Ieoh Ming Pei gestorben

Fast jeder, der ein­mal Paris besucht hat, dürf­te sie ken­nen: die Pyra­mi­de auf dem Lou­vre. Von oben fin­de ich sie gar nicht so beein­dru­ckend. Denn sie unter­schei­det sich nicht wirk­lich von ande­ren ähn­li­chen Wer­ken. Daher foto­gra­fier­te ich sie auch nicht dort wie der Foto­graf des jetzt im Schwei­zer „Tages­an­zei­ger“ erschie­ne­nen Bildes. 

Als ich den Lou­vre besuch­te, befand ich mich unter ihm. Sie dringt mit ihrer glä­ser­nen Spit­ze in eine Ein­kaufs­pas­sa­ge ein. Ihr Metall­git­ter­werk teilt den blau über Paris leuch­ten­den Him­mel in ver­schie­de­ne Seg­men­te. Die mono­to­ne Ein­kaufs­pas­sa­ge erfährt durch den durch­sich­ti­gen Glas­ke­gel eine dra­ma­ti­sche Zuspit­zung. Erhöht wird die­se durch einen zusätz­li­chen wie ein Sta­lag­mit auf­stei­gen­den Kegel. Jetzt ist der ame­ri­ka­nisch-chi­ne­si­sche Archi­tekt Ieoh Ming Pei im hohen Alter von 102 Jah­ren gestorben.

Den kom­plet­ten Arti­kel des Tages­an­zei­gers über den Archi­tek­ten fin­dest Du hier.

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Für Börsenmakler Blockhaus gebaut

Für Bör­sen­mak­ler Block­haus gebaut: Sogar für einen Bör­sen­mak­ler hat Bäl­ter am Sil­jan ein Block­haus gebaut mit einer Grund­flä­che von 150 Qua­drat­me­tern. Zunächst gab es dabei ein gra­vie­ren­des Pro­blem, das selbst einer Archi­tek­tin, die in Mora lebt und daher eigent­lich die­se regio­na­le Beson­der­heit ken­nen müss­te, nicht bewusst war. Der Ent­wurf zeig­te, dass sie Tür- und Fens­ter­öff­nun­gen zu nah an die Eck­ver­bin­dun­gen gelegt hat­te. Bäl­ter muss­te ihren Plan für das Block­haus überarbeiten.

Er ist stolz, dass er zu den Fach­leu­ten gehört, die die Kunst des Knuts beherr­schen: „Daher ste­hen hier am Sil­jan noch immer vie­le Häu­ser, die über 700 Jah­re alt sind und sogar noch bewohnt wer­den. Ein Block­haus ist so exklu­siv“, schwärmt er. „Man ver­dient sehr gut und errich­tet etwas, was wirk­lich nicht jeder hat.“ 

Die Freu­de am Beruf ist Bäl­ter anzu­mer­ken: Er lacht viel. Ein Block­haus hat für ihn eine ande­re Bedeu­tung als für Jung, der sei­ne Schü­ler ein Back­haus errich­ten lässt, in dem Tou­ris­ten Brot kau­fen. Gräns­fors Bruks will Besu­chern, die haupt­säch­lich der bekann­ten Axt­schmie­de wegen kom­men, Attrak­tio­nen bie­ten, die mit den Tra­di­tio­nen des Häl­sing­lands als Müh­len- und Schmie­de­land in Ein­klang stehen.

In Schwe­den ver­wen­den die Zim­mer­leu­te fast ausschließlich…

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Abend im Grazer Lendviertel

Nach einem Tag Rund­gang bie­tet es sich an, den Abend im Gra­zer Lend­vier­tel zu ver­brin­gen. Dies liegt nah an der Murin­sel. Besu­cher kön­nen sich leicht einem Rund­gang anschlie­ßen, den die jun­gen Krea­ti­ven hier gele­gent­lich anbie­ten. Dabei han­delt es sich um eine Umge­stal­tung des ehe­ma­li­gen Rot­licht­vier­tels. Doch von Ree­per­bahn-Atmo­sphä­re ist nur wenig zu sehen. 

Hier ver­kauft Iris Kast­ner in ihrem Geschäft „kwirl“ Design­ge­gen­stän­de, Geschen­ke und Sou­ve­nirs. 2008 hat sie ihr Geschäft gegrün­det. Gera­de ver­sil­bern sie und eine Mit­ar­bei­te­rin Karp­fen­schup­pen. Die­se will sie am nächs­ten Mor­gen an einem Akti­ons­stand als Glücks­brin­ger ver­kau­fen. „Dies ist ein ost­eu­ro­päi­scher Brauch. Es ist für uns ein klei­ner Anfang, eige­ne Pro­duk­te her­zu­stel­len und zu ver­kau­fen“, erklärt sie. Wer­de die Schup­pe in ein Porte­mon­naie gelegt, gehe dem Besit­zer nie das Geld aus. Doch nicht nur sie stellt eige­nes her. Auch ande­re Desi­gner kön­nen bei ihr Pro­duk­te verkaufen.

