Ist Dänemark unsolidarisch?

Einen Bei­trag über Däne­mark, bei dem das Sozi­al­sys­tem und die Migra­ti­on im Mit­tel­punkt ste­hen, hat jetzt der Deutsch­land­funk gebracht. Die­sen stuft der Rei­sen­de als inter­es­sant, aber auch als ein­sei­tig ein. 

Hier zwei Aus­schnit­te aus dem Beitrag: 

“Natür­lich reden wir über Flücht­lin­ge und Migran­ten und die öffent­li­che Mei­nung. Von Dutsch­kes 7.000 Mit­ar­bei­tern sind 13 Pro­zent aus Län­dern der drit­ten Welt – der offi­zi­el­le Sprach­ge­brauch in Däne­mark: aus dem nicht­west­li­chen Aus­land – das ent­spricht etwa ihrem Anteil in der Stadt und Pro­ble­me gebe es da kei­ne großen. 

Aber natür­lich wach­se hier ein Pro­blem her­an mit denen, die nicht inte­griert sind. Wie genau sich hier Frem­den­feind­lich­keit und Angst um den eige­nen Wohl­stand mischen, im Ein­zel­nen, das kann nie­mand genau sagen, es wird bei­des sein. Aber im Vor­der­grund steht in den Gesprä­chen, die ich füh­re, immer das küh­le mate­ri­el­le Argu­ment: Wenn 80 Pro­zent der  Dänen arbei­ten und ein­zah­len, aber nur 50 Pro­zent der Migran­ten Arbeit haben, dann ist das eine Belastung.

Die Par­tei­en, sagt Dutsch­ke, hät­ten das Pro­blem lan­ge ver­drängt. „Nun hat uns die Däni­sche Volks­par­tei – mit ihrer mas­si­ven Anti-Migran­ten-Poli­tik – aber gezwun­gen, uns ehr­lich zu machen. Hier in Däne­mark wird jetzt end­lich wenigs­tens über das Pro­blem gere­det. Die Schwe­den lügen sich immer noch etwas in die Tasche.“ Die Schwe­den – hat­te Dutsch­ke das gesagt? – die Schwe­den gel­ten in Däne­mark als die Deut­schen Skan­di­na­vi­ens und sie selbst sehen sich gern als die Ita­lie­ner das Nordens.”

An ande­rer Stel­le heißt es: “Die Migra­ti­ons­fra­ge ist in Däne­mark – wie in fast allen euro­päi­schen Län­dern – zur Mün­ze im par­tei­po­li­ti­schen Kampf um Pro­zen­te gewor­den. Mehr als 60 Ver­än­de­run­gen im Aus­län­der- und Asyl­recht sind unter der jet­zi­gen Regie­rung, unter dem Druck der Volks­par­tei beschlos­sen wor­den. Für radi­ka­le Sprü­che gibt es die schnells­ten Schlag­zei­len. Oft sind das nur publi­kums­wirk­sa­me Paro­len, die – jeden­falls bis jetzt – ohne Chan­ce auf Ver­wirk­li­chung sind. 

Ob nun die Volks­par­tei im Euro­pa­rat vor­schlägt, Men­schen­rech­te in vol­len Umfang nur noch däni­schen Staats­bür­gern zu gewäh­ren – um die Abschie­bungs­bar­rie­ren zu sen­ken, oder ob es klei­ne Nadel­sti­che sind, mit denen das gesichts­ver­ber­gen­de Tra­gen von Müt­zen, Schals oder Kopf­tü­chern unter Stra­fe gestellt wer­den soll. 

Oder der ohne­hin sinn­lo­se Plan, mit einem kilo­me­ter­lan­gen Zaun den Über­tritt von Wild­schwei­nen nach Däne­mark zu ver­hin­dern, der den Spre­cher der Däni­schen Volks­par­tei zur Bemer­kung ver­an­lass­te, man kön­ne den Zaun ja auch noch ein wenig höher bau­en, um auch ande­re am Grenz­über­gang zu hindern. 

Ob der Ghet­to­re­de des Minis­ter­prä­si­den­ten, der Migran­ten aus tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Brenn­punk­ten eva­ku­ie­ren will, um das Mischungs­ver­hält­nis von Migran­ten und eth­ni­schen Dänen zu ver­bes­sern, Taten fol­gen wer­den, ist noch unge­wiss – das Par­la­ment muss die Mit­tel dafür erst bewilligen. 

Aber die Stim­mung hat sich gedreht. Außer der klei­nen links­grü­nen Ein­heits­par­tei wol­len alle poli­ti­schen Grup­pie­run­gen Migra­ti­on ganz ver­hin­dern und Asyl erschwe­ren. Am radi­kals­ten gedreht haben sich die Sozi­al­de­mo­kra­ten. Von deren Par­tei­vor­sit­zen­der Met­te Fre­de­rik­sen kam der Vor­schlag: Wer in Däne­mark Asyl bean­tra­ge, der sol­le in ein Lager „außer­halb von Euro­pa“ ver­bracht wer­den, dort soll­ten dann die Anträ­ge geprüft und von dort aus sol­len die Asyl­be­wer­ber in ihre Her­kunfts­län­der abge­scho­ben wer­den. „Der neue Frei­heits­kampf“ heißt das Pro­gramm, das den Wohl­fahrts­staat bewah­ren soll.”

