Rieselfelder — Paradies für Vögel

Rie­sel­fel­der — Para­dies für Vögel: Sobald die Son­ne lacht, zieht es den Rei­sen­den mit Fahr­rad und Kame­ra vom Schreib­tisch nach drau­ßen. Heu­te ent­schied er sich für die Stre­cke durch die Rie­sel­fel­der. In Ver­bin­dung mit eini­gen foto­ge­nen Zie­len in der Stadt ergibt sich dabei durch­aus eine Rad­tour von gut 40 Kilo­me­tern, womit man schon eini­ges für sich tun kann. 

Es gibt also auch in der Gegend ums flach lie­gen­de Müns­ter durch­aus eini­ge inter­es­san­te Aus­flugs­zie­le. Und das sind nicht nur die Baum­ber­ge, ein klei­nes Mit­tel­ge­bir­ge. Einst die Kloa­ke Müns­ters, sind die Rie­sel­fel­der heu­te ein Para­dies für Vögel wie für ein hüb­sches Gän­se­paar. Dort lan­de­ten einst die Abwäs­ser der Stadt, bis man fest­stell­te, dass sich dort die gefie­der­ten Freun­de einstellten.

Von weit her kom­men sie her, um hier zu über­win­tern, Speck anzu­fres­sen und wie­der in ihre jewei­li­ge Hei­mat zurück­zu­flie­gen. So wie viel­leicht die­se bei­den Grau­gän­se, die der Rei­sen­de heu­te Mit­tag am Ran­de der Gewäs­ser fand. Sehr schön expo­niert auf dem fla­chen Grund ste­hend. Sie beob­ach­te­ten ihn eine Wei­le, bis es ihnen dann doch zu heiß wur­de und sie davon schwammen.

Rieselfelder einst Abwassergebiet

Die Rie­sel­fel­der reich­ten bis 1975 von Coer­de bis kurz vor Gim­b­te. Rie­sel­wär­ter ver­teil­ten dann das Abwas­ser über Beton­halb­scha­len auf die Fel­der. Fünf Rie­sel­wär­ter­häus­chen gab es, von denen noch eines exis­tiert. Bis zu 33 Rie­sel­wär­ter arbei­te­ten in drei Schich­ten, sie­ben Tage pro Woche. Sie soll­ten ver­hin­dern, dass Kanä­le ver­stopf­ten. Auch vor den Dykern durf­te nichts ins Was­ser fal­len. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg war dies noch Hand­ar­beit, mit der Sen­se Brenn­nes­seln und Grä­ser zu ent­fer­nen. Das ange­fal­le­ne Mate­ri­al ging an Bau­ern in der Umge­bung, die es an ihre Tie­re verfütterten.

Tödliche Gefahren im Paradies für Vögel

Es ist ein Erleb­nis, dort durch­zu­ra­deln und vie­le Tier­stim­men zu hören — wie im Nor­den Euro­pas. Und auch sie von ziem­lich nah zu sehen und zu iden­ti­fi­zie­ren. Die Bio­lo­gi­sche Sta­ti­on in einem der Rie­sel­wär­ter­häus­chen küm­mert sich rüh­rend um die Tie­re. Der Rat der Stadt Müns­ter beschloss im Früh­jahr 2021, inmit­ten des Gebie­tes die Stra­ße Coer­hei­de zu sper­ren, um Tie­re zu schüt­zen. Durch den Ver­kehr wer­den nicht nur wert­vol­le Brut­ge­bie­te beein­träch­tigt, son­dern auch Tie­re über­fah­ren wie Rin­gel­nat­tern. Nach jah­re­lan­gem Still­stand wur­de das wirk­lich mal Zeit. Jetzt bleibt nur zu hof­fen, dass auch die Inter­es­sen der dort leben­den Men­schen mit einer ele­gan­ten Lösung berück­sich­tigt werden.

Streit ist aber schon ent­brannt: Anwoh­ner befürch­ten mehr Ver­kehr in der Umge­bung. Unter­neh­mer glau­ben, dass sie dadurch Kun­den ver­lie­ren, da die­se kei­ne Umwe­ge in Kauf neh­men wür­den. Dies gel­te auch für Kin­der, die Freun­de in Nach­bar­or­ten besu­chen woll­ten. Aller­dings haben pri­mä­re Anwoh­ner Son­der­ge­neh­mi­gun­gen zum Befah­ren der Coer­müh­le erhal­ten. Außer­dem wür­den jetzt zwei Wege von Tages­tou­ris­ten zuge­parkt. Land­wir­te könn­ten dort nicht mehr ran­gie­ren. Erwar­tet wür­den von der Stadt mehr Kontrollen.

