Spannende Reaktion auf meinen Kalender
vorgestern erreichte mich eine interessante E‑Mail auf meinen frisch veröffentlichten Kalender über die Ostküste in Algarve. Zu den Fragen Deborahs von Good Reads habe ich jetzt Stellung bezogen, damit deutlich wird, welche Philosophie hinter meinem Unternehmen steht. Das möchte ich niemandem vorenthalten.
Hello Kristen Benning,
earlier today, someone shared Costa do Algarve Oriental in a small reader circle we use when exploring books and visual publications that may be a good fit for future community activities.
The calendar immediately captured readers’ attention because of its celebration of a region that many travelers consider one of Portugal’s most beautiful yet often less explored coastal treasures. Readers were especially drawn to the emphasis on the quieter, more authentic character of the Eastern Algarve.
One reader commented that what stood out most was the focus on landscapes that feel untouched and unhurried. This observation led to a conversation about how certain places seem to preserve a sense of calm and connection with nature despite the rapid pace of modern life.
Several participants were particularly interested in the way the calendar highlights both natural beauty and local culture. Readers discussed how destinations become more meaningful when they are experienced not only through scenery but also through fishing villages, local traditions, architecture, and everyday life.
The group’s attention was also drawn to the imagery of the Ria Formosa, Tavira, Olhão, and the islands along the coast. Participants reflected on how photography can inspire curiosity, encourage travel dreams, and help people appreciate places they may never have the opportunity to visit in person.
Another aspect that generated interest was the role of light throughout the collection. Readers appreciated the description of photographs captured during the golden hour and discussed how lighting can transform familiar landscapes into something memorable and emotionally resonant.
The discussion itself wasn’t particularly long, but Costa do Algarve Oriental remained part of the conversation longer than most travel-themed publications usually do. Readers continued returning to its themes of discovery, nature, coastal life, photography, cultural heritage, and the enduring appeal of places that remain connected to their roots.
That’s what prompted me to reach out.
My name is Deborah, and I help coordinate reader activities inside Turn of a Page.
We don’t normally contact every creator whose work passes through our reader circles. Most books and publications are discussed internally and that’s where the conversation ends. We usually reach out only when we believe a work may create a strong discussion atmosphere and fit naturally within some of the reader environments we’re currently building.
Many of those environments revolve around themed reading events, recommendation features, travel-inspired discussions, community conversations, and reader engagement activities.
We’re currently organizing several upcoming reader events, and Costa do Algarve Oriental is one of the publications I’m considering as a possible fit.
Several readers also expressed interest in learning more about your connection to the Eastern Algarve, the process of selecting the featured locations, and the experiences behind capturing the photographs that appear throughout the calendar.
Would you be interested in hearing where I think the calendar could fit within those plans and potentially sharing your perspective with readers in the future?
Warm regards,
Deborah
Turn of a Page
Meine Antworten
Würdigung der Küstenregion Algarve
Das ist tatsächlich eine Feststellung, die auf meine Arbeitsweise als Journalist und Fotograf zutrifft. Mir geht es als Reisejournalist nicht darum, für mehr Fremdenverkehr für Portugal und/oder andere Länder und Regionen zu werben. Dafür fühle ich mich journalistischen Grundregeln zu sehr verpflichtet. Mir liegen in erster Linie die Menschen am Herzen, die dort leben, auf Tourismus leider zu sehr angewiesen sind. Die Touristen sollen auch nicht nur am Tag am Strand liegen und abends feiern.
Ich vollende zurzeit meinen Reiseführer „Ost-Algarve“, in welchem ich die in den Fotos gezeigten Orte vorstelle und auch auf Herausforderungen vor Ort aufmerksam mache. Vieles scheint nicht auf klimatische Veränderungen vorbereitet zu sein. Was wird aus der Ria Formosa? Auf Inseln gibt es sogar Wohngebiete. Bedroht sind Salzmarschen und marine Gräser durch physische Zerstörung, also durch Bau von Hafen- oder Marinestrukturen, durch Ausbaggerung, Ankerplätze von Schiffen und Schiffsschrauben. Salzmarschen beeinträchtigt besonders Wellenbewegung von Booten mit großer Geschwindigkeit. Nährstoffe und organisches Material aus städtischen Zuflüssen in die Bucht könnten unkontrolliertes Wachstum opportunistischer Algen fördern. Diese bedecken die marinen Gräser und töten sie. Wasserqualität wie ‑quantität nehmen auch ab. Konkret hier beobachten lässt sich das Geschilderte am Cadoiço-Bach, schreiben Biologen aus Faro im Wissenschaftsmuseum in Faro. Dieser entspringt im Nordosten Loulés, wo er bei genügend Wasser einen kleinen Wasserfall bilden kann. Er endet nahe der Praia de Loulé Velho in der Nähe eines Golfplatzes. Ebenso registriert man hier, dass sich Ricinus ausbreite, ein gemeiner in Algarve eingewanderter Baum.
