Höllisches Drama aus der Renaissance

Ein höl­li­sches Dra­ma aus der Renais­sance: Vie­le erwar­tungs­vol­le Men­schen kom­men am Ende des Lebens am Fluss des Grau­ens an. Ein Teu­fel und ein Engel ver­hö­ren sie am Kai. Haben sie gut oder schlecht gehan­delt? Führt ihr wei­te­rer Weg mit dem Engel ins Para­dies? Oder rudern sie mit dem Teu­fel in die Höl­le? So man­chen Ankömm­ling über­ra­schen die Entscheidungen.

utt­Mit Gil Vicen­te hat einer der ganz gro­ßen Dich­ter Por­tu­gals Das Höl­len­schiff — Ori­gi­nal­ti­tel Auto da Bar­ca do Infer­no — im Jah­re 1517 geschrie­ben. Heu­te ist es ein Best­sel­ler und wird auf vie­len Büh­nen auf­ge­führt. Und es ist Prü­fungs­stoff im Abitur an Por­tu­gals Schu­len. Daher bie­tet die­ses wie auch alle ande­ren Thea­ter­stü­cke sich natür­lich auch als Lek­tü­re an deut­schen Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten an. Schü­lern eines Leis­tungs­kur­ses in der Ober­stu­fe bie­tet sich ein ein­ma­li­ger leben­di­ger wie span­nen­der Stoff zur Ana­ly­se. Das gilt aber auch für Stu­den­ten in Semi­na­ren der Roma­nis­tik oder in einem Exzel­lenz­clus­ter wie “Reli­gi­on und Poli­tik”. Kein ande­rer Dra­ma­ti­ker in Euro­pa lie­fert wie Vicen­te mit Thea­ter­stü­cken so wich­ti­ge Bei­trä­ge, wenn es ums Ver­hält­nis zwi­schen Lite­ra­tur einer­seits, Recht, Poli­tik und Reli­gi­on ande­rer­seits in der Umbruch­zeit vom Mit­tel­al­ter zur Neu­zeit geht. Inso­fern wäre ein höl­li­sches Dra­ma aus der Renais­sance auch ein guter Stoff für einen Kinofilm.

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Drama über Portugal im Krieg

Dra­ma über Por­tu­gal im Krieg: Anno domi­ni 1513: Por­tu­gal hat Bra­si­li­en ent­deckt und steht jetzt vor der Erobe­rung Nord­afri­kas. Ein Nekro­mant, also einer, der die Toten erwe­cken kann, zwingt zwei Teu­fel dazu, ihm die Hel­den des klas­si­schen Alter­tums zu brin­gen. Por­tu­gal braucht star­ke Anfüh­rer im Krieg. Doch wie wird die­ser Krieg enden?

(…)

ZEBRON Was ist los, ver­fluch­ter Priester?

NEKROMANT Will­kom­men, mei­ne Brü­der, es heißt zuerst willkommen.

DANOR Was willst du von uns?

NEKROMANT Ihr sollt einen Befehl ausführen.

ZEBRON Bei Satans Altar. Das sollst du bereu­en, arro­gan­ter Schurke.

DANOR Komm’. Ich wer­de ihn am Haar packen und ihm die Ohren kür­zen. Denn die­ser Pries­ter ist ein Dieb.

NEKROMANT Seid gut zu mir, gute Brü­der. Hört auf, Kame­ra­den, Cou­sins, Freunde.

(…)

Gil Vicen­te hat mit “Ermah­nung zum Krie­ge” — Ori­gi­nal­ti­tel Exhorta­çao da Guer­ra — ein auch heu­te noch aktu­el­les Dra­ma geschrie­ben, in dem er Adel und Bür­ger­tum zur Erobe­rung auf­ruft. Aber gleich­zei­tig warnt der Dich­ter vor Über­mut und mahnt zu Zurück­hal­tung. Manch heu­ti­ge Groß­macht darf sich davon ange­spro­chen füh­len. Das Stück wur­de 1513 in Lis­sa­bon vor König Manu­el I. urauf­ge­führt. Auch die­se Über­set­zung eines por­tu­gie­si­schen Klas­si­kers fin­den Sie ab sofort im Buchhandel.

Gil Vicen­te gilt als Begrün­der des por­tu­gie­si­schen Theaters.

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white and orange concrete house near body of water

Mysterienspiel: Reise der Seele

Ein Schutz­en­gel und ein Teu­fel wer­ben im Mys­te­ri­en­spiel Rei­se der See­le — Ori­gi­nal­ti­tel Auto da Alma — um eine See­le. Die­se tritt sehr unsi­cher auf. Soll sie ein Leben füh­ren, in dem es ihr an nichts man­gelt? Oder soll sie auf irdi­schen Reich­tum weit­ge­hend ver­zich­ten? Die See­le muss sich ent­schei­den, wel­chen Weg sie gehen will.

ENGEL Mensch­li­che See­le, von Gott aus dem Nichts zu etwas Wert­vol­lem, Unbe­stech­li­chem und Erha­be­nem geformt, zu ehren­vol­ler Voll­kom­men­heit gebracht. Sie wur­de als Pflan­ze in die­ses Tal gesetzt, um himm­lisch duf­ten­de Blu­men her­vor­zu­brin­gen. Sogar am Berg­hang sind die Rosen anmu­ti­ger als anderswo! (…)

SEELE Engel, der du mein Schutz bist. Wache über mei­ne irdi­sche Zer­brech­lich­keit. Gib vor allem acht, dass nichts Gutes in mir ver­brennt. Schüt­ze mich über­all, denn die­ser Kon­flikt bedroht mich stets. (…)

Gil Vicen­te Rei­se der See­le
ISBN: 978–3‑7485–5647‑3

Das Mys­te­ri­en­spiel Die Rei­se der See­le wur­de 1508 in Lis­sa­bon vor Köni­gin Lia­n­or und König Manu­el urauf­ge­führt. Obwohl das Dra­ma Gil Vicen­tes über 500 Jah­re alt ist, wirkt es modern, weil es das Den­ken einer Groß­macht ent­hüllt, die vor der Erobe­rung der hal­ben Welt steht. Gil Vicen­te ver­steht es, wie in all sei­nen Thea­ter­stü­cken, tief in die Gefüh­le einer See­le vor­zu­drin­gen. Ich habe das Dra­ma erst­mals aus dem Por­tu­gie­si­schen ins Deut­sche über­setzt und in den Buch­han­del gebracht.

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