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PORTUGAL

Hohe Wacht am Rio Mondego

Guarda, höchste Stadt Portugals, durchstreifen und erleben

Guarda, Partnerstadt Siegburgs bei Bonn, birgt viele Schätze. Es lohnt sich, das Rad stehen zu lassen, die Hauptstadt des Hochgebirges zwei Tage zu durchstreifen, um den „Sonnenmann“, die festungsartige Kathedrale und das Judenviertel des alten Luftkurortes zu erleben.

Es gibt nur steile Wege in Guardas Zentrum. Gleichgültig, von welcher Seite der Reisende kommt, es geht immer bergauf. Wer von Belmonte übers Vale do Mondego kommt, wird stark gefordert. Aber es lohnt sich, zwei bis drei Tage zu verweilen und sich dabei auch körperlich zu erholen!

Denn Guarda ist mit 1056 Metern die am höchsten gelegene Stadt Portugals. Die nächst höher gelegenen Städte liegen zwischen 450 und 700 Metern. Aber warum baut man eine Stadt für heute gerade einmal 43.000 Einwohner in dieser Lage? Guarda war immer schon regionales Zentrum. 1139 durch König Sancho I. gegründet, erfüllte sie die Funktion eines Bischofssitzes. Guarda bedeutet Wacht. Sie ist zum Schutze des Umlandes angelegt. Es ist leicht zu verteidigen, ob sich Feinde nähern. Sancho diente sie als Grenzverteidigunganlage gegen expansiv denkende kastilisch-leonesische Adelige. Zugleich sollten die Bewohner ins Innere des Gebirges führende Straße überwachen. Schon seit der Steinzeit ist die Region besiedelt; sie ist also keineswegs siedlungsleer. Bevorzugt siedelte man hier schon in der Frühzeit auf den Hochebenen, in ausgeschnittenen fruchtbaren Tälern, oder auch bevorzugt an Flüssen wie dem Mondego oder dem Côa. Wer die Praça Luís de Camões an der Kathedrale erreicht hat, darf auf diesem Hauptplatz in einem der Cafés zuerst einmal durchatmen oder sich an dem Anblick der schönen alten Häuser mit den Arkaden erfreuen. Einst war dieser Platz ein Marktplatz. Er liegt am Rande der zum Teil noch von Stadtmauern umgebenen attraktiven Altstadt.

Dort findet der Besucher auch das Touristenbüro. Wer nach der Chefin fragt, wird zur Projektmanagerin Carla Basilio gewiesen werden. Dem Besucher erklärt die kleine zierliche Frau mit den grünen Augen zuerst die Grundzüge des berühmtesten Baus der Stadt, die Kathedrale, die dem Radler aus einem Film im CISE in Seia schon bekannt ist; völlig überrascht ist er, dass das Hochgebirge solch eine Perle beherbergt. Auch von der Nachbarstadt Belmonte erzählt sie und deren jüdischem Erbe. Doch es bleibt nicht nur beim Vortrag. Sie ist auch sofort bereit, durch ihre Geburtsstadt zu führen. Sie ist nicht nur auf Guarda spezialisiert, sondern sie verantwortet den inneren Tourismus der weit bis Aveiro und Castelo Branco reichenden Inneren Beira. Bonn kenne sie, erzählt sie und lächelt. Während eines Schüleraustausches habe sie einige Zeit in Guardas Partnerstadt Siegburg verbracht.

Sie führt zunächst über den durch Anlage von Beeten mit Blumen aufgelockerten Platz zur Kathedrale, auf Portugiesisch Sé. Links der Kirche erhebt sich eine Bronzestatue Dom Sanchos. Auf einem weißen Granitquader steht 2. König von Portugal, 1185 – 1211. Unter seinem langen Gewand lugt die rechte Schuhspitze hervor. An Stelle eines Fußes sticht links die Spitze eines langen Schwertes in den Block, dessen Knauf er mit der linken Hand umfasst.