Heimatverein Sandrup-Sprakel-Coerde engagiert sich

Aber auch der Hei­mat­ver­ein San­drup-Spra­kel-Coer­de enga­giert sich dort, indem er dort ein Eichen­kreuz errich­ten will. 5,50 Meter hoch und 2,25 Meter breit soll es wer­den. Es gibt für die Gedenk­stät­te an Coro­na-Opfer eine pas­sen­de Stel­le am Wan­der­weg des West­fä­li­schen Hei­mat­bun­des und Gut Kin­der­haus. Das Kreuz besteht aus dem Holz einer von einem Sturm umge­ris­se­nen hun­dert­jäh­ri­gen Eiche aus San­drup. Mit­ge­hol­fen hat beim Trans­port ein Land­wirt, Die Eiche wird erst in einer Säge­rei in Alten­ber­ge und dann in einer Tisch­le­rei in Nien­ber­ge bearbeitet. 

Die Ent­de­ckung sol­cher Orte kann Freu­de berei­ten, wie auch die des Bild­stocks mit einer schein­bar weib­li­chen Figur. Die­se ent­deck­te der Rei­sen­de an der Coer­müh­le in Aa-Nähe. Es han­delt sich jedoch um die Sand­stein­ar­beit “Jesus am Ölberg” vom Bild­hau­er Ste­fan Rosen­dahl. Wer sich für Kunst inter­es­siert, kann der Coer­müh­le einen Besuch abstat­ten. Denn es gibt auf dem Gelän­de eini­ge Künst­ler, die sich auf die Pro­duk­ti­on von Kera­mik, komi­scher Kunst und Aqua­rel­len spe­zia­li­siert haben., 

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Wintermezzo im Münsterland

Win­ter­mez­zo im Müns­ter­land: Dass dicker Schnee kom­men wür­de, war schon seit Tagen bekannt. Als der Rei­sen­de aber am nächs­ten Mor­gen zum Früh­stü­cken ging, muss­te er lachen. So über­rascht war eh r. Ein hoher wei­ßer Hügel war über Nacht auf dem eigent­lich fla­chen Beet gewach­sen. Nur die Blü­te einer Win­ter­ro­se lug­te noch aus ihm her­aus. Von solch einer Mas­se war er am Vor­abend nicht aus­ge­gan­gen. Er befürch­te­te, dass sich der Schnee bald so hoch tür­men wür­de, dass nur noch ein win­zi­ges Guck­loch einen Blick in den Gar­ten ermög­li­chen würde.

Eine Woche lag eine dicke Schnee­de­cke auf dem Müns­ter­land. Zwei Tage lang hat­te es zuvor ohne Unter­lass geschneit. Eine ver­trau­te Land­schaft ver­än­der­te sich. Ande­re Geräu­sche, ande­re Far­ben. Ein neu­es Pro­fil. Bis­her Unbe­ach­te­tes gewann an Bedeu­tung. So kann eine Woche Schnee Men­schen in Urlaubs­stim­mung stim­men. Dank einer ver­frem­de­ten Landschaft. 

Erste Spaziergänge statt Radfahren

Es folg­ten ers­te Spa­zier­gän­ge in der von Wäld­chen, Hecken und Äckern gepräg­te Land­schaft. Aufs Rad stei­gen woll­te der Rei­sen­de noch nicht. Spikes stan­den zwar im Kel­ler, durch die sich das Ver­hält­nis des Rei­sen­den zu Eis und Schnee vor Jah­ren stark ver­än­dert hat­te. Frü­her war Win­ter eher eine Last. Heu­te ist sie eher ein Genuss, da man mit sol­chen Lauf­rä­dern sicher fah­ren kann. Selbst auf zuge­fro­re­nen Seen rutscht das Rad nicht mehr. Dies­mal war aber soviel Schnee gefal­len, dass er sich kaum vor­stel­len konn­te, sich durch so tie­fen Schnee zu wüh­len. So nahm er sich vor, die nähe­re Umge­bung foto­gra­fisch und zu Fuß zu erfas­sen. In den sozia­len Medi­en tauch­ten auch Fotos vie­ler Ein­woh­ner in “Müns­ter Stadt der Skulp­tu­ren” auf. Die­se nah­men die Ver­än­de­rung ähn­lich fas­zi­niert wahr.