End­lich gibt es den im CIS-Maga­zin abge­bil­de­ten Fri­seur­sa­lon Die Haar­schnei­de­rei zu sehen. Bei ihm kamen dem Rei­sen­den Zwei­fel am Kon­zept der Bewer­bung auf. Denn Fri­seur­hand­werk ist im enge­ren Sin­ne kein Design. Kult­sta­tus hat­te bis­lang nur der Bri­te Vidal Sas­so­on. Des­sen Fri­su­ren der Jah­re 1964 bis 1966 schrie­ben ein Stück Gestal­tungs-Geschich­te. Damit war erst­mals ein Fri­seur nicht allein der Star sei­nes Faches. Er war kurz­fris­tig auch ernst zuneh­men­der Prot­ago­nist der gestal­te­risch-künst­le­ri­schen Avantgarde.

Ist Friseurskunst Design?

Fri­seu­re hat­ten es von alters her schwer, ernst genom­men zu wer­den. Und wenn sich die TV-Pro­mi­nenz mit einem Besuch bei Udo Walz schmückt, der einen Salon auf dem Traum­schiff hat, steht Fri­sie­ren im Mit­tel­punkt sowie die Ver­wöh­nung einer liqui­den Kund­schaft. Aber als neue­rungs­wil­lig kann man sie kaum bezeich­nen. Der Salon erin­nert an die 50er Jah­re. Er ist ein­ge­rich­tet mit alten Foto-Por­träts an den Wän­den, einer alten Tisch­lam­pe und einer Pinn­wand. Auf der sind zu einer Col­la­ge ange­ord­ne­te Sei­ten aus alten Mode­ma­ga­zi­nen fixiert. 

Inha­ber Jakob Ess­lin­ger ist selbst ein Kunst­werk: Sei­ne Arme sind täto­wiert. Auf sei­ner Web­site kann sich jeder selbst einen Ein­druck von die­sem Sam­mel­su­ri­um machen. Als Kon­trast dazu ste­chen auf dem Lend­platz ele­gant gestal­te­te Holz­bän­ke neben einem schö­nen Brun­nen ins Auge, mal nicht Lat­ten­holz­bän­ke, die sonst auf der gan­zen Welt zu sehen sind. „Älte­re Men­schen freu­en sich übers war­me Holz“, berich­tet Sabi­ne Pram­mer von Crea­ti­ve Indus­tries of Styria.

Sechs Kilo Maronen am Lagerfeuer beim Abend im Grazer Lendviertel

Nach der Füh­rung durchs Stadt­vier­tel tref­fen sich Krea­ti­ve aus allen Berei­chen mit ande­ren Bewoh­nern. Sie rös­ten auf einem Geh­weg selbst gesam­mel­te sechs Kilo Maro­nen. Am Feu­er wer­den die Ereig­nis­se des Tages bespro­chen. Dabei lau­fen Aus­schnit­te von Live-Kon­zer­ten auf einer Lein­wand. Nach und nach kom­men wei­te­re jun­ge Men­schen hin­zu wie ein Archi­tekt, der nach dem Stu­di­um in Wien in sein Hei­mat­vier­tel zurück­ge­kehrt ist. Hier wird also zwi­schen Pri­va­tem und Öffent­li­chem ver­mit­telt. Die Men­schen tre­ten aus der Pri­vat­heit her­aus. Sie netz­wer­ken nicht nur über Chat­räu­me. Sie fin­den ein­an­der auch in einem öffent­lich zugäng­li­chen Raum, dem Lend­vier­tel.

Der oft erfol­gen­de Rück­griff auf ver­gan­ge­ne Stil­epo­chen, Moden, Lebens­for­men kann Aus­druck eines Wun­sches sein, ver­gan­ge­ne glück­li­che­re Zei­ten wie­der zu erwe­cken, zurück­zu­ho­len. Das Nost­al­gi­sche kann eine Flucht aus der bedrü­cken­den Gegen­wart sein, eine Erschei­nung in Epo­chen gro­ßer Umwäl­zun­gen. Das Zurück­t­räu­men kann zum einen das Aus­hal­ten der Gegen­wart erträg­li­cher machen. Zum ande­ren kann es auch Unge­nü­gen an ihr wach­hal­ten. Es kann zum Erhal­ten befä­hi­gen, aber auch zum Ver­än­dern motivieren. 

Pen­si­o­no­po­lis exis­tiert nicht mehr. Auf dem Grund­riss von Pen­si­o­no­po­lis ist eine leben­di­ge, von viel­fäl­ti­gen Schich­ten und Strö­mun­gen beherrsch­te moder­ne Stadt ent­stan­den. Dies wird in jedem Vier­tel auf sei­ne Wei­se sicht­bar. Der Abend im Lend­vier­tel run­det die­sen Ein­druck ab.


Ende der Serie

Den Anfang fin­dest Du hier.

