Zwei Hasen schauen einander an. Einer überreicht dem anderen etwas. Erwartungsvoll öffnet dieser die Arme. Die beiden Skulpturen sind die Publikumslieblinge im Museum für moderne Kunst, zeitgenössische Kunst und Art brut in Lille (LaM). Jeder sieht sofort, dass der Künstler im Grunde eine Frau und einen Mann geschaffen hat, die miteinander tanzen. Über den Humor verbinde man zeitgenössische eigentlich nicht, sagt eine der Kuratorinnen. Doch so wolle man die Besucher an aktuelle Themen heranführen.
„Abenteuer Museum. Das LaM in Lille“ — der arte-Film vermittelt sehr gut das Besondere dieses Museums. Es stellt die verstaubten Kunstmuseen in Paris in Sachen Kunstvermittlung klar in den Schatten. In Paris werden wertvolle Gemälde bloß zur Schau gestellt. Dabei sind die Einnahmen durch die hohe Zahl der Besucher sicher üppig, um gute Museumsdidaktik aufzubauen. Doch das scheint man nicht für nötig zu halten. Kein Wunder, dass ins Louvre zum Beispiel die Selfie-Kultur vor der Mona Lisa eingezogen ist.
Ebenso arbeitet der Film gut die besondere Lage der Kunsthalle heraus. Es liegt außerhalb Lilles in einem Park. Es sind Jogger zu sehen, die auch dazu eingeladen sind, sich die Bilder und Skulpturen anzuschauen. Lille liegt nahe an Belgien und England, öffnet sich so aus Sicht der Franzosen nach „Nordeuropa“. Das Museum soll zum Alltag der Menschen gehören, Teil eines Netzwerkes sein.
Der sehenswerte Film steht in der Mediathek zur Ansicht bereit. Schnell anschauen, bevor er wieder abgesetzt wird.
Abenteuer Museum: LaM in Lille. In gut vier Wochen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Seit gut zwei Wochen stelle der Reisende daher die Stadt Lille in Nordfrankreich vor. Dort gastiert die deutsche Nationalmannschaft.
Als der Reisende heute morgen das Fernseh-Programm nach spannenden Beiträgen durchforstete, dachte er: Das ist nicht möglich. Vor einigen Tagen noch bot er verschiedenen Print-Medien eine große Reportage an über die spannende Art der Nordfranzosen, Kunst darzustellen. Den Kunsthallen in Flandern ist die Handschrift der Gestalter der Kulturhauptstadt 2004 anzusehen. Dagegen kommt die Darbietung von Kunst in Paris geradezu verstaubt daher und mittlerweile auch manches Gebäude wie zum Beispiel das Centre Pompidou.
LaM in Lille ist ein echtes Schmuckstück
Der Fernsehsender arte stellt jetzt in Abenteuer Museum ein echtes Schmuckstück unter den Museen Lilles vor: das „Lille Métropole Musée d’art moderne“ (LaM). Dass es ein Juwel ist, liegt schon daran, dass es in einer von Wiesen und Wald umsäumten Parklandschaft bei Villeneuve-d’Ascq liegt. Es gibt nicht viele französische Museen dieses Typs. Denn die meisten liegen in den Stadtzentren. Auch die Architektur des Gebäudes ist in Frankreich etwas Neuartiges. Wie der Reisende an der Beschreibung des Beitrags gesehen hat, werden die Autoren wohl darauf eingehen. Innen wartet vor allem moderne Kunst auf die Besucher. Nicht nur Gemälde, sondern auch Skulpturen und audiovisuelle Medien gibt es zu bestaunen. Ganz in der Nähe des LaM liegt gar ein im art-déco errichtetes Schwimmbad. Schwimmer wird man dort nicht mehr finden, dafür aber den Zeitgeist des ersten Drittels des 20.Jahrhunderts.
Arte zeigt am kommenden Sonntag,
15. Mai, 17:35–18:30 Uhr
Abenteuer Museum
Das LaM in Lille
Durchstreifen & Erleben ist gespannt auf den Film. Wer es gar nicht erwarten kann, kann vorab den Artikel “Provinz-Industriestadt schlägt Hauptstadt” in der in Wien erscheinenden Zeitung “Die Presse” lesen. Dort stellt der Reisende wichtige Bestandteile der Kunst-Szene Lilles in Wort und Bild vor.