Eine Ant­wort dar­auf gibt im Prin­zip die Frau­en­recht­le­rin Aya­an Hir­si Mit­te Mai 2021. Sie stammt aus einer streng mus­li­mi­schen Fami­lie in Soma­lia, lehrt und forscht am Hoo­ver-Insti­tut der Stan­ford-Uni­ver­si­tät in den USA. Gera­de hat sie ihr Buch “Beu­te” beim Ber­tels­mann-Ver­lag her­aus­ge­bracht. Sie spricht dar­in an, dass Män­ner aus mus­li­misch gepräg­ten Län­dern eine ande­re Hal­tung pfleg­ten als euro­päi­sche. Die­ser kul­tu­rel­le Unter­schied sei ein­fach da. 

Auch gegen­über Juden, Chris­ten und ande­ren Nicht-Mus­li­men. “Wir alle sehen die­se Pro­ble­me. Und es soll nicht erlaubt sein, dar­über zu spre­chen und die­se Pro­ble­me zu benen­nen.” In Euro­pa gehe es mehr um die Her­kunft von Zuwan­de­rern und die Phi­lo­so­phie des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus. Unter­schied­li­che Kul­tu­ren soll­ten nicht ver­gli­chen wer­den, denn alle Kul­tu­ren sei­en gleich gut oder gleich schlecht. “Das ist Iro­nie: Euro­pä­er kön­nen sehr anti­ame­ri­ka­nisch sein, aber oft über­neh­men sie die nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen aus den USA, wie die­se unsin­ni­ge Identitätspolitik.”

Den Begriff der Isla­mo­pho­bie benutz­ten in der Regel Isla­mis­ten, wenn sie kri­ti­schen Fra­gen aus­ge­setzt wür­den. Aber er wer­de auch von lin­ken und grü­nen Par­tei­en in Euro­pa benutzt, um Mus­li­me von der Kri­tik aus­zu­neh­men. Der Grund: Mus­li­me wür­den mehr. Sie wür­den ein­ge­bür­gert und bekä­men dadurch das Wahl­recht. Als wach­sen­de Wäh­ler­grup­pe sei­en sie für Par­tei­en interessant.

Sie schlägt vor, die Push-Fak­to­ren zu redu­zie­ren, die Men­schen aus Afri­ka und Asi­en nach Euro­pa hol­ten. Zwi­schen Staa­ten gehe das nur auf poli­ti­scher Ebe­ne. Wer Geld für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung sei­nes Lan­des bekom­me, müs­se Mas­sen­mi­gra­ti­on redu­zie­ren. Der Dschi­had müs­se bekämpft wer­den, der star­ke Migra­ti­ons­be­we­gun­gen verursache. 

Außer­dem müs­se Euro­pa sei­ne Geset­ze für Asyl­be­wer­ber, Kriegs­flücht­lin­ge und ande­re Zuwan­de­rer har­mo­ni­sie­ren und und erneu­ern. Dass über Asyl­ver­fah­ren zuge­wan­dert wird, sei in den USA und Kana­da nicht vor­stell­bar. Man brau­che auch funk­tio­nie­ren­de Inte­gra­ti­ons­pro­gram­me. Sprach­kur­se sei­en nur ein Anfang. Die Men­schen müss­ten in ein Wer­te­sys­tem inte­griert werden. 

Dazu gehö­re auch, dass Leu­te in ihre Hei­mat zurück­ge­schickt wür­den, wenn es nicht funk­tio­nie­re. Dazu brau­che man effi­zi­en­te Rück­füh­rungs­me­cha­nis­men — und poli­ti­schen Willen.

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Per Kirkeby gestorben

Per Kir­ke­by Bus­hal­te­stel­le in Müns­ter nahe Schlossplatz

Lei­der ist jetzt der bekann­te däni­sche Künst­ler Per Kir­ke­by in Kopen­ha­gen gestor­ben. Er kam vor 80 Jah­ren auch in Kopen­ha­gen auf die Welt. Der Rei­sen­de hat über Kir­ke­by eini­ge Zei­len im Kul­tur­rei­se­füh­rer “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” geschrie­ben. Denn in der Nähe des Schlos­ses steht eine sei­ner Skulp­tu­ren. Es han­delt sich um eine von ihm geplan­te und oben auf dem Foto abge­bil­de­te Bus­hal­te­stel­le. Von dort soll­ten einst nicht nur Schü­ler des Frei­herr-vom-Stein-Gym­na­si­ums beför­dert wer­den. Die lang gezo­ge­ne und 50 Meter lan­ge Mau­er soll­te sie auch vor vor­bei brau­sen­dem Ver­kehr schüt­zen. Bevor sie errich­tet wur­de, spran­gen vie­le Jugend­li­che ein­fach über eine fla­che Mau­er. Da der Rei­sen­de dort zur Schu­le ging, mach­te er es genau­so. Dies konn­ten auf­sicht­füh­ren­de Lehr­kör­per schlecht kon­trol­lie­ren konn­ten. Wie zu sehen ist, ist in die Mau­er eine Bus­hal­te­stel­le inte­griert. Die War­te­hal­le misst zehn mal drei Meter.

Heu­te ist an Stel­le der Schu­le das Ger­ma­nis­ti­sche Insti­tut der Uni­ver­si­tät am Schloss­platz 4 getre­ten. Es schließt eine gan­ze Rei­he roter Häu­ser vom Kuh­vier­tel bis zu einer Brü­cke am Spie­ker­hof. Nur: An der Hal­te­stel­le hält kein Bus mehr.

