Triumph des Winters und des Frühlings

Im “Tri­umph des Win­ters & des Früh­lings” schaut der Thea­ter­be­su­cher — Ori­gi­nal­ti­tel Auto do tri­unfo do Inver­no — fas­zi­niert durchs Brenn­glas Gil Vicen­tes auf eine ihm frem­de Welt der Renais­sance. Er hört stol­ze Wor­te des Win­ters über sei­ne Macht. Er zit­tert ums Leben von See­fah­rern zwi­schen Bra­si­li­en und Moçam­bi­que, lacht übers sati­ri­sche Gespräch des Win­ters mit einem Hir­ten über die Lie­be. Ver­zückt lauscht er einem poe­ti­schen Gespräch des Früh­lings mit der Ser­ra da Sin­tra, zwei inein­an­der ver­lieb­te Freunde.

STEUERMANN Der Wind nimmt ab. Holt das Tau von der Fock ein.

GREGÓRIO Und was ist hier die Fock? Ich weiß wohl, was ein Furz ist.
Aber ich weiß weder, was ein Segel ist, noch wo es sich befin­det.


AFFONSO Kann es die­ses gro­ße Tuch sein, das am Pfos­ten hängt?

STEUERMANN Eilt an Bord. Der Wind dreht sich mit der Sonne.

PFEIFE Pi pi pi pii.

GREGÓRIO Ich pfei­fe auf den Pfei­fen­ton,
und eben­so auf die­ses Dingsda.

STEUERMANN Könnt ihr euch nicht beei­len?
Wir jagen sonst gegen die Küste.

GONÇALO Jagen? Ihr habt also Hun­de?
Dort sind die Hun­de, hal­looo, hallooo.

AFFONSO Gon­ça­lo, such‘ das Frettchen.

GONÇALO Schieß‘ los, Gregório.

Der Zuschau­er glaubt in die­ser tol­len Über­set­zung por­tu­gie­si­scher Klas­si­ker, Don Qui­jo­te antra­ben zu hören. Aber der Welt der Rit­ter folg­te bereits das Zeit­al­ter der Erobe­rer, See­fah­rer und Kauf­leu­te in einer glo­ba­len Welt. Die Men­schen ste­hen vor Her­aus­for­de­run­gen. Denen sind sie nicht immer gewach­sen, was ihnen aber nicht bewusst ist. Ein 1529 ent­stan­de­nes Meis­ter­stück Vicen­tes, des Begrün­ders des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters,. Es hat auf heu­ti­gen Büh­nen eine Auf­füh­rung verdient.

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cozy cafe interior with a pigeon inside

Die Wehklage der Maria Parda — lustig und scharf

Die Weh­kla­ge der Maria Par­da atmet den Geist der Refor­ma­ti­ons­zeit. Das 1522 erschie­ne­ne Thea­ter­stück the­ma­ti­siert das Den­ken der Men­schen jener Zeit. Die­se füh­len sich schul­dig und haben Angst vor der Höl­le. Gil Vicen­te stellt auf revo­lu­tio­nä­re Wei­se ein­fa­che Men­schen von der Stra­ße auf die Büh­ne vor Adel und Bür­ger. Sie spre­chen auch volks­nah. Und das schon 40 Jah­re, bevor Wil­liam Shake­speare auf die Welt kommt, der als der Begrün­der der ein­fa­chen Spra­che auf der Büh­ne gilt. 

Maria klagt, weil sie einer­seits so weni­ge, durch Blu­men­sträu­ße gekenn­zeich­ne­te Türen der Taver­nen in den Stra­ßen Lis­sa­bons sieht. Ande­rer­seits ist der ein so teu­er, ohne den sie nicht leben kann.

Gil Vicen­te Die Weh­kla­ge der Maria Par­da, ISBN:
978–3‑7541–3575‑4

(…)

MARIA PARDA Oh, Stra­ße der Mouraria, wer hat dir gesagt, dass der Durst 

durch das Gesetz Moham­meds mit trau­ri­gem kal­ten Was­ser getö­tet wird? 

Oh, Trin­ker, mei­ne Brü­der, was ehrt uns, Chris­ten zu sein, wenn uns Gott 

den Wein weg­nimmt? Oh, trau­ri­ges, knau­se­ri­ges Jahr, war­um machst du uns zu Heiden?

Ein 1522 ent­stan­de­nes Meis­ter­stück Gil Vicen­tes (1465–1536), des Begrün­ders des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters, das auf heu­ti­gen Büh­nen eine Auf­füh­rung ver­dient. Es ist eine Ant­wort auf die Refor­ma­ti­on. Wen­det sich der Dich­ter gegen den Papst? Lehnt er die Refor­ma­ti­on ab?

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Wallfahrt der Leidenden

In Wall­fahrt der Lei­den­den — im Ori­gi­nal Romagem de Aggra­va­dos — lei­den Frau­en und Män­ner unter­schied­li­chen Alters. Sie tre­ten paar­wei­se auf und schil­dern ein­an­der ihre Schick­sa­le. Es geht um Kli­ma­wan­del, unbe­ant­wor­te­te Lie­be, lie­der­li­che Ade­li­ge, Kar­rie­re, Part­ner­wahl und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Fast so wie im heu­ti­gen Leben, ein zeit­lo­ses Thea­ter­stück aus der Renais­sance.

