Schwimmbad im Art-déco-Stil

Das sieht rich­tig edel aus. Anti­ke grie­chi­sche und römi­sche Sta­tu­en säu­men den Becken­rand des Schwimm­bads mit Art-déco in Lil­le, Haupt­stadt der Regi­on Flan­dern. Am liebs­ten wür­de der Rei­sen­de jetzt sei­ne Bade­ho­se aus­pa­cken und rein­hüp­fen. Denn noch nie ist er in einem Schwimm­bad im Art-déco-Stil gewesen. 

Eini­ge Muse­en hat er schon in die­ser Art gese­hen wie die schö­ne Casa das Mudas bei einer Rund­rei­se auf Madei­ra. Das kann er für einen Besuch nur emp­feh­len. Es liegt etwa 20 Minu­ten von Fun­chal ent­fernt, zeigt Kunst und Möbel, die ziem­lich kost­bar aus­se­hen, da auf Hoch­glanz poliert. Es gibt eine gute Flug­ver­bin­dung von Frank­furt nach Fun­chal. Aber noch kein Schwimm­bad, pisci­ne auf Französisch.

Das Becken ist vol­ler Was­ser. Es riecht nach Chlor, und die Luft ist feucht. Doch die Ober­flä­che ist glatt wie ein Spie­gel. Schwim­mer sind nicht zu sehen. Denn das Bad in Rou­baix, einer ehe­ma­li­gen Arbei­ter­stadt außer­halb Lil­les, ist nur noch zu Schau­zwe­cken eröff­net — als Musée d’Art et d’In­dus­trie de Rou­baix. 1912 beschloss der Rat der Stadt, dass sich hier Arbei­ter erho­len soll­ten, die in Fabri­ken der Umge­bung tätig waren. Doch der Fol­gen des Ers­ten Welt­kriegs wegen konn­te es erst 1932 eröff­net werden.

Im gro­ßen run­den Fens­ter am Ende der auch für Olym­pi­sche Spie­le geeig­ne­ten Kampf­bahn geht die Son­ne auf. Gel­be Strah­len deu­ten sie an, die sich auch auf der Was­ser­ober­flä­che spie­geln. Über ihr eine glat­te wei­ße Decke, gewölbt wie die Ton­nen­ge­wöl­be gro­ßer Kathe­dra­le. Rings­um gehen auf zwei Eta­gen kunst­voll gemei­ßel­te Gelän­der. Teils ragen Bal­ko­ne her­aus. Von denen konn­ten Bade­gäs­te das Gesche­hen unter sich in der Hal­le beob­ach­ten. Leicht belus­tigt fla­niert der Rei­sen­de durch die Schwimm­hal­le. Denn aus Laut­spre­chern ertö­nen Stim­men und Plät­schern der Bade­gäs­te ver­gan­ge­ner Zei­ten. So wird der Ein­druck erweckt, als lie­fe der Betrieb auch heu­te noch. Sogar Umklei­de­ka­bi­nen exis­tie­ren noch im Schwimm­bad mit Art-déco.

Dem Schwimmbad im Art-déco-Stil folgt das Kunstmuseum LaM

Danach besucht der Rei­sen­de das Kunst­mu­se­um LaM, das eini­ge Kilo­me­ter wei­ter außer­halb von Lil­le liegt. Der Name steht für Lil­le Métro­po­le, musée d’art moder­ne, d’art con­tem­po­rain et d’art brut. Der Rei­sen­de fin­det, die­se Expo­na­te kön­nen durch­aus mit dem Cent­re Pom­pi­dou in Paris mit­hal­ten, das etwas ver­staubt daher­kommt. Man merkt allei­ne am Kon­zept und der Archi­tek­tur, das hier noch ein Team an den Hebeln sitzt, da noch 2004 die Spie­le der Kul­tur­haupt­stadt orga­ni­sier­te. Der Indus­tri­el­le und Kunst­samm­ler Jean Masu­rel (1908–1991) und des­sen Ehe­frau Gene­viè­ve leg­ten 1979 mit der Schen­kung ihrer Samm­lung von Kubis­ten, Sur­rea­lis­ten und ande­ren Gemäl­den die Basis für die Grün­dung des Museums. 

Eine wei­te­re gro­ße Schen­kung erfolg­te zwan­zig Jah­re spä­ter mit der Art-brut-Kol­lek­ti­on von 3.500 Wer­ken der Grup­pe Ara­ci­ne an den Stadt­ver­band Lil­le. Dar­un­ter befin­den sich Wer­ke wie zum Bei­spiel Jean Dubuf­fets’, von dem auch der auf dem Foto abge­bil­de­te weib­li­che Akt stammt.