(…)

Auffallend unter den Bewohnern im ganzen Viertel ist hier ein bei offener Tür arbeitender Schreiner. Im Eingangsbereich steht eine ans Kreuz genagelte Christusfigur. Unter großem Kreischen glättet er in seiner Werkstatt eine runde Holzscheibe mit einem elektrischen Hobel. Über der Werkbank hängt ein Kreuz unter einer Aluleiter. An einem anderen Tag wabert hier starker Klebstoffgeruch durch die Gasse. Diesmal steht er mit einer Maske auf dem Gesicht vor seiner Arbeitsplatte. Er fügt etwas zusammen. Ein Bild, das heutzutage nicht mehr oft zu sehen ist, allenfalls vielleicht verbreitet in Sorent am Golf von Neapel oder in Graz in der Steiermark, wo das Prinzip der offenen Werkstatt noch propagiert wird. Dieser Tischler bildet in Guarda eine Ausnahme.

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PORTUGAL

„Auch im Paradies muss man hart arbeiten“

Vom Schreibtisch auf den Olivenhain

Im November, wenn die meisten Touristen Portugal verlassen haben, lässt sich im Hochgebirge bis Mitte Dezember das Schauspiel der Olivenernte beobachten. Es ist fremd, denn fast niemand weiß, wie diese Früchte vom Baum geholt werden. Schreibtischtäter aus aller Welt packen als Erntehelfer in einem einsamen Tal der Serra da Estrela mit an.

(…) Jesse füllt zwei Heineken-Gläser mit Wasser. Von hier unten ist die starke Bewaldung der beiden das Tal einschließenden Höhenzüge zu sehen. Oben weht ein frischer Wind, zu erkennen. Das zeigen die langsam rotierenden Windräder, die elektrische Energie produzieren. Ruhig und sachlich beantwortet er alle aufkommenden Fragen. Er macht aber auch gleich deutlich, dass er kein Landwirtschaftsexperte ist. Er kenne sich weder mit Schafen noch mit den Besonderheiten von Obstbäumen aus. Daher könne er nicht einmal sagen, welche Olivensorten er bewirtschafte.

Seinen biologisch-dynamisch arbeitenden Hof mit 20 Hektar Grund und Boden habe seine 25jährige Freundin vor zwei Jahren von ihren Eltern gepachtet, erzählt er. Wenn er Rat brauche, hole er sich den von seinem Schwiegervater in spe. Schließlich habe dieser eine Landwirtschaftsschule in den Niederlanden besucht. Mangels Erfahrung und Zeit hätten sie die Käseherstellung jedoch aufgegeben. Zwar habe es hier schon immer Schafe gegeben, doch gerade die Erzeugung des Queijo da Serra da Estrela sei kompliziert. Heute hielten die Schafe die Grasnarbe kurz. Zugleich erzeugten sie Dünger als Biomasse für die karge Erde des Hofes.

Eine energische Stimme unterbricht das Gespräch. Erntehelfer im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren sind in der Zwischenzeit herangeströmt. Die meisten tragen T-Shirts. Einige von ihnen legen sich wie die Hunde auf den trockenen Boden in die Sonne und schließen die Augen. Andere füllen sich die Teller an einem Buffet, essen angestrengt oder telefonieren in einen Aufenthaltsraum. Jesse lädt nicht zum Essen ein. Der energisch sprechende Mann schickt Chef und Gesprächspartner weg. Während sie essen, ergibt sich kurz die Möglichkeit, den Kopf in eine der Unterkünfte zu stecken. Es riecht streng. Betten sind nicht gemacht, Schlafsäcke nicht aufgerollt.