Der ers­ten Über­ra­schung folg­te zwei Tage spä­ter die zwei­te: Die Gewäs­ser fro­ren zu. Auf der Gräf­te der Was­ser­burg Haus Vöge­ding nah­men Enten auf Schnee Platz, der vom Dach gerutscht war. Sicher­lich ange­neh­mer als auf blo­ßem Eis. Es gab kein ein­zi­ges Was­ser­loch mehr. Des­halb schnat­ter­te kei­ne ein­zi­ge Ente fröh­lich mit den ande­ren. Die Stim­mung in der Grup­pe war sicht­lich gedrückt.

Prächtiges Farbenspiel beim Wintermezzo im Münsterland

Bis­her lang­wei­li­ge Tüm­pel an Bau­ern­hö­fen boten nun ein präch­ti­ges Far­ben­spiel. Auf an sich schlam­mi­gen Gewäs­sern lag nun eine brau­ne Eis­schicht mit wei­ßen Adern. Schnee an den Ufern warf neu­es Licht. Er ergab auch einen schö­nen Kon­trast zum zwi­schen Bäu­men durch­schei­nen­den blau­en Him­mel. Selbst Grä­ben an den Äckern gewan­nen nun an Reiz, da sie nun mit Eis gefüllt waren. Also ent­schied Durch­strei­fen & Erle­ben: Aus dem Luft­schnap­pen wird bei so vie­len Rei­zen eine Kurzwanderung.

Denn selbst Äcker rück­ten in neu­es Licht. Durch wei­ßen Tep­pich gewan­nen sie an Wei­te. Es fühl­te sich so an, als hät­te einen jemand ins win­ter­li­che Skan­di­na­vi­en gebeamt. Eines der letz­ten Bau­ern­häu­ser in unmit­tel­ba­rer Nähe der Stadt wirk­te wie in der Tun­dra gele­gen. Ein gol­de­nes Kreuz ent­wi­ckel­te im Schnee mehr Strahl­kraft. Eine Land­stra­ße ver­wan­del­te sich in eine Loi­pe. Rechts von der Stra­ße, wo kei­ne Autos und Spa­zier­gän­ger waren, zogen sich tie­fe Spu­ren von Ski­er. Ein Acker-Rand­strei­fen als Ski­ge­biet. In die Rea­li­tät zurück hol­te einen dicker Schnee auf dem Rad­weg. Per­fekt geräumt war nur die Land­stra­ße. Von wegen Ver­kehrs­wen­de in einer Fahr­rad­haupt­stadt. Die Wor­te “Fahr­rad frei” auf dem Schild wir­ken da fast iro­nisch. Nicht ein­mal für Wan­de­rer ist die Stre­cke nutz­bar, wenn es solch ein Win­ter­mez­zo im Müns­ter­land gibt.

Ins Landschaftsschutzgebiet Vorbergs Hügel

Dann führ­te der Weg abwärts in Rich­tung des Erho­lungs- und Land­schafts­schutz­ge­bie­tes Vor­bergs Hügel. Rechts am Wege liegt ein Land­fah­rer­platz, auf den der Rei­sen­de neu­gie­rig war. Denn in der Zei­tung West­fä­li­sche Nach­rich­ten stand, dass Räum­diens­te hier Schnee ablü­den. Meter­hoch türm­te er sich hier. Genau­so, wie er er sich vor­ge­stellt hat­te. Neu­gie­rig war er auch, wie sich das Fach­werk-Tor­haus an der Stie­ge im Schnee prä­sen­tier­te. Jemand hat­te vor eini­gen Tagen erzählt, dass der dort leben­de Gast­wirt es vor dem Ver­fall geret­tet hät­te. Er kauf­te es einem Land­wirt ab, ließ es ab- und hier wie­der auf­bau­en. Dies ist ein schö­ner Weg, alte Bau­wer­ke zu bewahren. 

Eini­ge Meter wei­ter sah der Rei­sen­de ein wei­te­res Bau­werk im Wald. Ein Baum hat­te es errich­tet, eher unfrei­wil­lig. Einer sei­ner Äste krümm­te sich so stark, dass es einem Tor ähn­lich sah. Durch das Licht des Schnees erziel­te es eine beson­de­re Wir­kung. Nor­ma­ler­wei­se ist es hier wohl eher dun­kel. Ein Ein­gangs­tor in ein klei­nes Natur­schutz­ge­biet, durch­zo­gen von Wan­der­we­gen durch Wald und über Hügel. Wie­der ein wei­ter Blick, also wie­der das Gefühl, im Nor­den Euro­pas zu sein. Für mich eine der schöns­ten Gegen­den rund um die Stadt.