Teil der bekannten Skulptur Projekte

Auch auf dem Schloss­platz in Müns­ter ste­hen Wer­ke Kir­ke­bys, die Ein­gang in “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” gefun­den haben. Alle sind aus rotem Back­stein geformt. Dies ist die typi­sche Far­be der moder­nen Stadt. Vie­le Gebäu­de bestehen hier aus rotem Back­stein mit wei­ßen Fens­ter­kreu­zen. Man hat sie im Rah­men der bekann­ten Skulp­tur Pro­jek­te zunächst in der Stadt auf­ge­stellt, spä­ter gekauft. Tau­sen­de von Besu­chern aus aller Welt strö­men alle zehn Jah­re in die West­fa­len­me­tro­po­le, um die Wer­ke inter­na­tio­nal bekann­ter Künst­ler zu betrachten.

Emp­feh­len kann der Rei­sen­de für einen wei­te­ren Wochend-Trip oder im Rah­men eines Som­mer­ur­laubs in Däne­mark auch einen Besuch des wohl inter­es­san­tes­ten Kunst­mu­se­ums der Welt. Es steht in Aar­hus und heißt ARoS. Dort wie­der­um sind eini­ge Gemäl­de Per Kir­ke­bys aus­ge­stellt. Per Kir­ke­by gestor­ben, ein Ver­lust für die Kunstwelt.

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Aarhus in 36 Stunden

Aar­hus in 36 Stun­den: Die Repor­te­rin Ingrid K. Wil­liams von der “New York Times” besuch­te die däni­sche Kul­tur­haupt­stadt. Sie meint, es sei mög­lich, dort die wich­tigs­ten Sehens­wür­dig­kei­ten bin­nen 36 Stun­den zu besich­ti­gen. Dafür setzt sie ein lan­ges Wochen­en­de an. Aar­hus bezeich­net sie als eine klei­ne Stadt der Wis­sen­schaft. Die­se bie­te ver­blüf­fen­des Kunst­werk, gemüt­li­che Restau­rants und exzel­len­tes Brauhausbier.

In ers­ter Linie sieht sie Däne­marks zweit­größ­te Stadt als Uni-Stadt an. Jeder sieb­te Bewoh­ner stu­die­re. An allen Ecken und Enden sprieß­ten neue archi­tek­to­ni­sche Land­mar­ken und umge­nutz­te Kul­tur­kom­ple­xe wie Wild­blu­men. Am alten Hafen kön­ne man jetzt abends aus­ge­hen und inter­es­san­te Design-Objek­te besich­ti­gen. Die Stadt sei fuß­läu­fig und bie­te sowohl oben wie unten Ent­de­ckun­gen an wie Kunst­wer­ke auf dem Dach als auch gemüt­li­che Löcher in Wän­den. All das befin­de sich nur drei Zug­stun­den von der Haupt­stadt Kopen­ha­gen entfernt.

Am Freitag Kunst und Essen

Zunächst führt Wil­liams an einem ima­gi­nä­ren Frei­tag ihre Leser ins Kunst­mu­se­um AroS. Auf dem Dach emp­fand sie den in Regen­bo­gen­far­ben gehal­te­nen Rund­gang als spek­ta­ku­lär. Die­ses von Olaf­ur Eli­as­son geschaf­fe­ne Kunst­werk sei Insta­gram-taug­lich. Besu­cher könn­ten die Kul­tur­haupt­stadt von oben buch­stäb­lich aus der 360-Grad-Per­spek­ti­ve betrach­ten. Unter dem Rund­gang befin­den sich die Aus­stel­lun­gen des Hau­ses: Die­se offe­rie­ren poli­tisch gela­de­ne Wer­ke wie „No man is an island – The Sata­nic Ver­ses“ oder einen Aus­stel­lungs­raum „The 9 Spaces“ mit audio­vi­su­el­len Arbei­ten zeit­ge­nös­si­scher Künst­ler. Sie hebt die fas­zi­nie­ren­de Rot­licht-Instal­la­ti­on von James Turell her­vor und die audio­vi­su­el­len Arbei­ten des Schwei­zer Künst­lers Pipi­lot­ti Rist.

Gut vier Stun­den spä­ter will die Autorin zu einem Essen im Restau­rant Haer­vaerk ver­füh­ren. Im Spei­se­saal gebe es Besteck in Leder­beu­teln. Fleisch wer­de dort auf­ge­hängt. Das Menü wech­se­le täg­lich. Dies rich­te sich danach, was klei­ne loka­le Zulie­fe­rer gera­de zum Ver­kauf anbö­ten. Ihr Menü begann mit schmack­haf­ten Snacks: Schmalz drap­pier­tem lauch­blätt­ri­gen Bocks­bart folg­ten mit Schin­ken ver­pack­te Gris­si­ni. Ihren Gau­men ver­wöhn­ten danach bel­gi­sche Waf­feln mit Pil­zen. Dazu trank sie Cider des Vin­hu­set Kvist & Vitus im Süden der Stadt. Als wäre dies nicht genug, ließ sie sich dann geba­cke­ne Rüben mit Pfer­de­speck sowie Arti­scho­cken-Eis mit Chips und Kavi­ar schme­cken. 450 Kro­nen für solch ein Mahl sind für däni­sche Ver­hält­nis­se noch aus­ge­spro­chen günstig.