Noch beein­dru­cken­der fin­det der Rei­sen­de den Skulp­tu­ren­park außer­halb des Muse­ums — mit Wer­ken Picas­sos und Mirós zum Bei­spiel. Und die Gestal­tung der Gebäu­de fin­det er span­nend, die er näher in einem Arti­kel für die öster­rei­chi­sche Zei­tung “Die Pres­se” beschrie­ben hat. Die Rei­se nach Flan­dern hat sich allein für die­sen Tag gelohnt.

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Subtropenparadies auf dem Vulkan

Sub­tro­pen­pa­ra­dies auf dem Vul­kan: So weit drau­ßen im Atlan­tik hat sich der Rei­sen­de bis­her noch nie auf­ge­hal­ten. Am wei­tes­ten war es bis­her auf der Kana­ren­in­sel El Hier­ro. Doch Madei­ra — ein Sub­tro­pen­pa­ra­dies auf dem Vul­kan — unter­schei­det sich deut­lich von den Kana­ri­schen Inseln. Dies gilt sowohl für die Vege­ta­ti­on als auch für die Men­schen. Dies hat sich auf der Madei­ra-Rund­rei­se gezeigt. Gut zu errei­chen ist die Insel über die Ver­bin­dung Frank­furt — Fun­chal mit Umstei­gen in Lissabon.

Feuchter als auf den Kanaren

Auf den Kana­ren hat der Rei­sen­de das Gefühl, nach wie vor in Spa­ni­en zu sein. Selbst im Win­ter ist es dort recht tro­cken. Der Tei­de auf Tene­rif­fa unter­schei­det sich auch nicht so sehr von ande­ren Ber­gen Spa­ni­ens. Hier wie dort wach­sen Pflan­zen wie auf dem Fest­land: Agar­ven und Pal­men. Beson­ders ist Vul­kan­ge­stein, das auf El Hier­ro schwarz ist und auch als Bau­ma­te­ri­al ver­wen­det wird. Je nach Wet­ter­la­ge kann es sich etwas depres­siv auf die Stim­mung aus­wir­ken, wenn man weiß getünch­te spa­ni­sche Häu­ser gewöhnt ist. Aber die Ein­woh­ner sind und blei­ben Spa­ni­er: ein fröh­li­ches Volk.

Auf Madei­ra wan­delt sich das Bild: Es scheint feuch­ter zu sein und daher auch grü­ner. Eine Wan­de­rung führt den Rei­sen­den und sei­ne Grup­pe durch den Par­que das Quei­ma­das. Madei­ra-Wan­der­ur­laub wol­len die Tou­ris­ti­ker der Insel eta­blie­ren, um so auch vom Image der Rent­ner- und Golf-Insel weg­zu­kom­men. An der Sei­te des Wan­der­we­ges plät­schern Rinn­sa­le durch die so genann­ten leva­das. Mit die­sen bewäs­sern Bau­ern ihre Fel­der. Es ist natür­li­ches Was­ser. Dies kommt vor allem auf der nie­der­schlags­rei­chen Nord­sei­te der Insel vor. Hor­ten­si­en wach­sen in Mas­sen am Weges­rand, was optisch den in Schwe­den häu­fig wach­sen­den Lupi­nen ent­spricht. Üppi­ger Blu­men­be­wuchs ist in Spa­ni­en hin­ge­gen sel­ten zu sehen. Hor­ten­si­en wach­sen dort wohl fast nur in Gär­ten. Die Far­be des Vul­kan­ge­steins fällt nicht so ins Auge. 

Fast schon devot

Die Men­schen sind hier ruhi­ger als in Spa­ni­en. Man­che Direk­to­ren wie Kell­ner in den Hotels erschei­nen einem fast schon devot. Das ist der Rei­sen­de nicht so gewöhnt. Und es nervt auch etwas, wenn sich jemand vor einem stän­dig leicht ver­neigt, wenn man sich mit jeman­dem unter­hält oder man das Essen ser­viert bekommt. Viel­leicht liegt es dar­an, dass das der hier manch­mal her­bei segeln­de Adel es so erwar­tet. Prin­zes­sin Vik­to­ria von Schwe­den gas­tier­te hier schon eini­ge Male. Natür­lich schau­en auch ent­spre­chend Ade­li­ge aus Eng­land vorbei. 

Bri­ten machen den Haupt­teil aus­län­di­scher Besu­cher aus. Die­se sieht man dann abends erschöpft vom Golf­platz zurück­kom­men. Es liegt ganz sicher dar­an, dass das Sub­tro­pen­pa­ra­dies auf dem Vul­kan abge­le­ge­ner ist. Die geo­gra­phi­sche Lage formt die Bewoh­ner. Men­schen im Dou­ro-Tal in Nord­por­tu­gal sind wie­der ganz anders. Dort ist die Land­schaft auch medi­ter­ran und nicht atlantisch.

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