Als Jesse wieder zur Arbeit aufruft, jubelt keiner. Gemeinsam geht es zu einem Olivenhain, wo das Gespräch mit Jesse wieder aufgenommen wird. Er beschreibt mit den Armen einen weiten Kreis. Im Mondegotal gebe viele kleine Dörfer zum Beispiel Vila Suarez, das nur 20 Einwohner zähle. Einst habe es dort immerhin einen eigenen Bürgermeister gegeben. Doch die meisten Dörfer hätten so viele Einwohner verloren, dass ein Bürgermeister mittlerweile für drei verantwortlich sei. Der Boden, also der ph-Wert, sei sauer, denn unter der dünnen Krume liege Granit. Dort lasse sich keine intensive Landwirtschaft betreiben. „Wir selbst gleichen das daher mit viel Biomasse aus.“ Schafkot und überreife Oliven seien ein guter Dünger. Durch die umliegenden Berge gebe es im Tal ein besonderes Mikroklima. Selbst wenn es ringsum regne, müsse es hier nicht regnen. Die Berge fingen die Regenwolken oft ab. So gebe hier viele Sonnenstunden. Der Wind wehe hier zwar stark, aber das sei kein Nachteil. Er müsse nur Orangen- und junge Olivenbäume vor ihm schützen. Höhenlagen seien des morgens auftretenden starken Taus und der trockenen Nachmittage wegen klimatisch begünstigt. (…)

(…)

Alle Produkte würden ins Ausland exportiert. Dies sei lukrativer, sagt Jesse. Für ein Kilo Kirschen erhalte er in Portugal 80 Cent, von einem Kunden in den Niederlanden dagegen zwei Euro. Daher habe er im vergangenen Jahr den Bestand um 80 Kirschbäume erweitert. Alles biologisch-dynamisch: Erkrankte Bäume würden entfernt oder zumindest teilweise beschnitten. Aber viel Arbeit sei nicht nötig, denn nicht einmal die gefürchtete Weiße Fliege komme hier vor, da deren natürliche Feinde die Trockenheit, die Vögel und Raubinsekten seien. Der eigentliche Winter sei recht kalt.

Außer diesen Einnahmen habe er eine neue gewinnbringende Quelle entdeckt. (…)

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PORTUGAL

Schafwolle in den Genen

Im Sterngebirge erwacht die alte Textilhauptstadt Covilhã wieder

Die Stadt Covilhã ist Zentrum der portugiesischen Wollproduktion. Sie gilt schon lange als das portugiesische Manchester. So nimmt sie einen herausragenden Platz in der Wirtschaft des Landes ein. Im Atelier „New Hand Lab“ erweckt eine Reihe Kreativer das Textilgewerbe zu neuem Leben.

(…) Unter der Brücke steht eine Textilfabrik aus dem 19. Jahrhundert an der Rua Mateus Fernandes. Spulen mit Garn, Werkzeug, Tausende von Behältern mit Farben, Wolle in Regalen, an der Wand, auf Arbeitstischen und auf dem Boden. Die Fabrik sieht in Teilen noch so aus wie am letzten Tag vor ihrem Konkurs im Jahre 2002, nicht zuletzt zeigen dies zurückgelassene Webstühle. Manche Maschinen in der Fabrik sind noch voll funktionsfähig. Francisco Afonso führt persönlich an einem der Webstühle vor, dass die Weberschiffchen immer noch durch die gespannten Fäden flitzen. „Immer wieder stand ich mitten in der Nacht auf und webte hier“, erzählt Afonso. „Ich versuchte, meine Kindheit zurückzuholen.“ Der leger mit gestreiftem Hemd, Pullover und Jeans bekleidete Mann erzählt, dass sein Vater Julio da Silva Afonso 1976 von „Men‘s Fashion Writers International“ mit „The Brilliant Pen“ einen renommierten Preis für seine Kollektionen erhalten habe. An die 200 Mitarbeiter habe er in Spitzenzeiten beschäftigt. „Mein Vater war wissbegierig und offen.“ Und er setzte auf das richtige Produkt mit englischem Tweed, der damals der Renner gewesen sei. Schon Großvater António Estrela habe die Basis dafür gelegt. Auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 habe er einen Preis für die beste Wolle erhalten. Wollproduktion und -verarbeitung waren zu dieser Zeit der wichtigste Faktor der portugiesischen Industrie.