Am Samstag Bier und Architektur

Dass sie danach auch gut geschla­fen hat und schon wie­der hung­rig war, zeigt, dass sie sich bereits um 10 Uhr mor­gens zu einem Bier-Menü ein­fand. Dies bot ihr die Bar Hant­Werk. Die­se böte jüt­län­di­sche Sor­ten wie „Blon­di­nes Kusi­ne“. Hin­ter dem lus­ti­gen Namen ver­birgt sich ein bel­gi­sches Bier mit Zitrus-Geschmack, das die Mikro­braue­rei Hum­le­land her­stel­le. Danach ließ sie es sich offen­bar in der Bar Mig & Ols­ned­ke­ren bei einem wei­te­ren Bier gut gehen. Dabei muss man sich Aar­hus gar nicht schön trin­ken. Wie es um ihre Bla­se danach bestellt war, möch­te man gar nicht wis­sen. Denn aufs Bier folg­te ein Kaf­fee im “Gre­at Cof­fee”. Die­sen bie­tet mit Søren Stil­ler Mar­kus­sen einer der bes­ten Kaf­fee-Baris­tas Däne­marks an. Die Pro­mil­le schie­nen sich schon aus­zu­wir­ken, denn sie über­sah, dass Name des Man­nes mit ø statt mit o geschrie­ben wird. Dabei über­sah sie auch die vie­len inter­es­san­ten Glas­be­häl­ter in der Kaf­fee­rös­te­rei. Denn der Inha­ber kocht nicht nur ein­fach Kaf­fee. In sei­nem Rei­se­füh­rer „Aar­hus Stadt des Lächelns“ beschreibt der Rei­sen­de das Vor­ge­hen ein­ge­hen­der. Statt­des­sen schlüpf­te sie viel­leicht beschwipst in den Kaf­fee­la­den “RS28”. Dort reich­te man ihr eine schau­mi­ge Lat­te Mac­chia­to. Und sie sprach mit Baris­tas über Aromen.

Bibliothek der Zukunft und kreative Szene

Wie sie es so schon um 11 Uhr in Däne­marks Biblio­thek der Zukunft „Dokk 1“ geschafft hat, bleibt ihr Geheim­nis. Eine phy­si­sche Büche­rei im digi­ta­len Zeit­al­ter. Die­se befin­det sich am Was­ser auf Aar­hus Ø, dem umge­stal­te­ten alten Hafen der Stadt. Das däni­sche Archi­tek­ten-Büro Schmidt Ham­mer Las­sen hat ihr die­se neo-futu­ris­ti­sche hep­ta­go­na­le Struk­tur ver­lie­hen. Sie sei nicht nur ein­fach eine öffent­li­che Büche­rei. Sie bie­te zudem Räu­me für Büros, Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, Aus­stel­lun­gen, Vor­füh­run­gen sowie Klub­ses­sel zum Aus­ru­hen und Platz fürs Abend­essen. Außen gebe es eine Ter­ras­se mit Platz für Kin­der und Out­door-Kunst, innen einen schö­nen Blick aufs Was­ser und die alte Industrie-Kultur.

Eine Stun­de spä­ter berei­tet ihr Miche­lin-Koch Was­sim Hall­al smør­re­brød zu – sie schreibt smor­re­brod. Das But­ter­brot mit Kar­tof­fel­brei, knusp­ri­gem Schin­ken, kara­mel­li­sier­ten Zwie­beln und Baby­ge­mü­se gebe es in der Loca­ti­on F‑Hoj am Fluss­ufer. Sie emp­fiehlt dazu Krab­ben, zu denen ein Hühn­chen-Apfel-Salat in Senf­sauce ser­viert wird.

So gestärkt begibt sie sich dann ins Kopen­ha­ge­ner Möbel­ge­schäft Paus­ti­an. Dies scheint eine brei­te Palet­te unter­schied­li­cher Sti­le anzu­bie­ten vom Funk­tio­na­lis­ten wie Weg­ner und Jacob­sen Mit­te des 20. Jahr­hun­derts bis zu moder­nen Trend­set­tern wie Muuto and Hay. Das Möbel­haus ist dem­nach in einer ehe­ma­li­gen Eisen­bahn­sta­ti­on am Was­ser unter­ge­bracht. Zu fin­den sei­en dort Desi­gner­stü­cke wie die Arti­scho­cken-Lam­pe Poul Hen­nings­ens. Oder Kay Boje­sens hän­gen­der Affe, der einst in vie­len däni­schen Kin­der­zim­mern zu fin­den gewe­sen sei.

Zwei Stun­den 30 Minu­ten spä­ter fand sie sich in Godsbanen ein, ein alter Güter­bahn­hof. Heu­te lüden dort Krea­ti­ve wie Maler, Schrift­stel­ler und dar­stel­len­de Künst­ler in ihre Stu­di­os, Gale­rien und Ate­liers ein. Dort böten sich jeder­zeit Stra­ßen­mes­sen, Ess- und Trink­fes­ti­vals, Floh­märk­te und Kon­zer­te zum Besuch an – in einer Umge­bung mit alten Eisen­bahn­ge­bäu­den, Spiel­plät­zen, Pop-up-Shops und vege­ta­ri­schem Café.

Abends um 20 Uhr warf sich Autorin Ingrid K. Wil­liams wohl wie­der in Scha­le, such­te das Restau­rant „Ves­ter­lau­get Mad­bo­de­ga“ auf. Dies bezeich­net sie als „gemüt­li­ches Him­mels­pa­ra­dies“. Dafür ver­wen­det sie den däni­schen Begriff „hyg­ge“. Möbliert sei es mit Tischen und Stüh­len vom Floh­markt, ani­miert von Ker­zen. Die Gäs­te teil­ten sich die Tische. Wäh­rend es mor­gens Eng­lish break­fast und däni­sches But­ter­brot gebe, böte der Koch abends nur einen Haupt­gang an wie Span­fer­kel mit Gers­te, Erb­sen und Fen­chel. Oder aber däni­sches Hühn­chen mit Kräu­tern sowie Lin­sen und Pas­ti­na­ken. Dazu als Nach­tisch Rha­bar­ber-Mas­car­po­ne-Hasel­nuss-Tor­te und loka­les Bier. Damit sei für einen hyg­ge­li­gen Abend gesorgt, meint die Autorin.