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Größtes Lager für Kriegsgefangene

Größ­tes Lager für Kriegs­ge­fan­ge­ne: Zum Ver­gleich nach Deutsch­land, um zu sehen, wie man dort wäh­rend des Krie­ges und danach Fried­hö­fe und Denk­mä­ler gestal­te­te: In Nien­ber­ge nahe Müns­ter befand sich wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges das größ­te Gefan­ge­nen­la­ger Nord­west­deutsch­lands, heu­te als Haus Spi­tal bekannt. Nur ver­ein­zelt kom­men Besu­cher. Ein­sam liegt die im Volks­mund „Rus­sen­fried­hof“ genann­te Kriegs­grä­ber­stät­te, umge­ben von Pla­ta­nen und hei­mi­schen Laub­bäu­men. „Requie­scant in pace“ — „Sie mögen ruhen in Frie­den“ — steht am dop­pel­flü­ge­li­gen Ein­gangs­tor. Auch die grie­chi­schen Buch­sta­ben Alpha und Ome­ga, Anfang und Ende, sind zu sehen. Chris­tus steht an Anfang und Ende allen Seins, umfasst also die Welt­ge­schich­te. Alles ruht in Got­tes Hand. Von deut­schen Sol­da­ten bewacht, ord­ne­ten Gefan­ge­ne aus Eng­land, Russ­land, Bel­gi­en, Ita­li­en und Frank­reich ihre Ange­le­gen­hei­ten selbst, alle Beru­fe waren vertreten.

Für die Kran­ken wur­de ein Laza­rett ein­ge­rich­tet, für die Toten ein eige­ner Fried­hof. 770 Namen fran­zö­si­scher, bel­gi­scher und rus­si­scher Kriegs­ge­fan­ge­ner sind auf einer Gedenk­säu­le und auf Tafeln ein­ge­mei­ßelt. Fran­zo­sen, Bel­gi­er, Eng­län­der und Ita­lie­ner wur­den umge­bet­tet, jetzt lie­gen hier noch Rus­sen, Polen, Ukrai­ner, Wol­ga­deut­sche und ein indi­scher Stam­mes­fürst. In Zusam­men­ar­beit mit dem Lager­kom­man­dan­ten gestal­te­te der Archi­tekt Dut­hoit die Anla­ge. Er stamm­te aus Lil­le. Er ent­warf selbst Form und Beschrif­tung jedes Ein­zel­teils. Dafür stan­den ihm die Stein­met­ze und Schmie­de unter den Gefan­ge­nen zur Ver­fü­gung. Auf einem Gedenk­stein steht „Pro Patria“.

Erin­ne­rungs­tou­ris­mus gibt es nicht. Aber die katho­li­sche Gemein­de St. Sebas­ti­an gedenkt der Gestor­be­nen an den Toten­ge­denk­ta­gen im November. 

„Den Toten zur Ehre“

Ganz in der Nähe steht an der Dorf­kir­che St. Sebas­ti­an in Nien­ber­ge bei Müns­ter ein künst­le­risch wert­vol­les Krie­ger­denk­mal. Sel­ten bleibt jemand hier ste­hen. Nur am Volks­trau­er­tag (immer zwei Sonn­ta­ge vor dem ers­ten Advents­sonn­tag) gedenkt die Sol­da­ten­ka­me­rad­schaft der Gefal­le­nen bei­der Weltkriege. 

Dar­ge­stellt ist ein Geni­us. Er ist mit einer Hand gefes­selt an einem sei­ner Kro­ne beraub­ten Eich­baum. Er beugt sich gram­voll zu einem toten Sol­da­ten in deut­scher Uni­form nie­der. Die ande­re freie Hand streckt er ihm ent­ge­gen. Neben dem Sol­da­ten liegt ein Stahl­helm. Unter ihm ist Muni­ti­on zu sehen. Den Tor­nis­ter trägt er noch auf dem Rücken. Die Inschrift des 1921 errich­te­ten Denk­mals lau­tet in gro­ßen Let­tern: „Den Toten zur Ehre, den Leben­den zur Mahnung“.

Nie­mand ruft mit die­sem Monu­ment auf, poli­tisch zu han­deln. Der Geni­us kommt von links wie der Engel der Ver­kün­di­gung auf mit­tel­al­ter­li­chen Dar­stel­lun­gen. Die Mah­nung liegt sowohl im gefes­sel­ten Geni­us als auch in der gekürz­ten Eiche — bild­haf­te Sym­bo­le für das dama­li­ge Deutsch­land um 1921. Kei­ner wuss­te kurz nach Grün­dung der Wei­ma­rer Repu­blik und dem Dik­tat des Ver­sailler Ver­tra­ges, wie es wei­ter­ge­hen soll­te. Der Geni­us ist nicht reli­gi­ös gebun­den. Er steht über allen Din­gen und ist unpar­tei­isch. Auch Lin­den waren sym­bo­lisch im Krieg.

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