Übersetzungen

Schmökern Sie in Weltliteratur wie in Gil Vicentes Klassiker „Das Höllenschiff“, der Mitte Juni 2019 auf den deutschen Buchmarkt gelangte. Der Renaissancedichter Vicente ist der Begründer des portugiesischen Theaters. Ich habe fünf seiner Werke ins Deutsche übersetzt. Wenn Sie diese lesen, werden Sie Feuer und Flamme sein!

Gil Vicente
Das Höllenschiff

Ein teuflisches Theaterstück aus Portugal! Viele erwartungsvolle Menschen kommen am Ende des Lebens am Fluss des Grauens an. Ein Teufel und ein Engel verhören sie am Kai. Haben sie gut oder schlecht gehandelt? Führt ihr weiterer Weg mit dem Engel ins Paradies? Oder rudern sie mit dem Teufel in die Hölle? So manchen Ankömmling überraschen die Entscheidungen.

Mit Gil Vicente hat einer der großen Dichter Portugals Das Höllenschiff (Auto da Barca do Inferno) im Jahre 1517 geschrieben. Heute ist es ein Bestseller und wird auf vielen Bühnen aufgeführt. Und es ist Prüfungsstoff im Abitur.





(…)

WUCHERER Oh, wie traurig.
Wer blendete mich?

TEUFEL Schweig’. Da kannst du weinen.

Der Wucherer betritt das Schiff. Dort sagt er zum Adeligen, die Mütze hinwerfend:

WUCHERER Santa Joana de Valdês.
Sind Sie das, Hoheit?

ADELIGER Zum Teufel mit all diesen Titeln.

TEUFEL Höre ich richtig? Sprich höflich!
Du, Adeliger, beachtest du,
dass du in unserem Gasthaus bist?
Ich gehe dir einen Stoß mit einem
Ruder und der Tag wird hart für dich.

(…)

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Ist es Gil Vicente, der in der „Schäferlichen Tragikomödie der Serra da Estrela“ (Tragicomedia Pastoril da Serra da Estrella) eine Aura heiliger Berge aufbaut? Sein Drama dürfte das älteste aller jemals über das Gebirge erschienenen Werke sein. Es erscheint im Jahre 1527, gut 35 Jahre nach der Entdeckung Amerikas, die mit dem Anbruch der Moderne gleichgesetzt wird. Portugal selbst hat mit Spanien gerade die Welt in zwei Machtsphären geteilt, besitzt Brasilien als Kolonie und Stützpunkte für den Handel mit Arabern im Orient

Gil Vicente Schäferliche Tragikomödie der Serra da Estrela

Das Drama ist einem neuen Königspaar und einer neugeborenen Prinzessin gewidmet, mit der viele Hoffnungen verbunden sind. Diese drückt das als Mensch in der Tracht einer Schäferin auftretende Gebirge gemeinsam mit den Hirten aus. Sie wird als neuer Stern von Coimbra betrachtet, dem die Hirten gemeinsam mit der Serra folgen sollen. Sie huldigen den Regenten mit dem besten, was das Gebirge zu bieten hat: mit feinem Käse, guter Milch, weichen Adlerfedern, kostbaren Hermelinfelle, Merinoschafen, Lämmern, Kühen und sogar mit Gold.

Gil Vicente, Begründer des portugiesischen Theaters, verfasste ein Ständedrama. Die Menschen vertreten schon 1527 Gedanken der Aufklärung, sprechen wie in der Epoche der Empfindsamkeit. Revolutionär!







(…)

MADANELA Gonçalo, kehre zu deiner Arbeit zurück,
denn all dies ist vergänglich.

GONçALO Warum willst du mich nicht heiraten?
Ich werde viel Weizen haben,
und du wirst künftig frei von
Mühe wie ein Distelfink leben.
Ich werde nicht den Boden hacken
und nicht in der Sonne arbeiten
müssen. Aber du darfst ruhen,
während ich arbeite.

Willst du, Madanela?

MADANELA Gonçalo, kehre zur Arbeit zurück,
weil ich niemanden in der ganzen Serra da Estrela
heiraten werde, vergeblich wirst du so beharrlich
bleiben und mich necken.
Catalina ist ein sehr gutes Mädchen.
Sie verhält sich fair, obwohl sie
keine Perle ist. Sie wird dich
lieben, kommt aus gutem Hause,
ist empfindsam. Nimm, was dir ge-
boten wird, was du begehrst.

GONçALO Ay, aber bitte bring’ mir nicht bei,
welchen Weg mein Herz gehen soll.

(…)

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Gil Vicente
Ermahnung zum Kriege

Anno domini 1513: Portugal hat Brasilien entdeckt und steht jetzt vor der Eroberung Nordafrikas. Ein Nekromant, also einer, der die Toten erwecken kann, zwingt zwei Teufel dazu, ihm die Helden des klassischen Altertums zu bringen. Portugal braucht starke Anführer im Krieg. Doch wie wird dieser Krieg enden?

