320 Tonnen schweres Flusscafé

320 Ton­nen schwe­res Fluss­ca­fé: Der Stadt ent­rückt sind die Gäs­te im Café auf der Murin­sel, der nächs­ten Sta­ti­on in Graz. Das wie eine Muschel unter Ver­wen­dung von Glas- und Stahl­ele­men­ten geform­te Café ist 47 Meter lang . Es ist 320 Ton­nen schwer, eine eige­ne Welt moderns­ter Prä­gung. Es liegt auf der Mur, dem Stadt­fluss, auf dem sogar Strom­schnel­len auf­blit­zen. Wäh­rend das Was­ser rauscht, tur­nen Kin­der im Frei­en auf einem Klet­ter­netz. In der Muschel ist es schwül wie in einem Treib­haus, eine Glas­welt mit wei­ßem und blau­em Kunststoff-Mobiliar.

Eine Kell­ne­rin strei­tet sich mit einem Kol­le­gen, ob sie oder er fünf gro­ße Bier­glä­ser tra­gen soll. An den Tischen sit­zen Tou­ris­ten, die Rei­se­füh­rer stu­die­ren. Halb­stünd­lich tre­ten sie ab, ande­re Tou­ris­ten betre­ten die Sze­ne. Gemüt­li­che Kaf­fee­haus­at­mo­sphä­re, in der schon Sur­rea­lis­mus, Dada­is­mus, Freuds Psy­cho­ana­ly­se und die moder­ne Phy­sik gebo­ren wur­den, ent­steht hier nicht. Halo­gen-Glanz, Snacks statt Gugel­hupf, Mohn­kip­ferl, Striet­zel oder leich­ten Eier­ge­bäcks, wie man sie in Cafés der aus­ge­hen­den Donau­mon­ar­chie geges­sen hat. Tur­nen auf einem Netz statt Bil­lard, Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten und Kar­ten­spiel. Die Kaf­fee­häu­ser ster­ben in Graz aus, beklag­te dem­entspre­chend eine Passantin.

Flusscafé ein Fremdkörper

So ver­wun­dert es nicht, dass ein 320 Ton­nen schwe­res Fluss­ca­fé Fremd­kör­per aus der Zeit der Kul­tur­haupt­stadt bleibt. Die Murin­sel ist seit sie­ben Jah­ren ein Teil des his­to­ri­schen Alt­stadt­kerns in Graz, uni­so­no mit vie­len ande­ren futu­ris­tisch gestal­te­ten Gebäu­den und Expo­na­ten. Neu ergänzt Alt, die­ses The­ma beherrsch­te die Stadt lan­ge Zeit und bis heu­te. Dazu gehört auch das Kunst­haus, ein Muse­um für zeit­ge­nös­si­sche Kunst, an des­sen Front eine meer­blaue Acryl­glas-Kon­struk­ti­on wie eine über­di­men­sio­na­le Sei­fen­bla­se klebt. Auf dem Dach sind wie Rüs­sel aus­se­hen­de Fens­ter angebracht.

Nach einem Tag Rund­gang bie­tet es sich an, den Abend im Gra­zer Lend­vier­tel zu verbringen.

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Im schönsten Innenhof Lilles?

Am Grand Place gibt es einen schö­nen Innen­hof, in dem täg­lich auf einem Floh­markt Bücher, Zeit­schrif­ten und Schall­plat­ten ver­kauft wer­den. An zwei Tischen spie­len Män­ner Schach. Sol­che Sze­nen mag ich gerne.

Lille-Innenhof-Flohmarkt

Wäh­rend mei­nes Eras­mus-Stu­di­um in Bar­ce­lo­na bin ich oft in ein Café in der Nähe der Uni­ver­si­tät gegan­gen, wo die Leu­te Schach und Domi­no gespielt haben. Sol­che Cafés sind eine gute Mög­lich­keit, Land und Leu­te ken­nen zu lernen.