Für den spä­te­ren Abend emp­fiehlt sie einen Besuch im “Gedulgt“, wo Cock­tails gemixt wür­den. Aber Aar­hus in 36 Stun­den ist noch längst nicht vorüber.

Am Sonntag Isbjerget und dänische Geschichte

Das Köpf­chen war wohl nicht all­zu schwer, so dass sich Ingrid am nächs­ten Mor­gen um 10 Uhr in „Isbjer­get“ ein­fin­det. Die­ses einem Eis­berg nach­emp­fun­de­ne Wohn­haus hat der Archi­tekt Mik­kel Frost ent­wor­fen, den der Rei­sen­de in „Aar­hus Stadt des Lächelns“ por­trä­tiert. Wer vom Was­ser aus auf Aar­hus Ø zusteu­ert, dem wird das hohe wei­ße Gebäu­de nicht ent­ge­hen. Des­sen „wei­ße Spitz­dä­cher rag­ten dra­ma­tisch auf wie zer­klüf­te­te Gip­fel“, schreibt die Autorin.

Mit­tags führt sie sich Kof­fe­in-Ener­gie zu im „La Cabra Cof­fee“. Und wie kann es auch anders sein? Es lockt sie das gute Essen. Gegrill­te Sand­wi­ches, Avo­ca­do-Toast und sowie Brot und Käse. Alter­na­tiv bie­te sich „Aar­hus Street Food“ an, eine Hal­le mit über 30 Stän­den, gespickt mit inter­na­tio­na­ler Küche.

Um 13.30 Uhr lässt sie sich immer­hin auch mal auf däni­sche Geschich­te ein. Im vom Archi­tek­ten­bü­ro Hen­ning Lar­sen gestal­te­ten Moes­gaard Muse­um, das wirk­lich sehens­wert ist, geht es um däni­sche Früh­ge­schich­te bis hin zur Wikingerzeit.

Im Gro­ßen und Gan­zen wid­me­te sich die Dame vor allem dem Essen, was ame­ri­ka­ni­schen Besu­chern wohl ziem­lich wich­tig ist. Aber Kul­tur schmeckt auch am Bes­ten, wenn man bei Aar­hus in 36 Stun­den nicht hung­rig ist. Auch ein Repor­ter der Zeit­schrift “Vogue” besuch­te Aar­hus. Dort gibt es wei­te­re inter­es­san­te Tipps.

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Aarhus ‑Stadt des Lächelns

Lus­tig, gera­de gegoo­gelt. Mein Kul­tur­rei­se­füh­rer über Aar­hus “Aar­hus Stadt des Lächeln Die däni­sche Kul­tur­haupt­stadt durch­strei­fen und erle­ben” ist der­zeit Gegen­stand eines Semi­nars für Mas­ter-Stu­den­ten an der Uni Hei­del­berg über Kul­tur­mar­ke­ting. Prof. Dr. Man­del bie­tet das Semi­nar an. Dann wer­de ich viel­leicht auch zitiert in einer der Seminararbeiten. ☺

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Vogue lädt zum Aarhus-Tagestrip

Vogue lädt zum Aar­hus-Tages­trip: Ist die Autorin der ame­ri­ka­ni­schen Zeit­schrift “Vogue” wirk­lich in der Stadt des Lächelns gewe­sen? Nichts schreibt sie über die Atmo­sphä­re in der Kul­tur­haupt­stadt. Die Kul­tur der Stadt kommt nur am Ran­de vor. Sind die Dänen etwa nur Säu­fer? Und tüch­ti­ge Esser? Den im Text her­vor­ge­ho­be­nen “Akva­vit” kann der Rei­sen­de pro­blem­los in einem deut­schen Dis­coun­ter kau­fen. Mit jeman­dem vor Ort gespro­chen, hat die Ver­fas­se­rin auch nicht. Der Rei­sen­de hat bis­her nur weni­ge Arti­kel über Aar­hus gele­sen oder im Rund­funk gehört, bei dem er das Gefühl hat­te, dass die Autoren dort gewe­sen sind. Und die Fotos stam­men von einer Wer­be­agen­tur. Nicht die lei­ses­te Kri­tik wird am Auf­tritt der Stadt geäu­ßert. Die Leser zah­len viel Geld für die­se Zeit­schrift. Anzei­gen wer­den von Unter­neh­men teu­er bezahlt. Wo ist hier die Gegen­leis­tung für die Leser?