Das sieht richtig edel aus. Antike griechische und römische Statuen säumen den Beckenrand des Schwimmbads mit Art-déco in Lille, Hauptstadt der Region Flandern. Am liebsten würde der Reisende jetzt seine Badehose auspacken und reinhüpfen. Denn noch nie ist er in einem Schwimmbad im Art-déco-Stil gewesen.
Einige Museen hat er schon in dieser Art gesehen wie die schöne Casa das Mudas bei einer Rundreise auf Madeira. Das kann er für einen Besuch nur empfehlen. Es liegt etwa 20 Minuten von Funchal entfernt, zeigt Kunst und Möbel, die ziemlich kostbar aussehen, da auf Hochglanz poliert. Es gibt eine gute Flugverbindung von Frankfurt nach Funchal. Aber noch kein Schwimmbad, piscine auf Französisch.
Das Becken ist voller Wasser. Es riecht nach Chlor, und die Luft ist feucht. Doch die Oberfläche ist glatt wie ein Spiegel. Schwimmer sind nicht zu sehen. Denn das Bad in Roubaix, einer ehemaligen Arbeiterstadt außerhalb Lilles, ist nur noch zu Schauzwecken eröffnet — als Musée d’Art et d’Industrie de Roubaix. 1912 beschloss der Rat der Stadt, dass sich hier Arbeiter erholen sollten, die in Fabriken der Umgebung tätig waren. Doch der Folgen des Ersten Weltkriegs wegen konnte es erst 1932 eröffnet werden.
Im großen runden Fenster am Ende der auch für Olympische Spiele geeigneten Kampfbahn geht die Sonne auf. Gelbe Strahlen deuten sie an, die sich auch auf der Wasseroberfläche spiegeln. Über ihr eine glatte weiße Decke, gewölbt wie die Tonnengewölbe großer Kathedrale. Ringsum gehen auf zwei Etagen kunstvoll gemeißelte Geländer. Teils ragen Balkone heraus. Von denen konnten Badegäste das Geschehen unter sich in der Halle beobachten. Leicht belustigt flaniert der Reisende durch die Schwimmhalle. Denn aus Lautsprechern ertönen Stimmen und Plätschern der Badegäste vergangener Zeiten. So wird der Eindruck erweckt, als liefe der Betrieb auch heute noch. Sogar Umkleidekabinen existieren noch im Schwimmbad mit Art-déco.
Dem Schwimmbad im Art-déco-Stil folgt das Kunstmuseum LaM
Danach besucht der Reisende das Kunstmuseum LaM, das einige Kilometer weiter außerhalb von Lille liegt. Der Name steht für Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut. Der Reisende findet, diese Exponate können durchaus mit dem Centre Pompidou in Paris mithalten, das etwas verstaubt daherkommt. Man merkt alleine am Konzept und der Architektur, das hier noch ein Team an den Hebeln sitzt, da noch 2004 die Spiele der Kulturhauptstadt organisierte. Der Industrielle und Kunstsammler Jean Masurel (1908–1991) und dessen Ehefrau Geneviève legten 1979 mit der Schenkung ihrer Sammlung von Kubisten, Surrealisten und anderen Gemälden die Basis für die Gründung des Museums.
Eine weitere große Schenkung erfolgte zwanzig Jahre später mit der Art-brut-Kollektion von 3.500 Werken der Gruppe Aracine an den Stadtverband Lille. Darunter befinden sich Werke wie zum Beispiel Jean Dubuffets’, von dem auch der auf dem Foto abgebildete weibliche Akt stammt.
Noch beeindruckender findet der Reisende den Skulpturenpark außerhalb des Museums — mit Werken Picassos und Mirós zum Beispiel. Und die Gestaltung der Gebäude findet er spannend, die er näher in einem Artikel für die österreichische Zeitung “Die Presse” beschrieben hat. Die Reise nach Flandern hat sich allein für diesen Tag gelohnt.