Lustradeln am Rio Douro

Lus­tra­deln am Rio Dou­ro — ein Traum. Den Fotos von die­ser Gegend zuvor geht eine schrof­fe Abfahrt von Vil­vest­re in der Pro­vinz Sala­man­ca über die Lan­des­gren­ze. Vor dem Abschied aus einer tol­len Zeit ergibt sich ein Blick von oben auf die Schlei­fen. So ken­nen es man­che auch von der Mosel bei Trier.

Die Brü­cke nahe Sal­to de Sau­cel­le trennt Wel­ten. Denn von Por­tu­gal an führt ein traum­haf­ter Weg bis nach Bar­ca d’Al­va. Trau­rig sind vie­le tot­ge­fah­re­ne Schlan­gen auf dem Asphalt. Rad­ler sehen fort­an Wein­gü­ter mit Zypres­sen, schrof­fe Gebirgs­hän­ge und Hai­ne mit Bäu­men, die voll mit Man­da­ri­nen sind. Nicht nur eine land­wirt­schaft­li­che Voll­ver­än­de­rung, son­dern auch in gewal­ti­ger Tem­pe­ra­tur­an­stieg ist deut­lich zu spü­ren. Hin­ge­gen kann es auf der spa­ni­schen Hoch­ebe­ne vor dem Abstieg zum Fluss schon kühl werden. 

Kajak- und Kreuzfahrt auf dem Rio Douro möglich

Es geht in leich­ten Kur­ven mit wenig Ver­kehr nach Bar­ca d’Al­va. Dort im Distrikt Guar­da ist der Bike­pa­cker vor zwei Jah­ren mal Kajak gefah­ren. Von Cas­te­lo Rodri­go führt eine tol­le Stre­cke fast nur abwärts an Fel­dern und Dör­fern vor­bei bis zur Anle­ge­stel­le. Er durf­te dabei den über ihm krei­sen­den Roten Milan beob­ach­ten und fiel aus­nahms­wei­se mal nicht ins Was­ser. Es stell­ten sich ihm aber auch kei­ne Strom­schnel­len in den Weg. Zu ihrer Über­win­dung braucht es etwas Erfahrung.

In Bar­ca d’Al­va lie­gen Kreuz­fahrt­schif­fe nach Por­to. Den Weg wür­de der Rei­sen­de auch ger­ne mal tes­ten. Doch hier trinkt der Rad­wan­de­rer erst mal Kaf­fee, und es bleibt beim Lus­tra­deln am Rio Dou­ro, bevor es wei­ter nach Cas­te­lo Rodri­go geht. Ana und Antó­nio, die er schon von der Tour durch die Ser­ra da Est­re­la kennt, war­ten auf ihn mit einem Zim­mer in einer schö­nen Pen­si­on. Kos­ten­frei in einem der his­to­ri­schen Dör­fer der Gegend. Das ist por­tu­gie­si­sche Gast­freund­schaft. Danach geht es vom Fluss weg zur Distrikt­haupt­stadt Guar­da, um eine Freun­din in der Bei­ra Alta zu besu­chen. Ent­lang der Stre­cke gibt es auch Sehens­wer­tes zu besichtigen.

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Ponte Internacional Valença-Tui am Minho

So ganz abge­wi­chen wie gedacht, ist der Rei­sen­de vor­ges­tern doch nicht. Er geriet auf die Küs­ten­stre­cke des Camin­ho de Sant­ia­go. Heu­te hat er Cer­vei­ro ver­las­sen und folgt einem wun­der­ba­ren Fluss­rad­weg nach Valen­ça. Dort liegt die Gren­ze. Der Rio Min­ho und die Brü­cke Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui ver­bin­den bei­de Grenzen.

Als die Brü­cke dort — Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui — errich­tet wer­den soll­te, bewarb sich auch der berühm­te Archi­tekt Gust­ave Eif­fel 1881 mit einem Plan um die Aus­füh­rung. Die por­tu­gie­sisch-spa­ni­sche Kom­mis­si­on ent­schied sich für den Ent­wurf des Archi­tek­ten Pelayo Mance­bo y Ágre­da. Auf der ande­ren Sei­te liegt Tui. Der Rad­weg bis dort­hin ist flach und schat­tig. Er bie­tet einen tol­len Blick auf die Ber­ge. Die Län­ge beträgt etwa 18 Kilo­me­ter. Auch vie­le Möwen sor­gen hier mit ihren Rufen für Leben.

Besichtigung Valenças

Eine Besich­ti­gung Valen­ças lohnt sich, das der Rei­sen­de bis dahin noch nicht kann­te. Nur dem Namen nach: Als er den Flug­ha­fen in Por­to ver­ließ, unter­hielt er sich mit einer hüb­schen blon­den deut­schen Tou­ris­tin, um zu erfah­ren, wo es die­se wohl hin­zog. Zu sei­nem Erstau­nen woll­te sie nicht Por­to besich­ti­gen, son­dern mit dem Bus direkt nach Valen­ça fahren.

Und jetzt nach eini­gen Tagen auf dem Jakobs­weg mit dem Rad ist er selbst hier. Doch die Tou­ris­tin ist längst über alle Ber­ge. Er nimmt sich ein Zim­mer in einem Hotel in der Neu­stadt, direkt vor der impo­san­ten von einer Mau­er kom­plett umge­be­nen Fes­tungs­stadt. An der Rezep­ti­on wer­den sie ihn heu­te und mor­gen immer per­sön­lich mit “Bom dia, sen­hor Ben­ning” oder “Boa tar­de, sen­hor Ben­ning” grü­ßen. Die haben es drauf.