Die­se Bil­der kannst Du im Bild­por­tal in ver­schie­de­nen Grö­ßen erwer­ben, wenn Du Dei­ne Woh­nung oder Dein Unter­neh­men ver­schö­nern willst.

Kleine Wanderung

So ent­wi­ckel­te sich aus fünf Kilo­me­ter Luft­schnap­pen eine klei­ne Wan­de­rung von 8,5 Kilo­me­tern. Sie führ­te vom Haus Rüsch­haus vor den Toren Müns­ters zum Horst­ma­rer Land­weg. Von dort ging es auf die Gas­selstie­ge ins Natur­schutz­ge­biet Vor­bergs Hügel. Der Hügel ist fast 100 Meter hoch. Mit 311 Hekt­ar ist es das zweit­größ­te Natur­schutz­ge­biet Müns­ters. Zur­zeit dis­ku­tie­ren ver­schie­de­ne Par­tei­en über die Nut­zung des Gebie­tes durch Men­schen. Wäre ein Park­platz dort sinn­voll oder nicht, um das Besu­cher­auf­kom­men zu regu­lie­ren? Soll­te man gar einen Auf­se­her ein­stel­len, um die Strö­me zu len­ken? Eine ähn­li­che Dis­kus­si­on gibt es über die Ein­rich­tung eines Wan­der­we­ges ent­lang des Flüss­chens Aa vom Stadt­zen­trum bis zur Burg Hüls­hoff. Men­schen suchen immer mehr Ent­span­nung im Grü­nen. Und jetzt auch im Wei­ßen beim Win­ter­mez­zo im Münsterland.

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Winterwunderland Münsterland

Wann bist Du das letz­te Mal beim Spa­zie­ren­ge­hen im tie­fen Schnee ver­sun­ken? Der Rei­sen­de heu­te Nach­mit­tag gemein­sam mit einer ehe­ma­li­gen Klas­sen­ka­me­ra­din sei­ner Schwes­ter. Sie lief zufäl­lig vor der Haus­tür lang. Der Rei­sen­de schipp­te gera­de unter gro­ßen Anstren­gun­gen Schnee weg, als sie vor­bei­kam. Sie besuch­te gera­de ihre Mut­ter und woll­te sich die Stra­ßen­ver­hält­nis­se anschau­en, um die Rück­fahrt nach Frank­furt zu pla­nen. Doch dar­aus wird wohl erst­mal nichts im Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land. Da sie ohne­hin im Home­of­fice steckt, kann sie noch ver­län­gern und von Müns­ter aus arbeiten. 

So viel geschneit, hat es lan­ge nicht mehr. Der Rei­sen­de glaubt, 2010 schnei­te es im Müns­ter­land zuletzt wirk­lich. Aber es war längst nicht so viel her­un­ter­ge­kom­men. Und es wur­de damals auch nicht so kalt. Wenn der Rei­sen­de das Fens­ter nachts öff­ne, um zu lüf­ten, fegt ein hef­ti­ger Wind her­ein. Lan­ge aus­zu­hal­ten, ist das nicht.

Gang zum Rüschhaus

Es wur­de beschlos­sen, gemein­sam durch den Schnee des Win­ter­wun­der­lan­des Müns­ter­land zu lau­fen und das foto­ge­ne Haus Rüsch­haus auf­zu­su­chen. Der Rei­sen­de stell­te die Schip­pe bei­sei­te. Dies ist bekannt als Wohn­ort der bekann­ten Dich­te­rin Annet­te von Dros­te-Hüls­hoff. Vie­le ken­nen die “Juden­bu­che” und “Der Kna­be im Moor”. Gestal­tet hat es der berühm­te Barock­bau­meis­ter Johann Con­rad Schlaun (1695–1773).

