Im “Triumph des Winters & des Frühlings” schaut der Theaterbesucher — Originaltitel Auto do triunfo do Inverno — fasziniert durchs Brennglas Gil Vicentes auf eine ihm fremde Welt der Renaissance. Er hört stolze Worte des Winters über seine Macht. Er zittert ums Leben von Seefahrern zwischen Brasilien und Moçambique, lacht übers satirische Gespräch des Winters mit einem Hirten über die Liebe. Verzückt lauscht er einem poetischen Gespräch des Frühlings mit der Serra da Sintra, zwei ineinander verliebte Freunde.
STEUERMANN Der Wind nimmt ab. Holt das Tau von der Fock ein.
GREGÓRIO Und was ist hier die Fock? Ich weiß wohl, was ein Furz ist.
Aber ich weiß weder, was ein Segel ist, noch wo es sich befindet.
AFFONSO Kann es dieses große Tuch sein, das am Pfosten hängt?
STEUERMANN Eilt an Bord. Der Wind dreht sich mit der Sonne.
PFEIFE Pi pi pi pii.
GREGÓRIO Ich pfeife auf den Pfeifenton,
und ebenso auf dieses Dingsda.
STEUERMANN Könnt ihr euch nicht beeilen?
Wir jagen sonst gegen die Küste.
GONÇALO Jagen? Ihr habt also Hunde?
Dort sind die Hunde, hallooo, hallooo.
AFFONSO Gonçalo, such‘ das Frettchen.
GONÇALO Schieß‘ los, Gregório.

Der Zuschauer glaubt in dieser tollen Übersetzung portugiesischer Klassiker, Don Quijote antraben zu hören. Aber der Welt der Ritter folgte bereits das Zeitalter der Eroberer, Seefahrer und Kaufleute in einer globalen Welt. Die Menschen stehen vor Herausforderungen. Denen sind sie nicht immer gewachsen, was ihnen aber nicht bewusst ist. Ein 1529 entstandenes Meisterstück Vicentes, des Begründers des portugiesischen Nationaltheaters,. Es hat auf heutigen Bühnen eine Aufführung verdient.



