Oslos Brooklyn durchstreifen und erleben

Kopen­ha­gen hat sein Brook­lyn mit dem Stadt­vier­tel Refsha­leøn. Oslo aber auch sei­nes am Akers elv. Das däni­sche Brook­lyn stell­te ich Dir bereits auf die­sem Blog am 5. April vor. Heu­te erfährst Du aus der fran­zö­si­schen Zei­tung Le Mon­de etwas übers das Brook­lyn von Oslo: Grü­ner­løk­ka. Lei­der schrei­ben die Fran­zo­sen den Namen falsch mit o statt mit ø. Zuvor habe das Vier­tel lan­ge Zeit Ny York gehei­ßen. Zur Zeit der Indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on sei es gar ein Epi­zen­trum gewe­sen, schreibt Le Mon­de. Dort gab es einst Säge­müh­len, Tex­til­fa­bri­ken und mecha­ni­sche Werk­stät­ten mit Energie.

Offen­bar hat sich Le Mon­de auf krea­ti­ve Stadt­vier­tel in Haupt­städ­ten spe­zia­li­siert, was ich ziem­lich span­nend fin­de. Denn so erfährt man eini­ges über die Stra­te­gie aus­län­di­scher Medi­en. Viel­leicht hilft Dir die­ser Arti­kel aus der Per­spek­ti­ve eines Pari­ser Autors dabei, einen Plan für Dei­nen Besuch in Oslo zu ent­wi­ckeln, den kein ande­rer auf Lager hat bis auf die Leser mei­nes Blogs. Und die der Le Monde.

Der Autor steht offen­bar auf Cock­tail­bars. Denn sonst hät­te er „Ned­re Løk­ka“ nicht her­vor­ge­ho­ben. Dort könn­ten sich Gäs­te auf dicken Leder­so­fas nie­der­las­sen und Klet­ter­pflan­zen über der The­ke betrach­ten. Angeb­lich sol­len die Namen der Geträn­ke die Geschich­te des Vier­tels erzäh­len. Aber da Nor­we­ger in der Regel gesprä­chi­ge Men­schen sind, erzäh­len sie Dir sicher mehr dar­über. Dies kann span­nend sein, wie ich selbst bei einem Besuch des ehe­ma­li­gen Indus­trie­ha­fens in Aar­hus sehen konn­te. Die­ser beher­bergt heu­te ein neu­es Stadt­vier­tel mit sty­lisher Archi­tek­tur, aber auch noch eini­ge alte Pack­häu­ser sind erhalten.

Aus­ge­wählt hat der Autor auch die „Ret­ro­lykke kaff­ebar“ mit Din­gen aus den 1950er und 1960er Jah­ren. Sie gehört der 46-jäh­ri­gen Ton­je Fager­heim und liegt am schi­cken Mark­vei. Sowohl die alte Decken­be­leuch­tung von Ikea als auch die 60–70 Jah­re alte ame­ri­ka­ni­sche Klei­dung mach­ten den Charme der Bar aus. „Jeg har all­tid brukt mye tid på lop­pis og mark­eder. Jeg liker gam­le ting, de er lik­som fer­dig sje­la“, erzähl­te sie kürz­lich einem Repor­ter des Maga­zins Vår­tO­s­lo. Also alles selbst gesam­melt. Gäs­te könn­ten Stüh­le, auf denen sie gera­de noch geses­sen hät­ten, nach ihrem Besuch in einer zur Bar gehö­ren­den Bou­tique kau­fen. Den Arti­kel und Fotos zur Bar fin­dest Du auf http://www.vartoslo.no/tonje-fargeheim-46-skulle-bare-selge-unna-noen-gamle-gjenstander-i-stedet-apnet-hun-retrolykke-kaffebar/

Wer alte Kino­at­mo­sphä­re mag, ist viel­leicht im alten, 1907 erbau­ten, Gebäu­de des Park­thea­ters auf dem Olaf Ryes-Plass gut auf­ge­ho­ben. Die­ser sei der Haupt­platz des Vier­tels. Edvard Munch wohn­te dort ein Jahr. Mitt­wochs wür­den dort nach wie vor Fil­me gezeigt. Aber über­wie­gend die­ne der alte Kon­zert­saal der Musik. Bis zu 500 Gäs­te kön­nen dort Platz neh­men und sich Pop-Rock, aber auch Rocka­bi­li­ty, Jazz und Blues anhö­ren. Ein Hauch von Paris, meint der Verfasser.