Doch nach der Auf­re­gung nun end­lich zum Arti­kel der berühm­ten Zeitschrift: 

Ver­steckt auf der schrof­fen Halb­in­sel Jüt­land, sei Aar­hus nie die belieb­tes­te Tou­ris­ten-Desti­na­ti­on gewe­sen. Die meis­ten Besu­cher Däne­marks zögen lie­ber einen zusätz­li­chen Tag in Kopen­ha­gen einer drei­stün­di­gen Bahn­fahrt an der Ost­küs­te vor. Obwohl Aar­hus die Repu­ta­ti­on als „Stadt des Lächelns“ genie­ße, sei ein Lächeln nicht aus­schlag­ge­bend beim Buchen des Traum­trips. Trotz­dem sei die Stadt zur Euro­päi­schen Kul­tur­haupt­stadt ernannt wor­den. Und so begann die Stadt, sich her­aus­zu­put­zen fürs Jahr 2017 für die Prä­sen­ta­ti­on auf der hohen Stu­fe zwi­schen Euro­pas ande­ren gro­ßen Städ­ten. Heu­te habe Aar­hus die per­fek­te Mischung aus Klein­stadt-Charme und einer Atmo­sphä­re wie in Kopen­ha­gen. Natür­lich habe die Stadt nicht die­se Art zu lächeln ver­lo­ren. Nach die­sem Ein­stieg zeigt Vogue auf, wie ihre Leser einen per­fek­ten Tag in Aar­hus ver­brin­gen können.

Ein guter Tag 

Ein guter Tag in Däne­mark begin­ne immer, wenn es heißt, Vogue lädt zum Aar­hus-Tages­trip, mit Kaf­fee und einer Schei­be Brot oder Gebäck. Aber nicht unbe­dingt mit däni­schem Gebäck. Denn däni­sches Back­werk sei nicht urdä­nisch. Ursprüng­lich kom­me es auf Wien. Stadt­be­su­cher soll­ten es mit lie­ber einer „kanel­stang“ (Zimt­stan­ge) oder einer Schei­be fri­schen Sau­er­teig­brots ver­su­chen, bestri­chen mit wei­cher haus­ge­mach­ter But­ter. Rei­sen­de wür­den schnell ler­nen, dass Brot tief in der däni­schen Kul­tur ver­wur­zelt sei. Es gebe sogar däni­sche Sät­ze, in denen Brot als Meta­pher gebraucht wür­de. So hei­ße es zum Bei­spiel “spis lige brød til” oder „Iss etwas Brot“. So wer­de dazu auf­ge­for­dert, ruhig zu blei­ben. Gutes Brot und Gebäck sei in in vie­len Stadt­vier­teln zu fin­den. Aber die gemüt­li­che „Kaff­ebar“ und Rös­te­rei im Lati­ner-Vier­tel über­tref­fe sie alle. Dies drü­cke sich in vie­len Stamm­kun­den aus.

Zu einem Besuch Däne­marks gehö­re ein Rad, fährt die Autorin fort. Dies sei dop­pelt zu emp­feh­len, wenn es hart sei, die gan­ze Zeit dem Brot zu wider­ste­hen. Obwohl Aar­hus fuß­läu­fig sei, sei es prak­tisch, ein Rad von Cycling Aar­hus zu mie­ten. Oder sich ein kos­ten­lo­ses von Aar­hus City Bikes zu schnappen.

Doch etwas Kultur in der Vogue

Die Rad­tour durch Aar­hus kön­ne an der Water­kant begin­nen. Im Hafen sei­en die Con­tai­ner der gro­ßen Ree­de­rei Maersk zu sehen, die so gigan­tisch sei­en, dass sie an Lego-Bau­stei­ne erin­ner­ten. Von dort kom­me man zu einem neu­en Stück Archi­tek­tur, der öffent­li­chen Büche­rei und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trum Dokk 1. Mit des­sen Design sehe die Büche­rei jeder ande­ren Stadt trau­rig wie ein altes Anti­qua­ri­at aus. Den Fluss über­schrei­tend, kom­me man ins Lati­ner-Vier­tel, den ältes­ten Stadt­teil. Des­sen enge Gas­sen und flach hän­gen­de, von Laden­fron­ten gesäum­te, Gebäu­de sei­en charakteristisch.

Sobald man genug Geld für ein klei­ne Haus aus­ge­ge­ben und genug Waf­feln geges­sen habe, um eine klei­ne Fami­lie zu ernäh­ren, sol­le man die Tour mit dem Genuss von Kul­tur fort­set­zen. Als Euro­päi­sche Kul­tur­haupt­stadt wim­me­le es in der Stadt vor inno­va­ti­ven und kul­tu­rel­len Ange­bo­ten. So bie­te sich ein Besuch des AroS-Muse­ums an oder Gam­le By. Gam­le By ist ein Muse­ums­dorf mit his­to­ri­schen jüt­län­di­schen Häu­sern, wie es dies auch in Det­mold oder in Kiel schon zu sehen ist.

Cocktails beim Aarhus-Städtetrip

Wer noch hung­rig sei, soll­te nicht ver­säu­men, eine däni­sche Mahl­zeit ein­zu­neh­men. Dänen hät­ten ein gewis­se Bril­lanz, wenn es ums Essen gehe. Aar­hus selbst brum­me nur so der exzel­len­ten Köche wegen. Emp­foh­len wird das Miche­lin-Restau­rant Gas­tro­mé. Dies sei modern skan­di­na­visch ein­ge­rich­tet mit wei­ßen Wän­den und mit Fel­len bestück­ten Holz­stüh­len. Dies sei das opti­ma­le Set­ting für ein nor­di­sches Menü, bela­den mit loka­len Gewür­zen, Gemü­se und Natur­wei­nen. Von hier aus sol­le es anschlie­ßend zur St. Paul-Apo­the­ke gehen, eine Cock­tail-Bar. Die­se neh­me das Zube­rei­ten von Cock­tails noch ernst.