Als bestes portugiesisches Wollschaf gilt noch heute die Rasse Churra Mondegueira. Nach Informationen der Associação Nacional de Criadores de Ovinos da Serra da Estrela ist es mittelgroß. Das feine fettige Fell ist weiß. Die Haarsträhnen laufen spitz aus. Während das weibliche Schaf 40 bis 50 Kilogramm wiegt, erreicht das männliche 50 bis 80. Die Brustpartie ist relativ gestreckt, der Bauch haarlos. Im Bereich der großen Augen, der horizontal angelegten Ohren sowie der feinen, aber kräftigen Beine kann es mitunter pigmentiert sein. Sein unbehaarter, gerade geformter und bartloser, Kopf ist mittelgroß. Das Maul ist groß, die Lippen sind ausgeprägt.

Heidi befindet sich noch immer im Entscheidungsprozess. Jetzt probiert sie auch einen feldgrauen, aber wesentlich strenger geschnittenen, Mantel an. Denn die Gestaltung des Kragens, der Knopfleiste, der Schnitt der Kleidung, scheint an einer Militäruniform orientiert zu sein. Doch hier bleiben die Komplimente aus. (…)



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PORTUGAL

Die Schafe sind die Bosse auf der Weide“

Radeln im Käseland der „heiligen“ Serra da Estrela

Auszug aus einer Reportage

(…) Das erst 2013 als Skihotel errichtete Haus duftet angenehm nach frisch geschlagenem Nadelholz. Wie ist das möglich? DieWände bestehen aus skandinavischem Kiefernholz. Im Eingangsbereich hängen Skier an der Wand. Viele dieser Wintersportgeräte sind übers Gebäude verteilt. Das Mountainbike landet erst einmal in der Garage des fahrradfreundlichen Hotels, in dem sogar Ersatzteile wie Seilzüge und Bremsklötze ausliegen. Ein Zimmermädchen klopft später an der Tür, bringt Teelichter zur stimmungsvollen Beleuchtung. Die höchste Zimmernummer ist die 14. Sie garantiert einen ruhigen Aufenthalt. Massentourismus gibt es hier nicht.

Am nächsten Morgen ist es sonnig. Vor dem Zimmer erstreckt sich eine Terrasse mit Liegestühlen. Jetzt sieht die Bergwelt längst nicht mehr so unbezwingbar aus. Die Straße, auf der es übermorgen losgehen soll, schlängelt sich einigeMeter entfernt vorbei. Doch heute steht eine Fußwanderung auf einem Schäferpfad durch die von der Eiszeit geprägte Landschaft an. Zunächst jedoch führt der Weg ins Restaurant, in dem es ruhig und entspannt zugeht. Das Buffet ist reichhaltig. Nichts wird hier abgezählt. Jeder Gast kann milde oder herb schmeckende Käsesorten durchprobieren. Ein würzig duftender Schafskäse fällt auf: der Queijo da Serra da Estrela. Seine Rinde ist so hart, dass sie in sich eine weiche cremige Masse bewahren kann. Der Deckel des Käses wird abgeschnitten. Mit einem Löffel wird die leicht bittere Masse heraus gehoben, um sie aufs Brot zu streichen. Auf der Packung steht: Fettgehalt von 45 bis 60, Feuchtigkeitsgehalt von 61 bis 69 Prozent. Diesen Käse bezeichnen die Bewohner der Gegend als Visitenkarte ihrer Region. Er ist schon seit mehr als 2.000 Jahren bekannt. Lucius Columella, ein Offizier des römischen Heeres in der besetzten Provinz Hispania, beschrieb damals, wie er hergestellt wurde. Auch der berühmte Dichter Gil Vicente widmet sich dem Käse in seiner im 16. Jahrhundert verfassten Tragikomödie „Pastoril da Serra da Estrela“. Ein Kilo des Käses dieser Landschaft ist im Fachhandel 30 bis 40 Euro wert. Aldi oder Lidl verkaufen ihn nicht. Dort gibt es nur eine milde Variante einer Käserei aus Seia. Aufpassen sollte man allerdings vor nicht zertifiziertem minderwertigem „Queijo da Serra da Estrela“, derimmer häufiger mit Kuhmilch verschnitten und unkundigen Touristen am Straßenrand und in Verkaufsständen angeboten wird.

