Im Buchhandel: Triumph des Winters

STEUERMANN Der Wind nimmt ab. Holt das Tau von der Fock ein.

GREGÓRIO Und was ist hier die Fock? Ich weiß wohl, was ein Furz ist.
Aber ich weiß weder, was ein Segel ist, noch wo es sich befindet.

Jetzt im Buch­han­del und die per­fek­te Urlaubs­lek­tü­re: Tri­umph des Win­ters & des Früh­lings. Das Thea­ter­stück liest sich an vie­len Stel­len so lus­tig wie der oben ste­hen­de Dia­log zwi­schen einem Steu­er­mann und sei­nem Schiffs­jun­gen. Daher schaut der Thea­ter­be­su­cher im “Tri­umph des Win­ters & des Früh­lings”- Auto do tri­unfo do Inver­no — fas­zi­niert durchs Brenn­glas Gil Vicen­tes auf eine ihm frem­de Welt der Renais­sance. Er hört stol­ze Wor­te des Win­ters über sei­ne Macht. Er zit­tert ums Leben von See­fah­rern zwi­schen Bra­si­li­en und Moçam­bi­que, die in frem­de Wel­ten wie im eige­nen Urlaub ent­füh­ren. Dann lacht der Leser übers sati­ri­sche Gespräch des Win­ters mit einem Hir­ten über die Lie­be. Und spä­ter lauscht er ver­zückt einem poe­ti­schen Gespräch des Früh­lings mit der Ser­ra da Sin­tra, zwei inein­an­der ver­lieb­te Freunde.

Der Leser glaubt, Don Qui­jo­te antra­ben zu hören. Aber die Welt der Rit­ter ist vor­bei. Es läuft bereits das Zeit­al­ter der Erobe­rer, See­fah­rer und Kauf­leu­te in einer glo­ba­len Welt. Die Men­schen ste­hen vor Her­aus­for­de­run­gen — so wie heut­zu­ta­ge. Denen sind sie nicht immer gewach­sen, was ihnen aber nicht bewusst ist. 

Ein 1529 ent­stan­de­nes Meis­ter­stück Vicen­tes, des Begrün­ders des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters. Die Tra­gi­ko­mö­die hat auf heu­ti­gen Büh­nen eine Auf­füh­rung ver­dient. Begin­ne dei­ne eige­ne Auf­füh­rung am Strand an dei­nem Urlaubs­ort! Nur zwei Jah­re vor dem “Tri­umph” hat­te Vicen­te den “Schwank der Dienst­bo­ten” — “Far­sa dos almo­creves” publi­ziert. Er war also ein flei­ßi­ger Schreiber.

Gute Lektüre in Uni und Schule

Die­ses wie auch alle ande­ren Thea­ter­stü­cke Vicen­tes bie­ten sich natür­lich auch als Lek­tü­re an deut­schen Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten an. Schü­lern eines Leis­tungs­kur­ses in der Ober­stu­fe bie­tet sich ein ein­ma­li­ger leben­di­ger wie span­nen­der Stoff zur Ana­ly­se. Das gilt aber auch für Stu­den­ten in Semi­na­ren der Roma­nis­tik oder in einem Exzel­lenz­clus­ter wie “Reli­gi­on und Poli­tik”. Kein ande­rer Dra­ma­ti­ker in Euro­pa lie­fert wie Vicen­te mit Thea­ter­stü­cken so wich­ti­ge Bei­trä­ge, wenn es ums Ver­hält­nis zwi­schen Lite­ra­tur einer­seits, Recht, Poli­tik und Reli­gi­on ande­rer­seits in der Umbruch­zeit vom Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit geht. Inso­fern lie­fer­ten sei­ne Wer­ke auch guten Stoff für Kino­fil­me. Nun im Buch­han­del: Tri­umph des Winters.

Hohle Versprechungen eines Adeligen

Hoh­le Ver­spre­chun­gen eines Ade­li­gen: In einer Zeit, in der Por­tu­gals Han­del auf­blüht, lebt ein Ade­li­ger am könig­li­chen Hof auf gro­ßem Fuße. Er beschäf­tigt Ange­stell­te, gibt kost­spie­li­ge Arbei­ten in Auf­trag, kann die­se aber nicht bezah­len. Daher leis­tet er hoh­le Ver­spre­chun­gen. Aller­dings sind sei­ne „Dienst­bo­ten“ auch naiv. Denn die­se machen trotz­dem ihre eige­nen Rech­nun­gen auf. 