Viele Häuser verfallen nach und nach, nicht nur an der Küste wie selbst in Faro, sondern auch im Hinterland, zu dem ich auch einen Kalender publiziert habe. Schon in der Vergangenheit hat diese Region durch Kriege und Erdbeben stark gelitten. Doch die Portugiesen haben es geschafft, vieles, was zerstört wurde, wieder herzustellen. Faro tut schon einiges im kulturellen Bereich. Laut nationalen Studien, die von zentralen Behörden durchgeführt wurden, gehört Faro zu den mittelgroßen Städten, die neben einer besseren Infrastruktur an kulturellen Einrichtungen auch eine hohe Nachfrage nach Museen, Bibliotheken und öffentlichen Veranstaltungsorten aufweisen.
Während meiner Arbeit stieß ich auf die Dissertation der Architektin Soeiro d’Alvo, die sich intensiv mit der Altstadt Faros befasst. Daher spricht sie sich dafür aus, Faro zu bewahren, zu würdigen und zu verbessern. Unter bewahren versteht sie, die Werte zu erhalten, die die Art und Weise des Daseins verkörpern die besondere Lebensart der Menschen aus Faro widerspiegeln, die sie von anderen Städten Verwandten unterscheide. Unter würdigen versteht sie, die Stadt immer wieder zu respektierter und für ihre Schönheit zu bewundern, auch für die Verteidigung ihres Erbes. Als verbessern bezeichnet sie, eine ausgeglichene Beziehung zwischen dem Neuen und dem Erreichten herbeizuführen und immer mehr Faro zu einem Ort für Menschen zu machen, zu vermenschlichen.
Ziel sei es, so Soeiro d’Alvo, im historischen Zentrum die Präsenz einer dort lebenden Bevölkerung zu garantieren, sich zu verpflichten, ererbte Werte zu verteidigen und größte Lebensqualität zu erreichen. Verwahrloste Wohnverhältnisse müsste aufgehoben, ihre ökonomische und soziale Wiederbelebung vorangetrieben werden. Man müsse die Bewahrung und den Schutz des Bildes des historischen Zentrums garantieren. In einigen Gebäuden sei bereits erreicht worden, Materialien, Farben, Design und die charakteristische Zusammensetzung der Gebäude zu erhalten.
Diese Ziele gelten selbstverständlich auch für andere Orte in Algarve und auf der Welt.
Schön und wenig erkundet
Den Aspekt der Schönheit teile ich ebenfalls mit deinen Lesern. Allerdings ist diese ziemlich bedroht, wie aus meiner bisherigen Darstellung. Schon zu Beginn ist entlang des schmalen Küstenbandes eine Vielfalt an Ressourcen zu erkennen. Lokale Kräfte verwalten diese traditionell und sind wenig verbunden mit der Zentralregierung in Lissabon. Es gilt als erwiesen, dass diese Region heute durch entfesselte Kräfte touristischer Ausbeutung überfallen wurde. Dies belegt die Darstellung im wissenschaftlichen Werk „Portugal O Sabor da Terra“. Millionen von Besuchern fliegen jährlich zum Flughafen in Faro. Der Tourismus ersetzt mittlerweile sogar Landwirtschaft und Fischfang zu großen Teilen. Schon bald wird dieser Zustand zwei Jahrhunderte anhalten. Fühlbar wird auch schon im ersten Drittel des Jahres ein angenehmes Klima. Dieses erklärt in Verbindung mit der ausreichenden Versorgung mit Ressourcen vielleicht den in der Regel fröhlichen und sorglosen Charakter der Bewohner. Es mag zwar vieles ruhig und authentisch erscheinen, was sich vielleicht aus Sicht deiner Leser aus dem Vergleich mit anderen touristischen Massenzielen wie an der Costa Brava oder Costa del Sol in Spanien ergibt. Portugal ist für mich ruhig durch die ruhige Art der Menschen, die sich von der Art der Spanier oder Italiener in vielerlei Hinsicht unterscheidet. Was die Naturverbundenheit angeht, tut sich etwas im Lande. Allerdings ist da Spanien schon in Sachen Naturschutz weiter, wie mir ein Biologe im Nordwesten des Landes anhand der imposanten Faia Brava erklärt hat.