Die Autorin emp­fiehlt dort „einen gräss­li­chen Cock­tail, der raucht und glüht“. Und jetzt kommt end­lich der Akva­vit im Text vor, wenn es auch nur ein Schuss ist: Es han­de­le sich um ein skan­di­na­vi­sches Alko­hol­ge­tränk, das aus Kar­tof­feln oder Getrei­de destil­liert wer­de. Dänen sei­en ein frucht­bar kul­ti­vier­ter Hau­fen. Und es sei wahr­schein­lich, dass die­se Bar nur bei einem lei­sen Brum­men die gan­ze Nacht brum­me. Man soll­te also nicht zu grob wer­den. Falls der Besu­cher dies doch tue, könn­te der Nach­bar her­über­schau­en. Und ihm ein sanf­tes Lächeln schen­ken. Daher hei­ße die Stadt schließ­lich „Stadt des Lächelns“.

Hat der Rei­sen­de mit sei­ner Kri­tik an die­sem Text über­trie­ben? Wer von euch bricht nun wirk­lich eupho­risch zu Däne­marks zweit­größ­ter Stadt auf? Unter “Vogue lädt zum Aar­hus-Tages­trip” hat sich der Rei­sen­de zuvor wahr­lich etwas mehr Niveau und weni­ger offen­sicht­li­che Wer­bung ver­spro­chen. So zum Bei­spiel über ein Tref­fen mit einem Mann, der die See­le die­ser Stadt bewah­ren will.

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Im Eisberg zuhause

Im Eis­berg zuhau­se: Der „Eis­berg“ mit elf teils spit­zen, teils fla­chen Gip­feln ist eine der exklu­sivs­ten Wohn­an­la­gen der Welt. Der­ar­tig gewag­te Archi­tek­tur für eine Anla­ge mit 208 Woh­nun­gen gibt es nur in Aar­hus, der euro­päi­schen Kul­tur­haupt­stadt des Jah­res 2017. Schnee­weiß steht „Isbjer­get“ an der Was­ser­kan­te der Aar­hus­bucht im neu­en Stadt­teil Aar­hus Ø. Geplant hat ihn ein däni­scher Archi­tekt mit dem spre­chen­den Namen Mik­kel Frost vom Archi­tek­ten­bü­ro Cebra. 2013 wur­de er erbaut.

Schaut man sich Frosts Arbei­ten in bis­her ver­öf­fent­lich­ten Kata­lo­gen an, fühlt man sich an Le Cor­bu­si­er erin­nert. Er skiz­ziert nicht nur mit Zei­chen­block und Filz­stift. Sei­ne Zeich­nun­gen kolo­riert er mit Pin­sel und Tusch­kas­ten. Steht der Betrach­ter drau­ßen vor dem Gebäu­de, strah­len die Wän­de umlie­gen­der Häu­ser in hel­lem Weiß. Frei hän­gen­de Bal­ko­ne aus blau gefärb­tem Glas vor blau­em Him­mel und wei­tem Meer ver­lei­hen den Gip­feln etwas Flie­ßen­des, Fra­gi­les. Fast schon am Hori­zont hin­ter den hohen Armen der Lade­krä­ne ankern rie­si­ge Con­tai­ner­schif­fe auf der Reede.

Lebt es sich gut im Eisberg?

In einer der Woh­nun­gen lebt der Jugend­li­che Ulrik. Ihn traf der Rei­sen­de bei einem sei­ner Streif­zü­ge durch den neu­en Stadt­teil. Dies war eine gute Gele­gen­heit, unab­hän­gig vom Archi­tek­ten zu erfah­ren, ob die Woh­nun­gen auch wirk­lich lebens­wert sind. Er bewohnt eines der Häu­ser mit Schwes­ter und Eltern. 20.000 Kro­nen kos­te die Woh­nung im Monat, erzählt Ulrik. Die­se bestehe aus drei gro­ßen und zwei klei­nen Zim­mern sowie einem Bal­kon. Von oben genie­ße er oft den schö­nen Son­nen­un­ter­gang über der Bucht. Zuvor habe er auf einer klei­nen Insel in Schott­land gelebt. Sein Vater sei dort als Inge­nieur für ein Wind­kraft­un­ter­neh­men ein­ge­setzt gewesen.

Der 16jährige Jugend­li­che nutzt ger­ne die nahe Umge­bung für sport­li­che Akti­vi­tä­ten. Heu­te fährt er mit einem BMX-Rad. Denn er träumt davon, in der Sport­art Pro­fi zu wer­den. Er fin­det hier mit­samt Freund Lucas eine per­fek­te Bahn zum Trai­nie­ren vor. Die­se wird abends sogar ange­strahlt. In einem You­tube-Video erzäh­len die bei­den Freun­de noch mehr, was es heißt “Im Eis­berg zuhau­se” zu sein. Klickt es ein­fach an.

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Kulturangebot: Münster auf Platz 4

Auf Platz 4 lan­det Müns­ter im NRW-Kul­tur­städ­te­ver­gleich. Was pas­siert also aktu­ell in Essen, immer­hin euro­päi­sche Kul­tur­haupt­stadt 2010? Müns­ter stand 2010 im Fina­le die­ses Wett­be­wer­bes. Zahlt sich das Kul­tur­jahr etwa nicht aus? Denn vor Müns­ter lie­gen nur Bonn, Düs­sel­dorf und Köln.