(…)

ADELIGER Also gut, ohne mehr Auf­he­bens. Sin­gen Sie bit­te einen Ein­stieg
in die Mes­se, damit ich Ihre Stim­me beur­tei­len kann.

KAPLAN Das wer­de ich fro­hen Mutes tun. Aber wer wird mir antworten?

ADELIGER Ich.

KAPLAN Per omnia secu­la. In Ewigkeit.

ADELIGER Amen.

KAPLAN Domi­nus vobis­cum. Der Herr sei mit euch.

ADELIGER Singt wei­ter, Vater.

KAPLAN Sursum corda. Erhe­bet die Herzen.

ADELIGER Dei­ne Stim­me ist so kräf­tig wie die eines Ele­fan­ten,
nach­dem er eine kräf­ti­ge Sup­pe geges­sen hat.

(…)

Der „Schwank der Dienst­bo­ten“ — Ori­gi­nal­ti­tel Far­sa dos Almo­creves — ist eines der reifs­ten Stü­cke des gro­ßen Dra­ma­ti­kers Gil Vicen­te. Er wirft ein bezeich­nen­des Licht auf die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se am por­tu­gie­si­schen Hof um 1526. Steht Por­tu­gal vor einer Revo­lu­ti­on? Freu­en Sie sich auf die­se neue Über­set­zung eines wich­ti­gen por­tu­gie­si­schen Klas­si­kers.

Triumph des Winters und des Frühlings

Im “Tri­umph des Win­ters & des Früh­lings” schaut der Thea­ter­be­su­cher — Ori­gi­nal­ti­tel Auto do tri­unfo do Inver­no — fas­zi­niert durchs Brenn­glas Gil Vicen­tes auf eine ihm frem­de Welt der Renais­sance. Er hört stol­ze Wor­te des Win­ters über sei­ne Macht. Er zit­tert ums Leben von See­fah­rern zwi­schen Bra­si­li­en und Moçam­bi­que, lacht übers sati­ri­sche Gespräch des Win­ters mit einem Hir­ten über die Lie­be. Ver­zückt lauscht er einem poe­ti­schen Gespräch des Früh­lings mit der Ser­ra da Sin­tra, zwei inein­an­der ver­lieb­te Freunde.

STEUERMANN Der Wind nimmt ab. Holt das Tau von der Fock ein.

GREGÓRIO Und was ist hier die Fock? Ich weiß wohl, was ein Furz ist.
Aber ich weiß weder, was ein Segel ist, noch wo es sich befin­det.


AFFONSO Kann es die­ses gro­ße Tuch sein, das am Pfos­ten hängt?

STEUERMANN Eilt an Bord. Der Wind dreht sich mit der Sonne.

PFEIFE Pi pi pi pii.

GREGÓRIO Ich pfei­fe auf den Pfei­fen­ton,
und eben­so auf die­ses Dingsda.

STEUERMANN Könnt ihr euch nicht beei­len?
Wir jagen sonst gegen die Küste.

GONÇALO Jagen? Ihr habt also Hun­de?
Dort sind die Hun­de, hal­looo, hallooo.

AFFONSO Gon­ça­lo, such‘ das Frettchen.

GONÇALO Schieß‘ los, Gregório.

Der Zuschau­er glaubt in die­ser tol­len Über­set­zung por­tu­gie­si­scher Klas­si­ker, Don Qui­jo­te antra­ben zu hören. Aber der Welt der Rit­ter folg­te bereits das Zeit­al­ter der Erobe­rer, See­fah­rer und Kauf­leu­te in einer glo­ba­len Welt. Die Men­schen ste­hen vor Her­aus­for­de­run­gen. Denen sind sie nicht immer gewach­sen, was ihnen aber nicht bewusst ist. Ein 1529 ent­stan­de­nes Meis­ter­stück Vicen­tes, des Begrün­ders des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters,. Es hat auf heu­ti­gen Büh­nen eine Auf­füh­rung verdient.

