Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Valen­ça – auch hier bestä­tigt sich die Regel: Beim zwei­ten Besuch sieht vie­les anders aus. Es lohnt sich immer, nach einem Tag Abstand wie­der­zu­kom­men, vor­he­ri­ge Ein­drü­cke über Gesprä­che mit Men­schen oder über Fotos zu vertiefen.

So zieht die Fes­tungs­s­stadt am Rio Min­ho spa­ni­sche Tou­ris­ten magne­tisch an, Ange­bo­te zwi­schen 5 und 30 Euro abzu­klap­pern. Deut­sche ver­ir­ren sich sel­ten her. Es sind vor allem Pil­ger vom Jakobs­weg, die es von Por­to her­auf­ge­schafft haben. Die ers­te Hälf­te auf dem Wan­der­we­ge liegt hin­ter ihnen. Ein Hit für Kin­der sind klei­ne Maschi­nen­pis­to­len; der Kon­sum­krieg zwi­schen den teils schön geka­chel­ten Häu­sern möge beginnen.

Ande­ren ergeht es so wie mir am ers­ten Tag: die gewal­ti­gen Fes­tungs­mau­ern erkun­den, die dem Schutz vor den Kas­ti­li­ern dien­ten, Spei­se­kar­ten stu­die­ren, mit den manch­mal skru­pel­lo­sen Auto­fah­rern in den engen Gas­sen kämp­fen, Kir­chen und Kapel­len auf­su­chen, um danach wie­der zur Ruhe zu kommen.

Beim zwei­ten Besuch nimmt man ver­steck­te Din­ge wahr wie die Skulp­tu­ren Robert Scha­des, dem ich bereits in Cer­vei­ra begeg­ne­te – er ist der Picas­so Portugals.

Dann höre ich auch schon ein­zel­ne Gesprä­che in den Gas­sen her­aus wie das zwi­schen einer Mode­la­den­be­sit­ze­rin und ihrer Arbeits­kraft. Er fühlt sich offen­bar aus­ge­beu­tet. Aggres­si­on liegt in der Luft. Aber ich weiß schon, dass sich das Gesche­hen auf den Stra­ßen ab 19 Uhr erheb­lich beru­higt. Eine schö­ne Aussicht!

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Erinnerungslinde für gefallene Soldaten

In die glei­che Rich­tung weist eine Tafel im nörd­li­chen Teu­to­bur­ger Wald am dor­ti­gen Sol­da­ten­fried­hof im Brum­ley­tal. Vier Wochen vor Kriegs­en­de fin­det hier am 3. April 1945 ein Kampf zwi­schen eng­li­schen und deut­schen Sol­da­ten statt, von denen 114 Bri­ten und 43 Deut­sche fie­len. „Nie sollst du ver­ges­sen, wie teuf­lisch ver­mes­sen ein Krieg immer ist.“ Die­sen Satz hat Johan­nes Oech­te­ring ver­fasst, Hei­mat­for­scher aus Rie­sen­beck. Es ist wohl die ein­zi­ge Inschrift auf einer Tafel im Müns­ter­land, in der der Krieg ver­ur­teilt wird. 

In Worm­bach nahe Schmal­len­berg im Sauer­land ist der Ver­such einer Sinn­ge­bung des Sol­da­ten­to­des völ­lig auf­ge­ge­ben. Auf dem an der alten Kir­che St. Peter und Paul lie­gen­den Fried­hof gewan­nen die wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges gepflanz­ten Lin­den eine beson­de­re Bedeutung.

Denn Pfar­rer August Rüsing ord­ne­te schon vor Aus­bruch des Zwei­ten Welt­kriegs jeder Fami­lie des Ortes eine Lin­de zu. Den jun­gen Män­ner ver­sprach er: „Soll­tet Ihr im Krieg in frem­den Lan­den fal­len, so wird ein Kreuz mit eurem Namen zur Erin­ne­rung an eure Lin­de gehängt.“ Bis heu­te hän­gen 36 Kreu­ze an den Lin­den des Worm­ba­cher Kirch­hofs. Kein Gedenk­stein, kein Sinn­ge­bungs­ver­such. Die Spra­che verstummt.

Zurück nach Nord­frank­reich: Auf dem Fried­hof Not­re-Dame-de-Loret­te bei Ablaint-Saint-Nazai­re im Raum Lil­le müs­sen heu­te frei­wil­li­ge „Vete­ra­nen“ die Grä­ber von Gefal­le­nen des Ers­ten Welt­kriegs bewa­chen. Denn es haben bereits Grab­schän­dun­gen statt­ge­fun­den. Es gibt hier ein mus­li­mi­sches Grä­ber­feld mit 576 Grä­bern. Die Sol­da­ten aus den fran­zö­si­schen Kolo­nien, oft aus Marok­ko geholt, sind nach mus­li­mi­schem Ritus bestat­tet. Dabei erwar­tet man, Toten­ru­he gel­te reli­gi­ons­über­grei­fend. Das Tor zu die­sem Fried­hof wird abends geschlossen.

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