Hin­ter dem Innen­hof beginnt die Geschäfts­welt. Es ist gar nicht so lan­ge her, dass die Alt­stadt reno­viert wur­de. „Als die Alt­stadt attrak­tiv wur­de, zogen Luxus­ge­schäf­te in die Rue de la Mon­naie.“ Wie Anne erklärt, gebe es mit der Rue de la Mon­naie und der Rue de la Gran­de- Chaus­sée zwei Haupt­ein­kaufs­stra­ßen. „20 Pro­zent der Kun­den kom­men aus Bel­gi­en der Mode wegen“, erzählt Anne. „Bel­gi­sche Frau­en sagen: Was ich haben will, fin­de ich in Lille.“

In den Geschäf­ten fin­den sich daher auf Bel­gie­rin­nen zuge­schnit­te­ne Klei­der. Aber jeder drit­te Laden scheint auch ein Schuh­ge­schäft zu sein. „Die Geschäf­te sind ein biss­chen teu­er, aber gut.“ Die Mie­te sei hoch hier. Ihre Toch­ter zah­le für 50 Qua­drat­me­ter 800 Euro. Dies hän­ge mit der hohen Nach­fra­ge nach Wohn­raum zusammen.

Bei sol­chen Mie­ten muss man­cher sich das Leben versüßen.Entweder beim Fein­kost­händ­ler mit einem in Jugend­stil aus­ge­stat­te­ten Geschäft oder mit „Cra­mi­que de sucre“, ein süßes Brot mit einer zar­ten brau­nen und mit Zucker über­zo­ge­nen Krus­te; es ent­hält Rosi­nen. In einer Bäcke­rei kos­ten 500 Gramm stol­ze 6,60 Euro.

Fort­set­zung folgt.

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Lille schmückt edles Gestein

Nach dem Besuch der Bäcke­rei und der Ver­kös­ti­gung mit Cra­mi­que du Sucre in der Geschäfts­zo­ne Lil­les in Flan­dern führt Anne in ein schö­nes Tex­til­ge­schäft. Dort in der Alt­stadt zeigt sie uns ein har­tes Gewöl­be aus Blau­stein. „Alle Gebäu­de in der Alt­stadt ver­fü­gen über sol­che Kel­ler“, erklärt Anne. Sie sei­en aus Blau­stein erbaut, einem har­ten Kalk­stein, der nicht alte­re, so dass man auch auf ihm im Gegen­satz zu Sand­stein lau­fen kön­ne. Er wer­de in einer Ent­fer­nung von 30 Kilo­me­tern in Bel­gi­en abge­baut. Das Gewöl­be stam­me aus dem 17. Jahr­hun­dert, unge­fähr zu der Zeit, als Lud­wig XIV. Lil­le bela­ger­te. Der König woll­te die durch Tuch­han­del reich gewor­de­ne Stadt ins Reich eingliedern.

An solch einer Archi­tek­tur macht Anne deut­lich, war­um Lil­le Kul­tur­haupt­stadt ist. Denn die alten Häu­ser fal­len nicht der Abriss­bir­ne zum Opfer, wie es auch in Aar­hus zu sehen ist. Das Hafen­vier­tel der Kul­tur­haupt­stadt 2017 erwacht zu Leben, indem Archi­tek­ten dort alte Fabrik­ge­bäu­de reno­vie­ren las­sen und für jun­ge Unter­neh­men öff­nen. Aber auch eine Strand­bar, ein Vol­ley­ball­feld und Schwimm­mög­lich­kei­ten für die Bür­ger gibt es seit kur­zem. So bleibt der Cha­rak­ter der Stadt erhal­ten. Der Tou­rist wan­delt durch die Ver­gan­gen­heit wie durch har­tes Gewöl­be aus Blau­stein, sieht aber schon die Zukunft.

Ein wenig an die Geschich­te der Sagra­da Fami­lia in Bar­ce­lo­na erin­nert die Bau­ge­schich­te der Kathe­dra­le Not­re-Dame-de-la-Treil­le. Mit ihr schließt Anne die Füh­rung durch Lil­le ab. 1854 begann der Bau der neo­go­ti­schen Kir­che. Erst Weih­nach­ten 1999 wur­de er mit einer beson­de­ren Fas­sa­de voll­endet. „An der West­sei­te erhebt sich eine Fas­sa­de aus leuch­ten­dem por­tu­gie­si­schen Mar­mor. Sie ist eine Beson­der­heit, denn durch den Mar­mor dringt das Licht aus der Welt in die Kir­che ein. Wenn die Son­ne dar­auf scheint, fühlt sie sich warm an. Von innen ist sie fast honig­far­ben. Von außen strahlt sie weiß.

Mor­gen fährt der Rei­sen­de nach Paris. Dort trifft er sei­ne Freun­din Alex­an­dra wieder.

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