APARICIANES Bru­der Paço? Hei­li­ge Guio­mar! Bru­der Paço, haben Sie Zeit,
die­ses Land­mäd­chen eine Wei­le zu begut­ach­ten? Sie stammt aus der
Ser­ra da Lousã und ist ein Mäd­chen mit sehr gutem Ruf.
Ich brin­ge sie her, damit eine Dame aus ihr wird.
Ich will, dass sie eine Hof­da­me wird.


BRUDER PAÇO Freund, die dazu geeig­ne­te Dame muss reich und schön sein, sehr emp­find­sam, ruhig, höf­lich, anmu­tig, sanftmütig.


APARICIANES All dies hat Giralda.


BRUDER PAÇO Set­zen wir ihr eine Perü­cke auf. Lasst uns sehen, wie ihr das steht.


APARICIANES Gib, gib dem Dämon das fal­sche Haar, das für nie­man­den sonst bestimmt ist.


BRUDER PAÇO Du, Bau­er, willst sagen, dass dies nicht für die Arbeit auf dem Lan­de taugt.  Aber für den höfi­schen Palast ist es enorm wichtig.

Ein typi­sches Werk des berühm­ten Dich­ters Gil Vicen­te: Zeit­los und sprach­lich ein­fach zeigt der Begrün­der des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters Schick­sa­le hilf­lo­ser Men­schen ver­schie­de­ner Stän­de und Alters­grup­pe. Wenn sie Hil­fe brau­chen, gehen sie auf eine Wall­fahrt. Sie erwar­ten also kei­ne irdi­sche Hil­fe. Wer soll dann ihre Pro­ble­me lösen?

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Neu: Schwank der Dienstboten

Dramatiker Gil Vicente wirft bezeichnendes Licht auf den Lissaboner Königshof

Gil Vicen­te
Schwank der Dienstboten

Neu im Buch­han­del: Schwank der Dienst­bo­ten. In einer Zeit, in der Por­tu­gals Han­del auf­blüht, lebt ein Ade­li­ger am könig­li­chen Hof auf gro­ßem Fuße. Er beschäf­tigt Ange­stell­te, gibt kost­spie­li­ge Arbei­ten in Auf­trag, kann die­se aber nicht bezah­len. Er leis­tet daher hoh­le Ver­spre­chun­gen. Aller­dings sind sei­ne „Dienst­bo­ten“ naiv. Denn die­se machen trotz­dem ihre eige­nen Rech­nun­gen auf. 

Steht Por­tu­gal vor einer Revo­lu­ti­on? Der Rei­sen­de hat das Thea­ter­stück jetzt erst­mals ins Deut­sche über­setzt. An die­sem 1527 ver­fass­ten Thea­ter­stück schätzt er, dass die Spra­che frisch ist. Ein Leser merkt deut­lich, dass es ein ganz eige­nes Werk des berühm­ten Renais­sance-Dich­ters Gil Vicen­te ist. Zuvor hat­te ihn offen­bar kein Adel oder Kle­rus instru­iert, wel­che Bot­schaft dem Zuschau­er im Thea­ter über­mit­telt wer­den sollte.

Im sel­ben Jahr wie die “Schä­fer­li­che Tra­gi­ko­mö­die der Ser­ra da Est­re­la” ver­fass­te Gil Vicen­te auch die­ses Stück. Vicen­te (1465 — ca. 1536) gilt als Begrün­der des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters. Nach ihm ist sogar ein Fuß­ball­ver­ein benannt, der erfolg­reich spielt. Bis zu sei­nem Lebens­en­de um 1536 soll­ten neun wei­te­re Dra­men folgen. 

Es fällt auf, dass er bilin­gu­al schrei­ben konn­te. Zum Teil sind die Wer­ke auf Spa­nisch, auf Por­tu­gie­sisch und in einer Mischung aus bei­den Spra­chen ver­fasst. An den Uni­ver­si­tä­ten wird gelehrt, dass sich Vicen­te so einen grö­ße­ren Markt­an­teil ver­sprach. 46 Thea­ter­stü­cke sind ins­ge­samt bekannt. Davon ver­fass­te er 16 in por­tu­gie­si­scher, 11 in kas­ti­li­scher sowie 19 in bei­den Sprachen.

Stücke wohl auch in Spanien aufgeführt

So konn­te der Renais­sance-Dich­ter sei­ne Wer­ke nicht nur in Por­tu­gal, son­dern auch in Spa­ni­en auf­füh­ren las­sen. Damals gab es vie­le wan­dern­de Schau­spie­ler, die nicht nur im Thea­ter, son­dern auch auf offe­ner Stra­ße Thea­ter spielten.

Neu im Buch­han­del: Schwank der Dienst­bo­ten. Ein schö­nes Geschenk für Lieb­ha­ber roma­ni­scher Lite­ra­tur. Eine wert­vol­le Lek­tü­re im Schul­un­ter­richt oder im Semi­nar am Roma­nis­ti­schen Insti­tut. Tol­le Unter­hal­tung am Strand in Algar­ve oder an der Cos­ta Vicen­ti­na. Por­tu­gie­si­sche Lite­ra­tur ent­täuscht sel­ten. Gön­ne Dir etwas Gutes.

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