Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Gerade bin ich sehr überrascht worden. Ich fand in einem Skulpturenpark auf einer Halbinsel am Fluss Lérez lauter Steinbänke mit eingravierten Sprüchen – Aphorismen. Zum Beispiel: Emotionale Reaktionen sind genauso wertvoll wie intellektuelle.

Das kenne ich doch?

Wer hat die Idee der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer für den Pilgerort Pontevedra geklaut? Drei ähnliche Bänke stehen auch im Schlosspark der Stadt Münster. Sie thematisieren die Sinnlosigkeit von Kriegen. Zuvor stieß ich schon auf eine hohe Granitstele, die mich an die Spardose in der Nähe des Train-Denkmals an der Promenade erinnerte. Wie die Bänke wurde auch diese anlässlich der Skulptur Projekte in Münster aufgestellt.

Die Stele im galizischen Pontevedra stammt von Ulrich Rückriem, von dem „Dolomit zugeschnitten“ an der Petrikirche steht. Auf dem portugiesischen Jakobsweg finde ich also tatsächlich ein Stück Heimat. Europa wächst also immer mehr zusammen.

Zu beeilen braucht sich jetzt niemand. Die Skulpturen stehen noch länger sowohl in Münster als auch in Pontevedra. Wer mehr über „Münster Stadt der Skulpturen“ erfahren möchte, braucht bloß zu meinem gleichnamigen Buch zu greifen. Dort lade ich Sie zu Stadtrundgängen zwischen 5 und 13 Kilometern ein, um Spannendes über Architektur und Kunst ab der Erbauung des Domes zu erfahren.

Die Bänke in Pontevedra stammen übrigens auch von Jenny Holzer.

Neuer Reiseführer: Münster Stadt der Skulpturen

Münster gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt. Mit Erlangen konkurriert die Stadt um den Titel der deutschen Fahrradhauptstadt. In Rankings landet die Universität immer unter den Top 5 der größten deutschen Hochschulen. in Deutschland, Vor allem die Fächer Medizin, BWL und Jura genießen einen ausgezeichneten Ruf.

Cover Vorderseite Münster Stadt der Skulpturen 1

Aber dass die Stadt eine Kunstmetropole ist, ist den meisten wohl erst aufgefallen, als sie 2010 ins Finale der Kulturhauptstadt Europas gelangte. Warum, erklärt jetzt der Reiseführer „Münster Stadt der Skulpturen“.

Trotz der überwiegend gut ausgebauten Radwege fahren viele Münsteraner mit ihren Leezen an Galerien, Kunsthandlungen sowie Ateliers einfach vorbei. Dabei verfügt die Provinzialhauptstadt über eine Kunstakademie, ein Picasso Museum, ein Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, ein Stadtmuseum und ein Naturkundemuseum. Vielleicht lockt in wenigen Jahren ein Henri-Matisse-Museum die Massen an.

Spannende moderne Architektur

Alle zehn Jahre richtet die Stadt unter Leitung des bekannten Kurators Kasper König das Skulptur Projekt aus. Renommierte Künstler aus aller Welt stellen ihre Werke quer durch die Stadt zur Schau. Dazu nutzen sie auch geschickt bereits vorhandene historische Gebäude und Plätze. Diese haben ihnen der Baumeister Johann Conrad Schlaun und viel später im 19. und 20. Jahrhundert die Architekten Alfred Hensen, Harald Deilmann, Julia Bolles-Wilson und Peter Wilson sowie der Koreaner Duk-Kyu Ryang hinterlassen.

Im gesamten Stadtraum finden sich zudem gut 30 Ankäufe aus dem Skulptur Projekt. Wer die Stadt über den Rand der Radwege hinaus durchstreift und erlebt, entdeckt Hunderte von Skulpturen und Installationen im gesamten Stadtkern. Haben diese die an der Kunstakademie Münster ausgebildeten Künstler geschaffen? Oder sorgen Galeristen und Kunsthändler dafür, um ein reges Kunstleben zu pushen?

Das Stadtgebiet ist vier Zonen gegliedert, in denen sich die meisten Installationen und Skulpturen befinden. Diese sind hauptsächlich in der Innenstadt, auf der die Innenstadt umschlingenden Promenade, auf dem Universitätsgelände sowie rund um den Aasee zu finden. Der Kulturreiseführer „Münster Stadt der Skulpturen“ erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit bei den vorgeschlagenen Touren durch die Stadt. Alle Kunstwerke zu kommentieren, würde den Rahmen sprengen. Vornehmlich sollen die Exponate leicht zu erreichen sein.

Das Augenmerk liegt darauf, inwieweit ungewöhnliche Gebäude, Plätze und Kunstwerke den öffentlichen Raum prägen. Ergeben sich neue Sichtachsen durch neue Gebäude? Entsteht durch nur eine dieser Skulpturen eine neue Sichtweise auf einen Stadtteil, einen Freizeitraum, eine Arbeitsstätte? Schaffen neue Plätze mehr Aufenthaltsqualität, die nicht nur konsumorientierten Interessen dienen, sondern zu Experimentiergeist führen?

Fünf Tourvorschläge sind in „Münster Stadt der Skulpturen“ so geplant, dass man die Attraktionen entlang der Strecke in Ruhe auf sich wirken lassen kann. Das Buch enthält neben zahlreichen Fotos Karten, gpx-Tracks und Adressen. Es ist im Gegensatz zu konventionellen Stadtführern ein unverzichtbarer Begleiter für diejenigen, die hier – selbst als Einheimische – das Fremde erleben, sich auf die Umgebung einlassen wollen.