Als wei­te­res Ziel lockt dar­über hin­aus die Bron­ze­skulp­tur “Dia­lo­gue with Johann Con­rad Schlaun”. Dies ließ der bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Bild­hau­er Richard Ser­ra anläss­lich der Skulp­tu­ren­aus­stel­lung am Anfang einer klei­nen Allee 1996 auf­stel­len. Durch eine Nei­gung ver­neigt sich die Skulp­tur um sie­ben Grad vor den bei­den west­fä­li­schen Gro­ßen. Das Unge­tüm aus Stahl nimmt aus 270 Metern Ent­fer­nung eine Bezie­hung zur Tür des Rüsch­hau­ses auf, die zwei Meter hoch, 1,5 Meter breit ist. Gegos­sen hat man den Koloss in der Hat­tin­ger Hen­richs­hüt­te, wo auch schon ande­re Kunst­wer­ke Ser­ras ent­stan­den. Ser­ra hat­te sich zuvor bereits mit einer gan­zen Rei­he von Bau­wer­ken Schlauns beschäftigt.

Schlauns bekann­tes­te Bau­wer­ke sind der Erb­dros­ten­hof und das Schloss in Müns­ter. “Pater Patriae” steht an des­sen Fas­sa­de. Der Spruch steht für einen auf­ge­klär­ten Staat. Dies drückt schlicht die nied­ri­ge und aufs Stadt­zen­trum aus­ge­rich­te­te Ein­gangs­trep­pe aus. Ein Schloss für die Bürger.

Schloss zu Münster

Seit 1773 ist es offi­zi­ell Resi­denz des Fürst­bi­schofs Max Fried­rich von König­segg-Rothen­fels. Die­ser war in Per­so­nal­uni­on Erz­bi­schof und Kur­fürst von Köln. Er resi­dier­te sowohl in Bonn am Hof­gar­ten, hielt sich aber auch mehr­fach zwi­schen 1768 und 1783 in Müns­ter auf. Durch­schnitt­lich 69 Tage pro Jahr. Einen fes­ten Sitz besaß er nicht. Er folg­te der Tra­di­ti­on seit dem Mit­tel­al­ter sein Leben auf Lan­des­bur­gen zu ver­brin­gen. Um Müns­ter her­um waren dies Wol­beck, Ahaus, Bever­gern, Horst­mar und Coesfeld. 

Denn die Kir­chen­ober­häup­ter lei­te­ten auch Bis­tü­mer, von denen Osna­brück, Köln und Pader­born. Sie resi­dier­ten dann im heu­ti­gen Bad Iburg im Teu­to­bur­ger Wald, Schloss Neu­haus, Bonn und Brühl. Bis zum Schloss­brand am 26. März 1945 durch Bom­ben exis­tier­te ein Gemäl­de Johann Hein­rich Tisch­beins von Max Fried­rich im Fürs­ten­saal. Heu­te exis­tiert davon zum Glück noch eine Ölskiz­ze. Deren Eigen­tü­mer ist das Lan­des­mu­se­um. In Cle­mens­werth in Sögel und Sas­sen­berg bei Waren­dorf ging er auf die Jagd.

Auch Maximilian Franz von Österreich lebte im Schloss

Auch sein Nach­fol­ger Maxi­mi­li­an Franz von Öster­reich (1756–1801) hielt sich dort auf. Er wur­de gar im Dom zu Müns­ter gekrönt, nach­dem ihn eine sechs­spän­ni­ge Kut­sche vom Schloss abge­holt hat­te. Gefei­ert wur­de danach im Gro­ßen Saal. Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te muss­ten ihm auf dem Dom­platz einen Eid able­gen. 280 Tage soll­te er fort­an ins­ge­samt zwi­schen 1784 und 1793 in Müns­ter verbringen. 

Er emp­fing dort 1785, 1787 und 1793 den Land­tag, wo dann Dom­her­ren, Rit­ter und Ver­tre­ter der Städ­te berie­ten. Und er weih­te drei Weih­bi­schö­fe. Auch in der Schloss­ka­pel­le nahm er sei­ne Auf­ga­ben wahr, nicht nur im Dom oder im Bischofspalast.

Sogar einem Teil sei­ner Fami­lie dien­te das Schloss als Zufluchts­stät­te: Sei­ne Schwes­ter Maria Chris­ti­na und der mit ihr ver­hei­ra­te­te Her­zog Albert von Sach­sen-Teschen leb­ten hier gut sechs Wochen. Sie waren Gou­ver­neu­re der damals von Frank­reich besetz­ten öster­rei­chi­schen Nie­der­lan­de. Denn fran­zö­si­sche Sol­da­ten waren nach Bonn 1792/3 im Zuge des Revo­lu­ti­ons­krie­ges gekommen. 

