Renaissance-Drama über die Serra da Estrela: Ist es Gil Vicente, der in der „Schäferlichen Tragikomödie der Serra da Estrela“ — Originaltitel “Tragicomedia Pastoril da Serra da Estrela” — eine Aura heiliger Berge aufbaut? Sein Drama dürfte das älteste aller jemals über das Gebirge erschienenen Werke sein. Es erscheint im Jahre 1527, gut 35 Jahre nach der Entdeckung Amerikas, die mit dem Anbruch der Moderne gleichgesetzt wird. Portugal selbst hat mit Spanien gerade die Welt in zwei Machtsphären geteilt. Es besitzt Brasilien als Kolonie und Stützpunkte für den Handel mit Arabern im Orient.
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MADANELA Gonçalo, kehre zu deiner Arbeit zurück,
denn all dies ist vergänglich.
GONÇALO Warum willst du mich nicht heiraten?
Ich werde viel Weizen haben,
und du wirst künftig frei von
Mühe wie ein Distelfink leben.
Ich werde nicht den Boden hacken
und nicht in der Sonne arbeiten
müssen. Aber du darfst ruhen,
während ich arbeite.
Willst du, Madanela?
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978–3‑7485–7790‑4
Das Drama ist einem neuen Königspaar und einer neugeborenen Prinzessin gewidmet, mit der viele Hoffnungen verbunden sind. Diese drückt das als Mensch in der Tracht einer Schäferin auftretende Gebirge gemeinsam mit den Hirten aus. Sie wird als neuer Stern von Coimbra betrachtet, dem die Hirten gemeinsam mit der Serra folgen sollen. Sie huldigen den Regenten mit dem besten, was das Gebirge zu bieten hat: mit feinem Käse, guter Milch, weichen Adlerfedern, kostbaren Hermelinfelle, Merinoschafen, Lämmern, Kühen. Und sogar mit Gold.
Gil Vicente, Begründer des portugiesischen Theaters, befasste sich mit dem Renaissance-Drama über die Serra da Estrela mit dem Ständeproblem. Die Menschen vertreten schon 1527 Gedanken der Aufklärung. Sie sprechen wie in der Epoche der Empfindsamkeit. Revolutionär!