Im empfehlenswerten Werk „Portugal O Sabor da Terra“ verweisen dieAutoren Mattoso, Daveau und Belo auf die Bedeutung des Begriffes „Serra“, der den Produkten und Traditionen der Gegend beigefügt ist. Der Wein des Dão zum Beispiel trage auch den Namen „Encostada Estrela“ (Hang der Estrela); dies sei das Vermächtnis des Viriatus, des Arminius der Portugiesen im Kampf gegen die Römer. Das habe etwas damit zu tun, dass man das Hochgebirge als Ort ansehe, wo sich reiner kaum Charakter und Tugenden des portugiesischen Volkes erhalten hätten. (…)



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FRANKREICH

Radweg der Delikatessen

Auf der „Vélodyssée“ an der französischen Atlantikküste

Auszug aus einer Reportage

(…) Die schönste deutschsprachige Beschreibung der Landschaft liefert Friedrich Sieburg, ein bedeutender Zeit- und Literaturkritiker, in seinem Werk über die Vendéeaufstände zwischen 1793 und 1796: „Die Vendée – das ist der Himmel, der aus dem Meer steigt, einen unermüdlichen Bogen über Marsch, Heide und Wälder spannt, um erst auf den Hügeln von Anjou auszuruhen. Wo der Ozean die geschwungenen Küsten berennt, da beginnt auch der Wind, der sich schwer über die salzigen Wiesen legt, die niedrigen weißen Dörfer zusammendrängt, die kahlen Gewässer kräuselt, die von der Flut her stehen bleiben, und dann mit heiterem Erstaunen in Apfelbäumen verweilt, in großenEichen zögert, in alten Parken stillhält.“

An der Furt folgenden Möwen Muschelsammler. Jetzt ist es ungefährlich, fürs Abendessen zu sorgen, denn während der Ebbe wird dieser Küstenabschnitt durch die vorgelagerte Insel zu einer Lagune. Manche tragen Eimer, andere Drahtkörbe zum Aufbewahren der Beute. Mit einer achtzähnigen Harke bückt sich ein Mann, reißt den Boden auf, schiebt Steine zur Seite, an denen Muscheln sitzen. Dies wirkt wie Raubbau an der Natur. Ein die Natur schonendes Gerät scheint es nicht zu geben. Ende September wirkt die Suche bei 20 Grad warmem Wasser archaisch, denn die Menschen haben schon in der Steinzeit oft von Muscheln gelebt. Die Zahl der Sammler wächst minütlich. Jetzt sind 70 bis 100 Menschen zu sehen. Knietief stehen sie im Wasser, graben mit Messern und Händen. Ist nicht zu befürchten, dass die Muscheln durch intensives Sammeln ausgerottet werden? Sollte man nicht Vorbildern wie Norwegen folgen, wo geregelt ist, wie viel Kilogramm Fisch Hobbyangler über die Grenze ausführen dürfen? Bis heute meint man in Frankreich, dass das Sammeln für den Eigenbedarf unbedenklich sei. Dies bestätigt Dr. Gerd Meurs, Experte im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum in Tönning, im Gespräch. Am Atlantik seien keine Menschenmassen zu verzeichnen. Daher sei es unbedenklich, Muscheln zu sammeln. Um 11.39 Uhr ist die Furt komplett befahrbar. Der Verkehr rollt und von der Insel nähert sich ein Radfahrer.