Höllisches Drama aus der Renaissance

Ein höl­li­sches Dra­ma aus der Renais­sance: Vie­le erwar­tungs­vol­le Men­schen kom­men am Ende des Lebens am Fluss des Grau­ens an. Ein Teu­fel und ein Engel ver­hö­ren sie am Kai. Haben sie gut oder schlecht gehan­delt? Führt ihr wei­te­rer Weg mit dem Engel ins Para­dies? Oder rudern sie mit dem Teu­fel in die Höl­le? So man­chen Ankömm­ling über­ra­schen die Entscheidungen.

utt­Mit Gil Vicen­te hat einer der ganz gro­ßen Dich­ter Por­tu­gals Das Höl­len­schiff — Ori­gi­nal­ti­tel Auto da Bar­ca do Infer­no — im Jah­re 1517 geschrie­ben. Heu­te ist es ein Best­sel­ler und wird auf vie­len Büh­nen auf­ge­führt. Und es ist Prü­fungs­stoff im Abitur an Por­tu­gals Schu­len. Daher bie­tet die­ses wie auch alle ande­ren Thea­ter­stü­cke sich natür­lich auch als Lek­tü­re an deut­schen Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten an. Schü­lern eines Leis­tungs­kur­ses in der Ober­stu­fe bie­tet sich ein ein­ma­li­ger leben­di­ger wie span­nen­der Stoff zur Ana­ly­se. Das gilt aber auch für Stu­den­ten in Semi­na­ren der Roma­nis­tik oder in einem Exzel­lenz­clus­ter wie “Reli­gi­on und Poli­tik”. Kein ande­rer Dra­ma­ti­ker in Euro­pa lie­fert wie Vicen­te mit Thea­ter­stü­cken so wich­ti­ge Bei­trä­ge, wenn es ums Ver­hält­nis zwi­schen Lite­ra­tur einer­seits, Recht, Poli­tik und Reli­gi­on ande­rer­seits in der Umbruch­zeit vom Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit geht. Inso­fern wäre ein höl­li­sches Dra­ma aus der Renais­sance auch ein guter Stoff für einen Kinofilm.

Drama über Portugal im Krieg

Dra­ma über Por­tu­gal im Krieg: Anno domi­ni 1513: Por­tu­gal hat Bra­si­li­en ent­deckt und steht jetzt vor der Erobe­rung Nord­afri­kas. Ein Nekro­mant, also einer, der die Toten erwe­cken kann, zwingt zwei Teu­fel dazu, ihm die Hel­den des klas­si­schen Alter­tums zu brin­gen. Por­tu­gal braucht star­ke Anfüh­rer im Krieg. Doch wie wird die­ser Krieg enden?

(…)

ZEBRON Was ist los, ver­fluch­ter Priester?

NEKROMANT Will­kom­men, mei­ne Brü­der, es heißt zuerst willkommen.

DANOR Was willst du von uns?

NEKROMANT Ihr sollt einen Befehl ausführen.

ZEBRON Bei Satans Altar. Das sollst du bereu­en, arro­gan­ter Schurke.

DANOR Komm’. Ich wer­de ihn am Haar packen und ihm die Ohren kür­zen. Denn die­ser Pries­ter ist ein Dieb.

NEKROMANT Seid gut zu mir, gute Brü­der. Hört auf, Kame­ra­den, Cou­sins, Freunde.

(…)

Gil Vicen­te hat mit “Ermah­nung zum Krie­ge” — Ori­gi­nal­ti­tel Exhorta­çao da Guer­ra — ein auch heu­te noch aktu­el­les Dra­ma geschrie­ben, in dem er Adel und Bür­ger­tum zur Erobe­rung auf­ruft. Aber gleich­zei­tig warnt der Dich­ter vor Über­mut und mahnt zu Zurück­hal­tung. Manch heu­ti­ge Groß­macht darf sich davon ange­spro­chen füh­len. Das Stück wur­de 1513 in Lis­sa­bon vor König Manu­el I. urauf­ge­führt. Auch die­se Über­set­zung eines por­tu­gie­si­schen Klas­si­kers fin­den Sie ab sofort im Buchhandel.

Gil Vicen­te gilt als Begrün­der des por­tu­gie­si­schen Theaters.

white and orange concrete house near body of water

Mysterienspiel: Reise der Seele

Ein Schutz­en­gel und ein Teu­fel wer­ben im Mys­te­ri­en­spiel Rei­se der See­le — Ori­gi­nal­ti­tel Auto da Alma — um eine See­le. Die­se tritt sehr unsi­cher auf. Soll sie ein Leben füh­ren, in dem es ihr an nichts man­gelt? Oder soll sie auf irdi­schen Reich­tum weit­ge­hend ver­zich­ten? Die See­le muss sich ent­schei­den, wel­chen Weg sie gehen will.

