafka ist in Prag auf die Welt gekommen. Die antike Mittelmeerwelt hat sie schon in der Schule fasziniert. Daher will sie auch nach Athen fliegen, um sich berühmte Tempel anzuschauen. In Geschichte hat sie sich auch mit Französischer Revolution und Sonnenkönig Ludwig XIV. auseinandergesetzt. Mit Schulbuchbildern im Kopf begibt sie sich jetzt nach Paris.
Die in Paris gefällten Entscheidungen bezüglich französischer Eroberungsgier waren deutlich in ihrem Heimatland Portugal in Form großer Beben spüren. Daher mit Versailles das einstige Zentrum absolutistischer Macht mit eigenen Augen sehen. Welche Spuren hat sinnlos hingerichtete Königin Marie Antoinette hinterlassen? Zuvor hat sie eine Biografie Marie Antoinettes gelesen. Auf ihrer Liste stehen Wahrzeichen wie Eiffelturm und die Kathedrale Notre-Dame de Paris, Museen wie Louvre und d’Orsay und eine romantische Seine-Flussfahrt.
Erstaunlich ruhige Innenstadt
Den Reisenden bewegt ähnliches: Von Hauptstädten hat er Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Oslo, London und Madrid gesehen. Doch in Paris kennt er nur den Weg zwischen den Bahnhöfen Montparnasse und Gare de l’Est. Als er aus Spanien mit dem Rad zurückkam, musste er die Stadt queren, um nach Deutschland weiterzufahren. Er war überrascht, wie ruhig es war. Statt auf Chaos traf er auf Orte der Muße wie Boule spielende Männer.
Mitte Mai 2021 machte das Pariser Rathaus bekannt, dass es das Zentrum verkehrsberuhigen, Autoverkehr massiv einschränken wolle. 180 000 Fahrzeuge führen durch, davon 100 000 ohne anzuhalten, sagte David Belliard von den Grünen. Künftig sollen nur Anwohner, Busse, Taxis, Handwerker, Gewerbetreibende und Zusteller dort unterwegs sein dürfen. Die Veränderung gelte fürs Gebiet rund um die Seine-Insel Île de la Cité und das siebte Arrondissements.
Vieles nur aus dem Schulbuch bekannt
Schulbuchbilder von Paris im Kopf hat auch der Reisende. Er kennt die Stadt ebenso aus Filmen, Erzählungen und Ölbildern seines Künstlerfreundes Frank Siewering. Dieser brachte Fotos und Skizzen aus Frankreich mit, um sie zuhause in Aquarelle und Ölbildern auszuarbeiten. Siewering ließ sich schon immer von van Gogh, Schiele, Macke und Klee inspirieren. Seine Werke hängen jetzt in seinem Zuhause, in Büros von Bankern und Industriellen.
Klar, dass der Reisende und Alexandra ein Quartier nahe Montmartre beziehen würden. Sie haben eine Wohnung über ein Internetportal privat gemietet. Worauf Du beim Mieten einer Wohnung über Anbieter wie airbnb achten solltest, erfährst Du in diesem hier in der Lokalzeit Bonn. Dort spricht der Reisende mit Moderatorin Sybille Schütt über Internetportale.
Neben historischen Quellen aus Schule und Studium kennt der Reisende Paris aus Filmen, die er einige Jahre gerne angeschaut hat. Darunter fallen Frantic und “Die Liebenden von Pont Neuf”. Aber auch Hörspiele mit Kommissar Maigret inspirieren ihn. Er will den Spiegelsaal von Versailles sehen, der in der deutschen Geschichte eine wichtige Rolle spielte. Mit diesen Inspirationen im Gepäck fahren er und Alexandra bald nach Frankreich. Natürlich mit Boule-Kugeln in der Tasche. Denn das tut der Reisende seit seiner Kindheit. Oft spielte er in Südfrankreich gerne mit Einheimischen. Mal schauen, was aus den Schulbuchbildern von Paris am Ende übrig bleibt!