Lang­fris­tig wird Müns­ter auch die­se Städ­te über­ho­len, wenn zum Bei­spiel die neue Matis­se-Samm­lung in einem eige­nen Muse­um gezeigt wird. Als Stand­ort gefie­le mir das schö­ne Gebäu­de der ehe­ma­li­gen JVA. In der däni­schen Klein­stadt Hor­sens wird im ehe­ma­li­gen Gefäng­nis die Geschich­te des Hau­ses und die Bio­gra­fie eini­ger pro­mi­nen­ter Insas­sen etwa wäh­rend der Besat­zungs­zeit gezeigt. Sehr beliebt ist es auch, dort zum Über­nach­ten eine Gefäng­nis­zel­le zu mieten.

Das ehe­ma­li­ge Post­ge­bäu­de am Hafen wird zur­zeit lei­der abge­ris­sen. Lil­le, Kul­tur­haupt­stadt 2004, hat das alte Post­ge­bäu­de erhal­ten und in eine erfolg­rei­che Kunst­hal­le für moder­ne Kunst umgewandelt. 

Als Grün­de für das erfolg­rei­che Abschnei­den zieht die Jury des Welt-Wirt­schafts­in­sti­tu­tes und der Pri­vat­bank Beren­berg das kul­tu­rel­le Ange­bot an Opern­häu­sern, Thea­tern, Muse­en und Kinos sowie die Nach­fra­ge durch Ein­woh­ner und Besu­cher her­an. Unter­sucht wur­den die 30 größ­ten deut­schen Städ­te. Deutsch­land­wei­ter Spit­zen­rei­ter ist Stutt­gart. Wei­te­re Infos in der heu­ti­gen Aus­ga­be der West­fä­li­schen Nachrichten.

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Seele der Stadt bewahren

See­le der Stadt bewah­ren: Ein Anruf genügt. Und schon steht das Tref­fen mit Olav de Lin­de am nächs­ten Tag. Der Däne ist der füh­ren­de Bau­in­ves­tor in Aar­hus. 1400 Kun­den aus Däne­mark ste­hen in sei­ner Kar­tei. Seit 2008 ist er auch Gene­ral­kon­sul für die Tür­kei. Sein Büro liegt im Gewer­be­ge­biet Frichs­par­ken in einer ehe­ma­li­gen Eisen­bahn­fa­brik. Dort wur­den frü­her Loks gebaut. Heu­te ste­hen hier Büro­ge­bäu­de im so geschätz­ten Stil des 19. Jahr­hun­derts mit neu­go­ti­schen Gie­beln. Bewusst künst­le­risch erbaut, um sich von den oft düs­te­ren Fabrik­hal­len abzu­he­ben. Saniert hat die Fabrik de Lin­de. Er will die See­le der Stadt bewahren.

Som­mer­lich ist er geklei­det, blau­es Hemd, hel­le Hose. Schlank, gera­de Hal­tung. Streng, aber freund­lich. Jahr­gang 1952. Als er den Fahr­rad­helm des Rei­sen­den regis­triert, erzählt er, dass er kürz­lich an der Mosel gera­delt sei. Sein bekann­tes­tes Pro­jekt in der Stadt ist Bazar Vest. Die­ser kommt damit Bedürf­nis­sen von Dänen und Migran­ten ent­ge­gen. Vor­her arbeits­los, fan­den vie­le aus Soma­lia, Libe­ria, Paläs­ti­na und der Tür­kei stam­men­de Men­schen dort Arbeit. Sie eröff­ne­ten zum Teil eige­ne Geschäf­te. 1997 ließ er den Bazar erbau­en. De Lin­de gab den Men­schen dabei nach sei­ner Auf­fas­sung ihre Wür­de zurück.

Nach die­sem Ein­stieg greift de Lin­de zu Hosen­klam­mern und Helm und steigt aufs Renn­rad. Der Rei­sen­de besich­tigt mit ihm einen Stadt­hof, eine Unter­neh­mens­be­ra­tung. Und Gebäu­de im neu gestal­te­ten Stadt­vier­tel Aar­hus Ø.

Vorgehen wie ein Maler vor einer leeren Leinwand

Bei einer Pau­se in einer Kaf­fee­rös­te­rei erzählt er, dass er Alt­bau­ten reno­vie­re. So füh­re er sie neu­en Zwe­cken zu. Reno­vier­te Objek­te behal­te er zur Ver­mie­tung. “Mei­ne Geschäfts­idee ent­stand schon in der Kind­heit. Ich habe mit 16 Jah­ren Möbel restau­riert.” Damals habe er dabei eine Fähig­keit ent­wi­ckelt, die der eines Malers glei­che: Er betrach­te alte Indus­trie­ge­bäu­de wie ein Maler eine lee­re Lein­wand sehe. Schon frü­her habe er sich vorm Reno­vie­ren eines Möbel­stücks vor­stel­len kön­nen, wie es nach der Fer­tig­stel­lung aus­se­hen wer­de. Dies gel­te heu­te für zu reno­vie­ren­de Häu­ser. Er wol­le die See­le der Stadt bewahren.

Hast Du Blut geleckt, die Stadt zu besich­ti­gen? Im Rei­se­füh­rer “Aar­hus Stadt des Lächelns” kannst Du Olav de Lin­de und dem Rei­sen­den fol­gen. Auch ein Gale­rist führt durch die Stadt. Der bekann­te däni­sche Archi­tekt Mik­kel Frost stellt Dir auch sei­ne Pro­jek­te vor. Wie Aar­hus die Zukunft plant, erklärt ein Archi­tekt der Stadt. Mit vie­len Adres­sen zur Ori­en­tie­rung und mit Fotos.

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