Mit den eigenen Augen sehen

Nach Lille fahre ich nicht nur der Kunst wegen gerne, sondern auch aus massivem historischen Interesse. Denn in der Umgebung der Kulturhauptstadt 2004 haben sich fürchterliche Kämpfe des Ersten Weltkrieges abgespielt. Was sich dort abgespielt hat, möchte ich mit den eigenen Augen sehen. Verdun ist nicht weit von Lille entfernt. Auch Arras nicht. Viele kennen auch den berühmten Roman Flug nach Arras, von Antoine de Saint-Exupéry. Er war nicht nur Schriftsteller, „Der kleine Prinz“, sondern auch Pilot im Zweiten Weltkrieg.

Englischer-Friedhof
Australischer Soldatenfriedhof VC Corner

Als ich zur Pressereise „Wege der Erinnerung 1914 – 1918“ eingeladen werde, fühle ich mich hin- und hergerissen. Das Programm verspricht nur Beklemmendes, denn es soll drei Tage lang über Soldatenfriedhöfe, durch Museen und zu Schauplätzen des Ersten Weltkrieges gehen. Für Militärgeschichte interessierte ich mich aber während meines Geschichtsstudiums nie. Es gibt Spezialisten, die sich ungewöhnlich gut mit Heeresbewegungen, Waffen, Militärfahrzeugen auskennen und nahezu jedes Datum der Schlachten aufzählen können. Warum auch immer!

Auf Flohmärkten gibt es Bücher über Generäle, Panzerdivisionen und Kriegsschiffe. Nur einmal kaufte ich mir solch ein Werk, weil mir ein mit mir befreundeter Fotograf in der Nähe von Tromsø die Stelle zeigte, an der das Wrack der Tirpitz liegt, Hitlers Lieblingsschiff. Britische Bomber versenkten das Schiff. Es war beklemmend, zum Beispiel Uniformteile in einem Museum zu sehen, die einst deutschen Seeleuten gehört hatten.

Ich kenne auch Gibraltar im Süden Spaniens. Der heutige Affenfelsen nahm einst eine wichtige strategische Stellung zur Kontrolle des Mittelmeeres ein. Bis heute erinnere ich mich gerne an den britischen Kriegsveteranen, der mir erzählte, dass er einst auf Gibraltar als Pilot gearbeitet habe. Deutsche hätten sein Flugzeug abgeschossen. Oder an den Bericht des Kapitäns, der uns Delfine zeigte, und erzählte, wie spannend die Lektüre eines Romans über britische und deutsche Spione rund um den Felsen gewesen sei. Geschichte aus anderen Perspektiven.

Schützengräben-1.jpg
Restaurierter Schützengraben

Die dort gemachten Erfahrungen locken mich wieder nach Nordfrankreich. Ich will das mit eigenen Augen sehen, was ich nur aus den Geschichtsbüchern kenne. Ich will mit Menschen sprechen, die dort leben, solche Besuche nachbereiten, indem ich Literatur darüber lese. Die Reaktion, der Besuch solcher Stätten sei langweilig, kann ich nicht nachvollziehen. Denn solche Stätten hängen oft mit der deutschen Geschichte zusammen.

Fortsetzung folgt.

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Film: LaM in Lille

Hasen

Zwei Hasen schauen einander an. Einer überreicht dem anderen etwas. Erwartungsvoll öffnet dieser die Arme. Die beiden Skulpturen sind die Publikumslieblinge im Museum für moderne Kunst, zeitgenössische Kunst und Art brut in Lille (LaM). Jeder sieht sofort, dass der Künstler im Grunde eine Frau und einen Mann geschaffen hat, die miteinander tanzen. Über den Humor verbinde man zeitgenössische eigentlich nicht, sagt eine der Kuratorinnen. Doch so wolle man die Besucher an aktuelle Themen heranführen.

Abenteuer Museum. Das LaM in Lille“ – der arte-Film vermittelt sehr gut das Besondere dieses Museums. Es stellt die verstaubten Kunstmuseen in Paris in Sachen Kunstvermittlung klar in den Schatten. In Paris werden wertvolle Gemälde bloß zur Schau gestellt. Dabei sind die Einnahmen durch die hohe Zahl der Besucher sicher üppig, um gute Museumsdidaktik aufzubauen. Doch das scheint man nicht für nötig zu halten. Kein Wunder, dass ins Louvre zum Beispiel die Selfie-Kultur vor der Mona Lisa eingezogen ist.