Unberührte und zeitlose Landschaften
Als unberührt würde ich diese Landschaften nicht bezeichnen. Es mag so auf Fotos erscheinen, weil ich als Fotograf zusehe, eine Perspektive einzunehmen, durch die Stadt und Land nicht so überlaufen aussehen. Ich versuche, dabei hartes Licht zu vermeiden, um deine Frage Wie kann Licht vertraute Landschaften in etwas Unvergleichliches und emotional Berührendes verwandeln? zu beantworten. Dabei gelten noch viele andere Regeln der Fotografie, indem ich zum Beispiel bei Sonnenschein möglichst im Schatten stehe oder auch viel um ein Objekt herumgehe und beobachte, ob dabei eine besondere Perspektive entsteht.
Dies schließt deine Frage ein, wie Fotografie Neugier wecken, Reiseträume beflügeln kann. Aber Europa ist einfach dicht besiedelt. Für mich ist der Begriff „unberührt“ kaum noch auf diesem Kontinent anzuwenden, zumal wohl ein Begriff aus der Tourismuswirtschaft. Überall leben Menschen, die den Kontinent geformt haben.
Dies wird auch an den Bildern im Kalender aus Olhão deutlich. Auf diesen sind Fischernetze, Fischerhütten, ein kubistisches Haus und das historische Fischerboot Caique Bom Sucesso zu sehen. Einige Orte an der Ostküste sind aus dürftigen Fischerhütten entstanden. Die Fischerei war lange ein wichtiger Erwerbszweig in Algarve, hat aktuell aber wie in vielen anderen Ländern Europas stark abgenommen. Die Fischer, dann die Monarchie in Einheit mit der Kirche und später die Politiker unter Salazar haben viel im städtischen Erscheinungsbild begonnen und fortgeführt. Daher habe ich auch die bedeutende Kathedrale Faros in den Kalender oder den Blick über die Dächer Faros bis hin zur Ria Formosa aufgenommen.
Zu Portugal habe ich eine besondere Beziehung, weil mir meine damalige Freundin, eine Portugiesin, zunächst mit der Serra da Estrela den Nordosten öffnete, später Algarve selbst durch zweimal erfolgte Urlaube in Monte Gordo. So hatte ich eine sehr gute Chance, mehr über die Denkweise der Portugiesen zu erfahren, vor allem im Tourismus. Dem zuvor gingen Pressereisen ins Land wie nach Madeira. Ich unternahm schon zwei ausgedehnte Reisen über mehrere Monate mit dem Rad zwischen Porto und Zamora sowie Algarve und Alentejo.In Algarve hielt ich mich so insgesamt gut zehn Wochen in Summe auf. Es blieb also reichlich Zeit, die Erlebnisse tagebuchartig aufzuschreiben. Die meisten Fotos entstanden auf Erkundungen mit dem Rad. Die letzte Erkundung Spaniens und Portugals dauerte über acht Monate mit dem Rad. Daher stehen also insgesamt Erlebnisse unterschiedlichster Art dahinter wie also Freundin, Pressereisen und Radreisen. Durch Radreisen bekomme ich ein besonderes Gespür für die von mir besuchten, da mich keine Fensterscheibe von Gerüchen, Geschmack und Fühlen abhalten kann. Der Kontakt zu den Menschen ist unmittelbarer. So hoffe ich deine Frage, welche Erlebnisse stehen hinter den Aufnahmen, die im Kalender zu sehen sind? beantwortet zu haben.
Mit dieser Darstellung konnte ich hoffentlich Deine Frage „Wie gewinnen Reiseziele an Bedeutung, wenn man sie nicht nur durch Landschaft, sondern in Dörfern, durch Traditionen, Architektur und Alltag erlebt?“ und „Wie kann Fotografie Menschen helfen, Orte zu schätzen, die sie vielleicht nie besuchen werden?“ beantworten.
Wenn Du weitere Fragen hast, stehe ich Dir gerne zur Verfügung.
Herzliche Grüße
Kristen Benning