„Schöne Insel Noirmoutier“ schwelgt Friedrich Sieburg. „Ihre roten Felsen tauchte sie in den unermüdlichen Ozean, ihre kleinen Wälder verschlingen sich zu einem rätselvollen Dickicht, in dessen warmer Dunkelheit Sommers saftige Farne zittern und rote Beeren wachsen. Klippen und Wald beschützen die kleine Stadt gegen den großen Weststurm.“ Da Seeluft hungrig macht, führt der Weg erst zum Restaurant „Le Transat“ auf Noirmoutier. Die Muscheln werden gekocht in einem großen Topf gereicht. Dazu gibt es in kleine weißeBohnen mit längs geschnittenen Speckstreifen. Weiße Bohnen sind typisch für die Vendée. Das Nationalgericht heißt Mogette mit Bohnen und einer Scheibe Schinken auf Toastbrot.

Im Ortszentrum verleiht ein Radgeschäft gute Räder. Allerdings istauf einer so flachen Insel kein harter Test nötig. Fährt man an derhübschen Kirche vorbei, stößt man nach einer Weile auf einen Meerwasser führenden Kanal, der bei Ebbe eher langweilig ist. DieBoote liegen auf Schlick. Am Kanal entlang führt eine mehrere Kilometer lange, auf Salzgärten zuführende, Promenade, die im Abendlicht zum Fotografieren reizvoller sind. Hier halten Tiere das Gras vom Kanal fern. Sogar ein Seidenreiher hält auf einem Damm Ausschau nach Nahrung. Pittoresk wirken der Kirchturm und ein hübsches weißes Schloss mit zwei Türmen. Diese mittelalterlicheBurg aus dem 13. Jahrhundert hatte bis ins 19. Jahrhundert eine militärische Funktion. Von dort aus konnten Franzosen, Engländer und Deutsche den Hafen, das Meer, aber auch das Festland überwachen. Heute ist es hübsch, da es militärisch keine Rolle spielt. Zur Zeit der Aufstände, in der Sieburgs Roman spielt, nahm man das Schloss als mächtig wahr, „ein vierkantiger Bau aus silbergrauen Steinen, dessen vier Ecken von runden Türmen mit spitzen Dächern und schmalen Schießscharten eingefasst sind“.

(…)



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PORTUGAL

Gletscher und heiße Quellen

Mit dem Rad durch die Serra da Estrela

Auszug aus der Reportage

(…) Fünf Altäre stehen in der Kapelle mitsamt Gemälden, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen: den Stall zu Bethlehem, Abendmahl, Gefangennahme, Pilatus, Kreuzweg, Kreuzigung, das Grab und die Auferstehung.

Hinter der Kapelle führt der Weg hinauf in einen Bergwald. Oben fällen Forstarbeiter an einem Abhang Bäume und entasten sie. Wenige Meter weiter steht ein Sattelschlepper in einer Parkbucht. Aufgeladen hat er gewaltige Pinienstämme, wobei es sich wahrscheinlich um PinusPinea handelt, da diese nicht nur natürlich in diesem Raum lebt,sondern auch in der Vergangenheit massiv angebaut wurde. Hier also wächst wieder Wald, für dessen Niedergang menschliche Wirtschaft in jüngerer Zeit durch die Gründung von Textilmanufakturen in der nahen Stadt Covilhã und entsprechend hohem Bedarf an Brennholz und Frischwasser gesorgt hat. Die Arbeiter grüßen freundlich. Harte Arbeit an einem Freitagabend! Machen sie keinen frühen Feierabend? Portugal ist eben doch anders als Spanien, was schon Fahrer Nuno Adriano bei der Anfahrt nach Penhas Douradas erzählte. Portugiesen arbeiteten viel und könnten so nur wenig Zeit mit der Familie verbringen. Er selbst sei Wanderführer in der Serra da Estrela; so komme er oft erst spätabends von den Touren nach Hause.