Als preu­ßi­sche Trup­pen West­fa­len 1802 besetz­ten, war das Kapi­tel als fürst­bi­schöf­li­che Resi­denz been­det. Der Frei­herr vom Stein als Ober­kam­mer­prä­si­dent und Mili­tär­gou­ver­neur Geb­hard Lebe­recht von Blü­cher, ab 1814 Fürst Blü­cher von Wahl­statt, zogen ein. Sie über­nah­men das Heft des Handelns. 

Den Spa­zier­gang durchs Win­ter­wun­der­land ver­län­ger­te der Rei­sen­de an den dar­auf­fol­gen­den Tagen bei strah­len­dem Son­nen­schein. Auf dem auch bei Jog­gern auf Schnee belieb­te Twe­ren­feld­weg führt am Hotel Haus Hüer­län­der vor­bei. Dort war­tet auf Fami­li­en mit Kin­dern ein Zoo mit Dam­wild. Und Mini­golf. Die Stra­ße Rich­tung Roxel lau­fend, lohnt sich ein Blick auf die Was­ser­burg Haus Vöge­ding. Die­se ist trotz ihrer Jah­re sehr gut in Schuss. Dazu gehört auch ein grö­ße­rer Bau­ern­hof. Von dort kön­nen Besu­cher in der Fer­ne die Gip­fel der Baum­ber­ge sehen. Wann wird es ein Win­ter­wun­der­land Müns­ter­land je wie­der geben? 

Alle Fotos bestellst Du im Bild­por­tal — in ver­schie­de­nen For­ma­ten. Mit einem gerahm­ten Foto kannst Du Dei­nen Arbeits­tisch im Home­of­fice schmü­cken. Mit einem Pos­ter die Woh­nung dekorieren.

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„Den Toten zur Ehre“

„Den Toten zur Ehre“: Ganz in der Nähe steht an der Dorf­kir­che St. Sebas­ti­an in Nien­ber­ge bei Müns­ter ein künst­le­risch wert­vol­les Krie­ger­denk­mal. Sel­ten bleibt jemand hier ste­hen. Nur am Volks­trau­er­tag (immer zwei Sonn­ta­ge vor dem ers­ten Advents­sonn­tag) gedenkt die Sol­da­ten­ka­me­rad­schaft der Gefal­le­nen bei­der Weltkriege. 

Dar­ge­stellt ist ein Geni­us. Er ist mit einer Hand gefes­selt an einem sei­ner Kro­ne beraub­ten Eich­baum. Er beugt sich gram­voll zu einem toten Sol­da­ten in deut­scher Uni­form nie­der. Die ande­re freie Hand streckt er ihm ent­ge­gen. Neben dem Sol­da­ten liegt ein Stahl­helm. Unter ihm ist Muni­ti­on zu sehen. Den Tor­nis­ter trägt er noch auf dem Rücken. Die Inschrift des 1921 errich­te­ten Denk­mals lau­tet in gro­ßen Let­tern: „Den Toten zur Ehre, den Leben­den zur Mahnung“.

Nie­mand ruft mit die­sem Monu­ment auf, poli­tisch zu han­deln. Der Geni­us kommt von links wie der Engel der Ver­kün­di­gung auf mit­tel­al­ter­li­chen Dar­stel­lun­gen. Die Mah­nung liegt sowohl im gefes­sel­ten Geni­us als auch in der gekürz­ten Eiche — bild­haf­te Sym­bo­le für das dama­li­ge Deutsch­land um 1921. Kei­ner wuss­te kurz nach Grün­dung der Wei­ma­rer Repu­blik und dem Dik­tat des Ver­sailler Ver­tra­ges, wie es wei­ter­ge­hen soll­te. Der Geni­us ist nicht reli­gi­ös gebun­den. Er steht über allen Din­gen und ist unparteiisch.

