“Ich schwanke, schlittere und wanke mich vorwärts”
Freddy Langer wandert im Eis

“Es ist ein Eiertanz voller Slapstick-Einlagen. Aus der Ferne muss es aussehen wie Gehversuche nach fünften Flasche Nordik-Porter.“ So gefährlich ist Freddy Langers Wanderung im Eis, langjähriger Ressortleiter des Reiseblattes der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Da er überwiegend zu Fuß an der deutschen Ostseeküste unterwegs ist, fühlt sich der Reisende beim Lesen des 1,5 Seiten umfassenden Artikels “Eiszeit” vom 5. März 2026 glatt bis in die Zeit zurückversetzt, in der es noch keine motorisierten Fahrzeuge gab. Bus und DDR-Schilderungen zwischen dem Startpunkt Barth und Ziel Swinemünde holen ihn aber immer wieder in die Gegenwart zurück. Stößt dem Wanderer bei dieser gefährlichen Eisglätte gar etwas zu?
Durchstreifen & Erleben nimmt ab März 2026 regelmäßig Reiseartikel führender deutschsprachiger Medien unter die Lupe. Der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über Freddy Langers Wanderung im Eis bildet den Auftakt dieser Serie. Eingeplant sind in den kommenden Wochen auch unter anderem Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Die Zeit und das Handelsblatt.
“Nur ein paar Krähen bohren mit den Schnäbeln im Schnee“
Doch es gelingt ihm, erst nach Güstrow, dann nach Greifswald zu kommen. „Als ich die Wiesen vor Greifswald erreiche, wird es dunkel. Und bleich. Milchig irgendwie. Von hopsenden Pferden, wie Caspar David Friedrich sie 1821 vor die Silhouette der Stadt gesetzt hat, ist nichts zu sehen. Nur ein paar Krähen bohren mit den Schnäbeln im Schnee“. In Greifswald folgt Langer den Werken und Spuren des berühmten Malers, lässt sich auch von der Kunst bedeutender Gegenwartskünstler inspirieren.
Vor dieser Station lagen bereits eine Wundereiche in Barth und Schloss Hohendorff. Am Schloss findet er er einen von Lenné gestalteten Park und ein von Schinkel entworfenes Gebäude vor. Nach einem Gespräch mit dessen Besitzer setzt so dichtes Schneetreiben ein, dass er fast die Orientierung verliert. Hinter Parow bleibt ein Linienbus neben ihm stehen. „Steigen Sie ein, um Gottes willen“, ruft der Fahrer. Im Bus schauen ihn lauter verschreckte Gesichter an.
In Stralsund stößt er auf eine Brauerei, die es schon in DDR-Tagen gab. Die Brauerei kontere den Rückgang beim Bierkonsum erfolgreich mit immer neuen Sorten. „Mittlerweile sind es 26: vom alkoholfreien Atlantik-Ale bis zum Eisbock Nordik-Porter mit 9,1% Vol. Im Laden stehen sie nach Farben sortiert. Ich hoffe darauf, sie unterwegs noch probieren zu können“. Aha, daher stammt die Anspielung, dass er schwankte, schlitterte und wankte.
Das Eis schmilzt
Doch Eis und Schnee schmelzen, als Freddy Langer in Swinemünde ankommt. „Von den Seebrücken aus kann man zuschauen, wie das Eis zerspringt. Der Schnee wird weich. Zum ersten Mal geht es sich bequem am Strand.“
Da der Autor fast durchgehend auf glattem Terrain unterwegs ist, gelingt es ihm, dass man sich sogar Sorgen um ihn macht. Ein guter Kniff! Erreicht er sein Ziel? Oder landet er in der Notaufnahme, wie viele Berliner während seiner Wanderung? Emotionen beim Leser auszulösen beim Schreiben, ist ein wichtiges Ziel. Erster Gedanke des Reisenden war: Wie kann nur jemand im Winter acht Tage lang wandern? Ein lesenswerter Text!