Sofort an Aar­hus gedacht habe ich wie­der, als ich von Tim Wen­del­boe erfuhr, der in Oslo eine Kaf­fee­rös­te­rei betreibt. Denn auch in Aar­hus gibt es ein stil­vol­les Café von Mar­kus Stil­ler Søren­sen, das ich jedem Besu­cher unein­ge­schränkt emp­feh­len kann. Es ähnelt ange­sichts der Gefä­ße einem klei­nem Labor, da der Besit­zer kei­nen Fil­ter­kaf­fee anbie­ten will, son­dern ger­ne selbst etwas expe­ri­men­tiert, um sei­nen Gäs­ten ech­ten Kaf­fee anzu­bie­ten. Er ist mehr­fa­cher Baris­ta-Welt­meis­ter und teilt sich offen­bar die­sen Titel öfter mit Wen­del­boe. Auch bei Wen­del­boe soll­te man bes­ser nicht um Bier bit­ten, son­dern lie­ber nach ori­en­ta­li­schen oder süd­ame­ri­ka­ni­schen Boh­nen wie Ara­bica oder Robus­ta. Wäh­rend des Besu­ches kön­ne Jazz-Musik erklingen.

Den Besuch des Vier­tels abrun­den kann eine Besich­ti­gung des Høn­se-Lovi­sas Hus an einem Was­ser­fall des Akers elv. Es sei lan­des­ty­pisch erbaut mit roten Wän­den und wei­ßen Fens­tern. Im ehe­ma­li­gen Haus eines Säge­meis­ters erwar­te Besu­cher ein klei­nes Arbei­ter­mu­se­um mit Infos über die Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on, eine Bou­tique und noch ein­mal guter Kaf­fee. Der Dich­ter Oskar Alex­an­der Bra­a­ten (1881–1939) ist heu­te noch in Oslo bekannt für sei­ne Arbei­ter­li­te­ra­tur, in der er das Leben der Arbei­ter im öst­li­chen Teil Oslos beschreibt. Auch über des­sen Leben kannst Du dort etwas erfahren.

Den Ori­gi­nal­ar­ti­kel fin­dest Du auf http://www.lemonde.fr/m‑styles/article/2019/05/03/l‑oslo-alternatif_5458056_4497319.html

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Im Rausch der Sinne

Im Rausch der Sin­ne: Le Mon­de, ange­se­he­ne fran­zö­si­sche Tages­zei­tung, berauscht sich an der Rua das Flo­res in Por­to. Lei­der ist deren Arti­kel PR-las­tig. Dies wun­dert den Rei­sen­den ange­sichts einer so ange­se­he­nen Zei­tung. Die Hotels nennt er selbst fast nie in sei­nen Tex­ten her­aus. Denn er will für die­se, da Jour­na­list, nicht wer­ben. Geschäf­te der krea­ti­ven Sze­ne hin­ge­gen fin­det er inter­es­sant und daher kri­tik­wür­dig. Er wird die­se bei sei­nem nächs­ten Besuch sicher auch selbst auf­su­chen. Und dann wird gecheckt, ob sie wirk­lich so wun­der­voll sind, wie in Le Mon­de beschrie­ben. Unter Umstän­den wur­de ein­fach ein Agen­tur-Text schmerz­frei­von “Le Mon­de” übernommen?

Die Rua das Flo­res sei eine schö­ne Pro­be der Farb­pa­let­te, die den Charme von Por­to aus­ma­che: roter Stein, grü­ne Mosai­ken, blaue und wei­ße Kacheln. Dar­un­ter befin­de sich die Kir­che der Mise­ricór­dia. 1749 habe sie der Maler und Archi­tekt Nic­coló Naso­ni restau­riert. Sie hebe sich von den ande­ren Gebäu­den der Stra­ße durch ihren grau­en Stein ab. Far­big und dar­über hin­aus duf­tend erschien der Ver­fas­se­rin auch die Par­fü­me­rie Claus Por­to. Dort gebe es nicht nur por­tu­gie­si­sches Par­fum, son­dern auch Blu­men­sei­fe. Män­ner könn­ten sams­tags bei einem Bar­bier eine neue Fri­sur ab 50 Euro erhal­ten. Den Grund­stein zur Par­fü­me­rie leg­ten zwei Deut­sche, die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts nach Por­tu­gal aus­ge­wan­dert waren.