Fort­set­zung

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Größtes Lager für Kriegsgefangene

Größ­tes Lager für Kriegs­ge­fan­ge­ne: Zum Ver­gleich nach Deutsch­land, um zu sehen, wie man dort wäh­rend des Krie­ges und danach Fried­hö­fe und Denk­mä­ler gestal­te­te: In Nien­ber­ge nahe Müns­ter befand sich wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges das größ­te Gefan­ge­nen­la­ger Nord­west­deutsch­lands, heu­te als Haus Spi­tal bekannt. Nur ver­ein­zelt kom­men Besu­cher. Ein­sam liegt die im Volks­mund „Rus­sen­fried­hof“ genann­te Kriegs­grä­ber­stät­te, umge­ben von Pla­ta­nen und hei­mi­schen Laub­bäu­men. „Requie­scant in pace“ — „Sie mögen ruhen in Frie­den“ — steht am dop­pel­flü­ge­li­gen Ein­gangs­tor. Auch die grie­chi­schen Buch­sta­ben Alpha und Ome­ga, Anfang und Ende, sind zu sehen. Chris­tus steht an Anfang und Ende allen Seins, umfasst also die Welt­ge­schich­te. Alles ruht in Got­tes Hand. Von deut­schen Sol­da­ten bewacht, ord­ne­ten Gefan­ge­ne aus Eng­land, Russ­land, Bel­gi­en, Ita­li­en und Frank­reich ihre Ange­le­gen­hei­ten selbst, alle Beru­fe waren vertreten.

Für die Kran­ken wur­de ein Laza­rett ein­ge­rich­tet, für die Toten ein eige­ner Fried­hof. 770 Namen fran­zö­si­scher, bel­gi­scher und rus­si­scher Kriegs­ge­fan­ge­ner sind auf einer Gedenk­säu­le und auf Tafeln ein­ge­mei­ßelt. Fran­zo­sen, Bel­gi­er, Eng­län­der und Ita­lie­ner wur­den umge­bet­tet, jetzt lie­gen hier noch Rus­sen, Polen, Ukrai­ner, Wol­ga­deut­sche und ein indi­scher Stam­mes­fürst. In Zusam­men­ar­beit mit dem Lager­kom­man­dan­ten gestal­te­te der Archi­tekt Dut­hoit die Anla­ge. Er stamm­te aus Lil­le. Er ent­warf selbst Form und Beschrif­tung jedes Ein­zel­teils. Dafür stan­den ihm die Stein­met­ze und Schmie­de unter den Gefan­ge­nen zur Ver­fü­gung. Auf einem Gedenk­stein steht „Pro Patria“.

Erin­ne­rungs­tou­ris­mus gibt es nicht. Aber die katho­li­sche Gemein­de St. Sebas­ti­an gedenkt der Gestor­be­nen an den Toten­ge­denk­ta­gen im November. 

„Den Toten zur Ehre“

Ganz in der Nähe steht an der Dorf­kir­che St. Sebas­ti­an in Nien­ber­ge bei Müns­ter ein künst­le­risch wert­vol­les Krie­ger­denk­mal. Sel­ten bleibt jemand hier ste­hen. Nur am Volks­trau­er­tag (immer zwei Sonn­ta­ge vor dem ers­ten Advents­sonn­tag) gedenkt die Sol­da­ten­ka­me­rad­schaft der Gefal­le­nen bei­der Weltkriege. 

Dar­ge­stellt ist ein Geni­us. Er ist mit einer Hand gefes­selt an einem sei­ner Kro­ne beraub­ten Eich­baum. Er beugt sich gram­voll zu einem toten Sol­da­ten in deut­scher Uni­form nie­der. Die ande­re freie Hand streckt er ihm ent­ge­gen. Neben dem Sol­da­ten liegt ein Stahl­helm. Unter ihm ist Muni­ti­on zu sehen. Den Tor­nis­ter trägt er noch auf dem Rücken. Die Inschrift des 1921 errich­te­ten Denk­mals lau­tet in gro­ßen Let­tern: „Den Toten zur Ehre, den Leben­den zur Mahnung“.

Nie­mand ruft mit die­sem Monu­ment auf, poli­tisch zu han­deln. Der Geni­us kommt von links wie der Engel der Ver­kün­di­gung auf mit­tel­al­ter­li­chen Dar­stel­lun­gen. Die Mah­nung liegt sowohl im gefes­sel­ten Geni­us als auch in der gekürz­ten Eiche — bild­haf­te Sym­bo­le für das dama­li­ge Deutsch­land um 1921. Kei­ner wuss­te kurz nach Grün­dung der Wei­ma­rer Repu­blik und dem Dik­tat des Ver­sailler Ver­tra­ges, wie es wei­ter­ge­hen soll­te. Der Geni­us ist nicht reli­gi­ös gebun­den. Er steht über allen Din­gen und ist unpar­tei­isch. Auch Lin­den waren sym­bo­lisch im Krieg.

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