Gil Vicente hat mit “Ermahnung zum Kriege” (Exhortaçao da Guerra) ein auch heute noch aktuelles Drama geschrieben, in dem er Adel und Bürgertum zur Eroberung aufruft. Aber gleichzeitig warnt der Dichter vor Übermut und mahnt zu Zurückhaltung. Manch heutige Großmacht darf sich davon angesprochen fühlen. Das Stück wurde 1513 in Lissabon vor König Manuel I. uraufgeführt.

Gil Vicente gilt als Begründer des portugiesischen Theaters.








(…)

ZEBRON Was ist los, verfluchter Priester?

NEKROMANT Willkommen, meine Brüder, es heißt zuerst willkommen.

DANOR Was willst du von uns?

NEKROMANT Ihr sollt einen Befehl ausführen.

ZEBRON Bei Satans Altar. Das sollst du bereuen, arroganter Schurke.

DANOR Komm’. Ich werde ihn am Haar packen und ihm die Ohren kürzen. Denn dieser Priester ist ein Dieb.

NEKROMANT Seid gut zu mir, gute Brüder. Hört auf, Kameraden, Cousins, Freunde.

(…)

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Gil Vicente Reise der Seele


Ein Schutzengel und ein Teufel werben in “Reise der Seele” (Auto da Alma) um eine Seele. Diese tritt sehr unsicher auf. Soll sie ein Leben führen, in dem es ihr an nichts mangelt? Oder soll sie auf irdischen Reichtum weitgehend verzichten? Die Seele muss sich entscheiden, welchen Weg sie gehen will.

Das Mysterienspiel wurde 1508 in Lissabon vor Königin Lianor und König Manuel uraufgeführt. Obwohl das Drama über 500 Jahre alt ist, wirkt es modern, weil es das Denken einer Großmacht enthüllt, die vor der Eroberung der halben Welt steht. Ich habe das Drama erstmals aus dem Portugiesischen ins Deutsche übersetzt.







(…)

TEUFEL Warte!

Das sieht königlich aus! Oh, wie
gut sieht das aus. Gehe jetzt ein
wenig herum. Du brauchst noch
feine Schuhe; ich schenke dir
diese hier. Es ist ein sehr
schönes Paar aus Valença.

Jetzt gleichst du einer schönen
Frau. Verschränke nun deine Arme.
Ja, genauso. Und schreite nun
elegant auf und ab.

Jetzt bist du so schön wie eine
Rose. Dies alles steht dir
wirklich gut. Und nun ruhe dich aus.

ENGEL Was tust du da?

SEELE In den Spiegel der Welt schaue ich.

ENGEL Oh Seele. Du bist verloren,
läufst schon auf deinen Abgrund
zu. Für jeden Schritt, den du
vorwärts gehst, gehst du einen
zurück und einen zur Seite.

Und kaufst begierig die Waren,
die der Pirat bringt, sogar
Satan, den du verherrlichst, weil
du selbst es so wünscht.

(…)

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Gil Vicente
Schwank der Dienstboten


In einer Zeit, in der Portugals Handel aufblüht, lebt ein Adeliger am königlichen Hof auf großem Fuße. Er beschäftigt Angestellte, gibt kostspielige Arbeiten in Auftrag, kann diese aber nicht bezahlen und leistet daher hohle Versprechungen. Allerdings sind seine „Dienstboten“ naiv, denn diese machen trotzdem ihre eigenen Rechnungen auf.

Der „Schwank der Dienstboten“ (Farsa dos Almocreves”) ist eines der reifsten Stücke des großen Dramatikers Gil Vicente. Er wirft ein bezeichnendes Licht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse am portugiesischen Hof um 1526. Steht Portugal vor einer Revolution?








(…)

ADELIGER Also gut, ohne mehr Aufhebens.
Singen Sie bitte einen Einstieg
in die Messe, damit ich Ihre
Stimme beurteilen kann.

KAPLAN Das werde ich frohen Mutes tun.
Aber wer wird mir antworten?

ADELIGER Ich.

KAPLAN Per omnia secula. In Ewigkeit.

ADELIGER Amen.

KAPLAN Dominus vobiscum.
Der Herr sei mit euch.

ADELIGER Singt weiter, Vater.

KAPLAN Sursum corda. Erhebet die Herzen.

ADELIGER Deine Stimme ist so kräftig
wie die eines Elefanten,
nachdem er eine kräftige Suppe
gegessen hat.

(…)

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Kristen Benning: Reise- und Kulturjournalist Fotografie Kalender Reiseführer Reportagen

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