Antiquariat trägt nicht mehr zum Rausch der Sinne bei

Vor 38 Jah­ren habe Juan Pau­lo mit Cha­mi­né da Mota eine leben­di­ges Anti­qua­ri­at gegrün­det. Dort rie­che man alte Bücher, aber auch Gra­fi­ken und Schreib­ma­schi­nen stün­den zum Ver­kauf. Das Por­trät des Inha­bers soll außen an einer Mau­er ange­bracht sein. Was die Autorin wohl nicht wuss­te: Der Grün­der heißt aber Pedro Cha­mi­né da Mota. Er starb laut Zei­tung „El Púb­li­co“ im Novem­ber 2018. Auch die por­tu­gie­si­schen Jour­na­lis­ten sehen sowohl die Rua das Flo­res als auch das Anti­qua­ri­at als eine der schöns­ten der Stadt an. Auf www.publico.pt/2018/11/30/culturaipsilon/noticia/morreu-alfarrabista-pedro-chamine-mota-1853144 zeigt ein Foto, wie es dort aus­sieht. Sie sei die letz­te Hoff­nung für Fans gewe­sen, die noch eine feh­len­de Aus­ga­be der Vam­pi­ro-Kol­lek­ti­on zu erha­schen hoff­ten, ein Heft der Zeit­schrift “O Mos­qui­to”, die sie­ben Bän­de der alten Aus­ga­be des Gra­fen von Bra­ge­lon­ne von Alex­an­der Dumas oder das Kin­der­buch eines ver­ges­se­nen Autors, schreibt “El Púb­li­co” in einem Nachruf.

Die Erkun­dung der Ein­kauf­stra­ße könn­ten Rei­sen­de mit einem Essen in der Can­ti­na 32 beschlie­ßen, schreibt Le Mon­de. Sie soll im Gebäu­de einer alten Par­füm­fa­brik lie­gen. In die­ser hän­gen jetzt aber unter ande­rem ein Fahr­rad und Leder­schür­zen als Deko an den Wän­den des Restau­rants. Käse­ku­chen und Scho­ko­la­de schei­nen Spe­zia­li­tä­ten des Hau­ses zu sein. Etwas erstaun­lich, weil der Rei­sen­de auf einer ande­ren Web­sei­te Tapas als Haupt­spei­se gefun­den habe. Egal! Haupt­sa­che, es schmeckt! 

Wer “Im Rausch der Sin­ne” gut fand und mehr über Por­tu­gals Kul­tur­sze­ne erfah­ren möch­te, ist mit dem fol­gen­den Arti­kel bes­tens bedient.

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Nyhavn hat Konkurrenz bekommen

Nyhavn hat Kon­kur­renz bekom­men: Auch mal ganz inter­es­sant — Kopen­ha­gen aus fran­zö­si­scher Per­spek­ti­ve. Die für “Le Mon­de” schrei­ben­de Autorin Anne-Fran­çoi­se Hivert hat das Stadt­vier­tel Refsha­leøn besucht. Die­ses beher­berg­te einst ein Indus­trie­ge­biet , wur­de aber jüngst umgeformt.

Den Rei­sen­den erin­nert die Geschich­te an das Stadt­vier­tel Aar­hus Ø auf Jüt­land. Die­ses eben­falls auf einer Halb­in­sel lie­gen­de Gebiet war einst eben­falls Hafen und Indus­trie­stand­ort. Nun zieht es als Vier­tel zum Woh­nen, Arbei­ten, Stu­die­ren und Frei­zeit ver­brin­gen Ein­woh­ner und Tou­ris­ten an.

Dänisches Brooklyn vermeiden

In Kopen­ha­gen hat Hivert Relik­te der Ver­gan­gen­heit ent­deckt. Die­se stamm­ten noch aus der Zeit, in der vor allem die gro­ße Werft Bur­meis­ter & Wain dort aktiv gewe­se ist. Doch heu­te sei es stark ver­än­dert: “C’était comp­ter sans les artis­tes, archi­tec­tes, restau­ra­teurs et créa­tifs de la ville qui, atti­rés par les 500 000 mètres car­rés dis­po­nibles et le prix modi­que des loy­ers, sont en train d’en fai­re le quar­tier le plus bouil­lon­nant de Copen­ha­gue.

Über­nom­men hat die Autorin auch irgend­wo­her das Bild des däni­schen Brook­lyn. Die­ses ken­nen die Dänen natür­lich. In Aar­hus wol­len sie aller­dings die Ent­wick­lung dahin ver­mei­den. Denn die anfäng­lich in Brook­lyn vor­han­de­ne Sze­ne der jun­gen Krea­ti­ven sei durch durch einen rasan­ten Anstieg der Mie­ten ver­drängt wor­den. So sag­te es dem Rei­sen­den der Stadt­ar­chi­tekt Ste­phen D. Wil­la­cy in einem Inter­view über die Wei­ter­ent­wick­lung von Aar­hus. Die Autorin emp­fiehlt zum Schluss eini­ge aus ihrer Sicht inter­es­san­te Zie­le für einen Trip, um Hyg­ge — das Lebens­ge­fühl der däni­schen Gemüt­lich­keit — zu erfah­ren. Nyhavn hat Kon­kur­renz bekom­men. Bleibt dies dau­er­haft, damit sich ein Wochen­en­de in Kopen­ha­gen noch mehr lohnt?

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