Ebenso arbeitet der Film gut die besondere Lage der Kunsthalle heraus. Es liegt außerhalb Lilles in einem Park. Es sind Jogger zu sehen, die auch dazu eingeladen sind, sich die Bilder und Skulpturen anzuschauen. Lille liegt nahe an Belgien und England, öffnet sich so aus Sicht der Franzosen nach „Nordeuropa“. Das Museum soll zum Alltag der Menschen gehören, Teil eines Netzwerkes sein.

Der sehenswerte Film steht in der Mediathek zur Ansicht bereit. Schnell anschauen, bevor er wieder abgesetzt wird.

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Abenteuer Museum: Das LaM in Lille

In gut vier Wochen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Seit gut zwei Wochen stelle ich daher die Stadt Lille in Nordfrankreich vor. Sie ist Gastgeberin der deutschen Nationalmannschaft.

Als ich heute morgen das Fernsehprogramm nach relevanten Beiträgen durchforstete, dachte ich: Das ist nicht möglich. Vor einigen Tagen bot ich verschiedenen Medien eine große Reportage an über die spannende Art der Nordfranzosen, Kunst darzustellen. Den Kunsthallen ist die Handschrift der Gestalter der Kulturhauptstadt 2004 anzusehen, wogegen die Darbietung von Kunst in Paris geradezu verstaubt daherkommt.

Lille-Théo-Wiesen

Arte stellt ein echtes Schmuckstück unter den Museen Lilles vor: das „Lille Métropole Musée d’art moderne“ (LaM). Das liegt schon daran, dass es in einer von Wiesen und Wald umsäumten Parklandschaft bei Villeneuve-d’Ascq liegt. Es gibt nicht viele französische Museen dieses Typs. Denn die meisten liegen in den Stadtzentren. Die Architektur des Gebäudes ist in Frankreich etwas Neuartiges. Wie ich an der Beschreibung des Beitrags gesehen habe, werden die Autoren auch darauf eingehen.

Arte zeigt am kommenden Sonntag,

15. Mai, 17:35-18:30 Uhr

Abenteuer Museum

Das LaM in Lille

Ich bin gespannt auf den Film.

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Kulturhauptstadt kann auch Fußball

In sechs Wochen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Am 12. Juni ist Lille, Gastgeberin bei der Fußball-EM. Sie spielt an einem Sonntag gegen die Ukraine. Da ich herausfinden will, was die Stadt außer meiner Leidenschaft Fußball zu bieten hat, besuche ich die Stadt in Nordfrankreich. Ist die ehemalige Kulturhauptstadt Lille anders als Umeå, die schwedische Kulturhauptstadt 2014? Oder als Aarhus und Paphos, die Kulturhauptstädte 2017 in Dänemark und auf Zypern? Das interessiert mich brennend.

Da ich mir zuvor Paris angeschaut habe, komme ich mit dem Zug im Bahnhof Lille Flandres an. Es bedrückt mich, dass auf dem Bahnhof bewaffnete Soldaten patrouillieren. Ein von Soldaten begleiteter Polizist kontrolliert gar einen dunkelhäutigen Mann. In Frankreich gilt gerade höchste Terrorwarnstufe.

Angenehm ist hingegen, dass Jugendliche an einem Tisch im Wartebereich sitzen und ihre elektronischen Geräte einstöpseln können, um über das allerdings lahmende WLAN zu chatten oder Musik zu hören. Auf dem Weg zum Hotel stelle ich fest, dass es in Lille einen zweiten Bahnhof gibt. Wäre ich aus Deutschland gekommen, wäre ich in Lille Europe eingetroffen. Ein ganz schöner Luxus für eine mittelgroße Stadt!

Lille-Nord-Hotel-Crown-Plaza

Neben den Bahnhöfen liegt das Novotel Suite Hotel. Mit dem Frühstück bin ich zufrieden, gibt es doch Müsli und nicht nur Croissants. Leider sind die Tische recht klein. Daher ist es nicht einfach, sich zu mehreren auf der Pressereise zusammenzusetzen. Dafür aber sind die Zimmer wirklich Suiten. Bad und WC sind voneinander getrennt. Praktisch, wenn man zu zweit reist. Hingegen sollte man das Fenster nachts nicht öffnen, da vorm Haus LKW und Busse mit laufenden Motoren stehen. Insgesamt ist das Hotel bedenkenlos weiterzuempfehlen. Vom Fenster aus sind geometrisch geformte verglaste Türme zu sehen. In ihnen sind unter anderem Hotels untergebracht. Das Stadtviertel Lille Nord ist vor allem dem Transport und dem Tourismus gewidmet. Hier strömen täglich viele Menschen durch.


Fortsetzung folgt.

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