ENGEL Mensch­li­che See­le, von Gott aus dem Nichts zu etwas Wert­vol­lem, Unbe­stech­li­chem und Erha­be­nem geformt, zu ehren­vol­ler Voll­kom­men­heit gebracht. Sie wur­de als Pflan­ze in die­ses Tal gesetzt, um himm­lisch duf­ten­de Blu­men her­vor­zu­brin­gen. Sogar am Berg­hang sind die Rosen anmu­ti­ger als anderswo! (…)

SEELE Engel, der du mein Schutz bist. Wache über mei­ne irdi­sche Zer­brech­lich­keit. Gib vor allem acht, dass nichts Gutes in mir ver­brennt. Schüt­ze mich über­all, denn die­ser Kon­flikt bedroht mich stets. (…)

Gil Vicen­te Rei­se der See­le
ISBN: 978–3‑7485–5647‑3

Das Mys­te­ri­en­spiel Die Rei­se der See­le wur­de 1508 in Lis­sa­bon vor Köni­gin Lia­n­or und König Manu­el urauf­ge­führt. Obwohl das Dra­ma Gil Vicen­tes über 500 Jah­re alt ist, wirkt es modern, weil es das Den­ken einer Groß­macht ent­hüllt, die vor der Erobe­rung der hal­ben Welt steht. Gil Vicen­te ver­steht es, wie in all sei­nen Thea­ter­stü­cken, tief in die Gefüh­le einer See­le vor­zu­drin­gen. Ich habe das Dra­ma erst­mals aus dem Por­tu­gie­si­schen ins Deut­sche über­setzt und in den Buch­han­del gebracht.

cozy cafe interior with a pigeon inside

Die Wehklage der Maria Parda — lustig und scharf

Die Weh­kla­ge der Maria Par­da atmet den Geist der Refor­ma­ti­ons­zeit. Das 1522 erschie­ne­ne Thea­ter­stück the­ma­ti­siert das Den­ken der Men­schen jener Zeit. Die­se füh­len sich schul­dig und haben Angst vor der Höl­le. Gil Vicen­te stellt auf revo­lu­tio­nä­re Wei­se ein­fa­che Men­schen von der Stra­ße auf die Büh­ne vor Adel und Bür­ger. Sie spre­chen auch volks­nah. Und das schon 40 Jah­re, bevor Wil­liam Shake­speare auf die Welt kommt, der als der Begrün­der der ein­fa­chen Spra­che auf der Büh­ne gilt. 

Maria klagt, weil sie einer­seits so weni­ge, durch Blu­men­sträu­ße gekenn­zeich­ne­te Türen der Taver­nen in den Stra­ßen Lis­sa­bons sieht. Ande­rer­seits ist der ein so teu­er, ohne den sie nicht leben kann.

Gil Vicen­te Die Weh­kla­ge der Maria Par­da, ISBN:
978–3‑7541–3575‑4

(…)

MARIA PARDA Oh, Stra­ße der Mouraria, wer hat dir gesagt, dass der Durst 

durch das Gesetz Moham­meds mit trau­ri­gem kal­ten Was­ser getö­tet wird? 

Oh, Trin­ker, mei­ne Brü­der, was ehrt uns, Chris­ten zu sein, wenn uns Gott 

den Wein weg­nimmt? Oh, trau­ri­ges, knau­se­ri­ges Jahr, war­um machst du uns zu Heiden?

Ein 1522 ent­stan­de­nes Meis­ter­stück Gil Vicen­tes (1465–1536), des Begrün­ders des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters, das auf heu­ti­gen Büh­nen eine Auf­füh­rung ver­dient. Es ist eine Ant­wort auf die Refor­ma­ti­on. Wen­det sich der Dich­ter gegen den Papst? Lehnt er die Refor­ma­ti­on ab?

Wallfahrt der Leidenden

In Wall­fahrt der Lei­den­den — im Ori­gi­nal Romagem de Aggra­va­dos — lei­den Frau­en und Män­ner unter­schied­li­chen Alters. Sie tre­ten paar­wei­se auf und schil­dern ein­an­der ihre Schick­sa­le. Es geht um Kli­ma­wan­del, unbe­ant­wor­te­te Lie­be, lie­der­li­che Ade­li­ge, Kar­rie­re, Part­ner­wahl und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Fast so wie im heu­ti­gen Leben, ein zeit­lo­ses Thea­ter­stück aus der Renais­sance.

APARICIANES Bru­der Paço? Hei­li­ge Guio­mar! Bru­der Paço, haben Sie Zeit,
die­ses Land­mäd­chen eine Wei­le zu begut­ach­ten? Sie stammt aus der
Ser­ra da Lousã und ist ein Mäd­chen mit sehr gutem Ruf.
Ich brin­ge sie her, damit eine Dame aus ihr wird.
Ich will, dass sie eine Hof­da­me wird.