Valen­ça ist wesent­lich grö­ßer als Almei­da im Cen­tro de Por­tu­gal, obwohl sie nicht ein­mal 3500 Ein­woh­ner auf­weist. In Almei­da leben nicht ein­mal 1500. So dünn besie­delt ist es außer­halb der gro­ßen Städ­te. Wahr­schein­lich hängt der Ein­druck an der gro­ßen Zahl der Tou­ris­ten, von denen vie­le aus Spa­ni­en kom­men. Auf sie war­ten vie­le Restau­rants und Sou­ve­nir­lä­den in den Gas­sen. In denen bebt das Leben. Wer die Pon­te Inter­na­cio­nal Valen­ça-Tui am Min­ho über­schrei­tet, gelangt ins wesent­lich ruhi­ge­re Tui.

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Biennale in Cerveira und Venedig

Bien­na­le in Cer­vei­ra und Vene­dig: Gibt es die Bien­na­le nur in Vene­dig? Nein! Denn auch in der por­tu­gie­si­schen Klein­stadt Cer­vei­ra am schö­nen Río Min­ho gibt es eine: Bie­nal de Cer­vei­ra. Zwar zählt die zwi­schen Por­to und Vigo lie­gen­de „vila“ nur weni­ge tau­send Ein­woh­ner. Aber das heißt nicht, dass sie nicht zu bie­ten hat. Denn sie weist einer­seits ein Muse­um auf, eine Art Gale­rie in der win­zi­gen Alt­stadt. Ande­rer­seits exis­tiert ein sehr gro­ßes Kul­tur­fo­rum mit Aus­stel­lungs­sä­len. Um zur Stadt zu gelan­gen, muss­te der Rei­sen­de etli­che Hügel mit dem Rad über­win­den. Den Camin­ho Por­tu­guês von Por­to nach Sant­ia­go hat er für Kul­tur statt Natur kurz ver­las­sen. Mor­gen will er auf dem hof­fent­lich ange­neh­men Fluss­rad­weg am Rio Min­ho nach Valen­ça strampeln.

Oft ste­hen hin­ter Kul­tur­ange­bo­ten älte­re Herr­schaf­ten. Doch hier trifft man erfreu­lich vie­le jun­ge Frau­en und Män­ner aus Por­tu­gal und aus Spa­ni­en. Es kann also durch­aus was wach­sen! Hin­ter dem Eve­ne­mang steht natür­lich eine Stif­tung. Das Fes­ti­val gibt es schon seit vie­len Jah­ren. Dies wird sicht­bar an vie­len Kunst­wer­ken in der Stadt und den am Fluss ver­teil­ten Skulp­tu­ren. Künst­ler aus acht Natio­nen neh­men dar­an teil. 

Robert Schad, Picasso Deutschlands

Unter die­sen befin­det sich auch eine Skulp­tur des Künst­lers Robert Schad aus Ravens­burg. Schad ist es gelun­gen, unfass­bar vie­le Eisen­skulp­tu­ren über wei­te Tei­le Por­tu­gals zu ver­tei­len. Als ihn der Rei­sen­de gegen­über Gesprächs­part­nern auf der Bien­na­le als “Picas­so Deutsch­lands” bezeich­net, nickt so man­cher bestä­ti­gend. Sein Kata­log wur­de dem Rei­sen­den gezeigt. Schad nimmt in die­sem Jahr 2017 auch wie­der an der Bien­na­le teil.

Sei­ne ros­ti­gen Wer­ke erin­nern an Edu­ar­do Chil­li­dasTole­ranz durch Dia­log“ und an Richard Ser­ras “Dia­lo­gue with Johann Con­rad Schlaun”. Chil­li­das ros­ti­ge Bank steht dau­er­aus­ge­stellt im Innen­hof des Rat­hau­ses zu Müns­ter. Die Bezeich­nung betont Müns­ters Rol­le beim West­fä­li­schen Frie­den aus. Es ist sinn­vol­ler, mit Geg­nern zu spre­chen und zu ver­han­deln statt des Dia­log abzu­bre­chen. Ser­ras Werk, ein rost­ro­ter Metall­block, soll die Hoch­ach­tung vor dem genia­len baro­cken Bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun und der gro­ßen Dich­te­rin Annet­te von Dros­te- Hüls­hoff aus­drü­cken. Sie steht auf einer Allee des Rüsch­hau­ses vor den Toren Müns­ters, der Stadt der Skulp­tu­ren.

Schön ist der Spa­zier­gang durch die alte Fes­tung in Cer­vei­ra. Die Räu­me wer­den geschickt zur Prä­sen­ta­ti­on aus­ge­nutzt. Die­se Skulp­tur mit den Hän­den erin­nert den Rei­sen­den an die „100 Arme der Guan-yin“ auf dem Mari­en­platz in Müns­ter. Die­ser hier fällt aber klei­ner aus. Aber man kann auch nicht immer erwar­ten, etwas zu fin­den, das einen durch Inno­va­ti­on gera­de­zu über­wäl­tigt. Bien­na­le in Cer­vei­ra und in Vene­dig — ein Besuch der Aus­stel­lung ist wär­mes­tens zu empfehlen.

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