BRUDER PAÇO Freund, die dazu geeig­ne­te Dame muss reich und schön sein, sehr emp­find­sam, ruhig, höf­lich, anmu­tig, sanftmütig.


APARICIANES All dies hat Giralda.


BRUDER PAÇO Set­zen wir ihr eine Perü­cke auf. Lasst uns sehen, wie ihr das steht.


APARICIANES Gib, gib dem Dämon das fal­sche Haar, das für nie­man­den sonst bestimmt ist.


BRUDER PAÇO Du, Bau­er, willst sagen, dass dies nicht für die Arbeit auf dem Lan­de taugt.  Aber für den höfi­schen Palast ist es enorm wichtig.

Ein typi­sches Werk des berühm­ten Dich­ters Gil Vicen­te: Zeit­los und sprach­lich ein­fach zeigt der Begrün­der des por­tu­gie­si­schen Natio­nal­thea­ters Schick­sa­le hilf­lo­ser Men­schen ver­schie­de­ner Stän­de und Alters­grup­pe. Wenn sie Hil­fe brau­chen, gehen sie auf eine Wall­fahrt. Sie erwar­ten also kei­ne irdi­sche Hil­fe. Wer soll dann ihre Pro­ble­me lösen?

Renaissance-Drama über die Serra da Estrela

Renais­sance-Dra­ma über die Ser­ra da Est­re­la: Ist es Gil Vicen­te, der in der „Schä­fer­li­chen Tra­gi­ko­mö­die der Ser­ra da Est­re­la“ — Ori­gi­nal­ti­tel “Tra­gi­co­me­dia Pas­to­ril da Ser­ra da Est­re­la” — eine Aura hei­li­ger Ber­ge auf­baut? Sein Dra­ma dürf­te das ältes­te aller jemals über das Gebir­ge erschie­ne­nen Wer­ke sein. Es erscheint im Jah­re 1527, gut 35 Jah­re nach der Ent­de­ckung Ame­ri­kas, die mit dem Anbruch der Moder­ne gleich­ge­setzt wird. Por­tu­gal selbst hat mit Spa­ni­en gera­de die Welt in zwei Macht­sphä­ren geteilt. Es besitzt Bra­si­li­en als Kolo­nie und Stütz­punk­te für den Han­del mit Ara­bern im Orient.

(…)

MADANELA Gon­ça­lo, keh­re zu dei­ner Arbeit zurück,
denn all dies ist ver­gäng­lich.

GONÇALO War­um willst du mich nicht hei­ra­ten?
Ich wer­de viel Wei­zen haben,
und du wirst künf­tig frei von
Mühe wie ein Dis­tel­fink leben.


Ich wer­de nicht den Boden hacken
und nicht in der Son­ne arbei­ten
müs­sen. Aber du darfst ruhen,
wäh­rend ich arbei­te.
Willst du, Mada­nela?

(…)

Gil Vicen­te Schä­fer­li­che Tra­gi­ko­mö­die der Ser­ra da Est­re­la, ISBN:
978–3‑7485–7790‑4

Das Dra­ma ist einem neu­en Königs­paar und einer neu­ge­bo­re­nen Prin­zes­sin gewid­met, mit der vie­le Hoff­nun­gen ver­bun­den sind. Die­se drückt das als Mensch in der Tracht einer Schä­fe­rin auf­tre­ten­de Gebir­ge gemein­sam mit den Hir­ten aus. Sie wird als neu­er Stern von Coim­bra betrach­tet, dem die Hir­ten gemein­sam mit der Ser­ra fol­gen sol­len. Sie hul­di­gen den Regen­ten mit dem bes­ten, was das Gebir­ge zu bie­ten hat: mit fei­nem Käse, guter Milch, wei­chen Adler­fe­dern, kost­ba­ren Her­mel­in­fel­le, Meri­no­scha­fen, Läm­mern, Kühen. Und sogar mit Gold. 

Gil Vicen­te, Begrün­der des por­tu­gie­si­schen Thea­ters, befass­te sich mit dem Renais­sance-Dra­ma über die Ser­ra da Est­re­la mit dem Stän­de­pro­blem. Die Men­schen ver­tre­ten schon 1527 Gedan­ken der Auf­klä­rung. Sie spre­chen wie in der Epo­che der Emp­find­sam­keit. Revolutionär!