In früheren Zeiten bis ins 19. Jahrhundert existierten hier dank der Bewaldung die Menschen der Dörfer von Schafzucht auf grünen Hängen. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts stellten jedoch Teilnehmer einer wissenschaftlichen Exkursion fest, dass das Vieh die Gebirgshänge über Jahrhunderte abgeweidet hatte und dass der Wald großenteils gerodet worden war. Diese verhängnisvolle Entwicklung konnten die Wissenschaftler durch Pollenanalyse in den unterschiedlichen Torfschichten der Moore nachweisen. Daher begann man im 20. Jahrhundert das Gebirge wieder aufzuforsten durch Wiederbesiedlung der Höhen durch Wald. Man pflanzte jedoch überwiegend Pinien, wobei aus „O Sabor da Terra nicht eindeutig der Typ hervorgeht. Wahrscheinlich handelt es sich um Pinus pinaster, die Seekiefer, deren Holz von der Industrie geschätzt wird.

Trotz dieser traurigen Bilanz hat das sich traditionelle Leben der Beirões in der Serra erhalten, da überall Menschen zurückgeblieben sind und sich miteinander in Beziehung gesetzt haben, betonen die Autoren von „Portugal O Sabor da Terra“. Die Wege seien schlecht gewesen, der Zugang zu den Dörfern galt als schwierig. Aber die noch bewohnten Orte hätten sich nicht abgeriegelt. Um die Härte des Lebens insbesondere im Winter zu kompensieren, sei das Volk in die Ebenen gegangen, weil es Feldfrüchte und handwerkliche Produkte verkaufen wollte. Vor allem sei das Vieh in den niederen Zonen in dieWinterquartiere bis in die Ebenen gebracht worden. (…)


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DÄNEMARK

Knurriger Kapitän auf Robbensafari

Auf Tour mit Arved Fuchs‘ Freund Niels Bach

Auszug aus der Reportage

(…)

Hinter dem Fjord von Stauns auf Samsø liegt eine besondere kleine Insel: Kyholm hatte einst fast soviel Bedeutung in Dänemarks Historie wie der Felsen von Gibraltar für Spanien und England. Dies erzählt Niels Bach, Kapitän des Fischkutters M/S Tunø auf einer Robben- und Seehundsafari. Es lohnt sich also, ihn am Hafenkai von Langøre anzusprechen, vor allem auf dieser Insel, weil auf Samsø viele eine Geschichte zu erzählen haben. Heute ist Bach brummig gestimmt. Er meint: „Wir haben bestimmt kein Vergnügen, bei dem Seegang herauszufahren. An fehlender Stabilität liegt es bestimmt nicht, denn mein Boot hat schon viel ärgere Stürme ausgehalten.“ Seit drei Tagen weht ein starker Wind über die Insel. Die meisten Touristen schauen enttäuscht drein. Auch der Reisende ist geknickt, da er vielleicht nun unverrichteter Ding zurück in den Hauptort Samsøs, Tranebjerg, zurück radeln muss. Die große Insel liegt zwischen der jütländischen Ostküste, der seeländischen Westküste und der fünischen Nordküste auf der Höhe einer Linie zwischen Hav und Kalundborg. Von diesen beiden Orten gehen auch die Fähren ab.

Niels Bach verhält sich als Kapitän jedoch nur verantwortungsbewusst. Dies unterstreicht er mit einem akkurat gestutzten weißen Bart. Dieser verleiht ihm Maskulinität und somit Autorität auf seinem als Ausflugsboot dienenden Fischkutter. Seine Gummihose hält er mit Hosenträgern. Auf einem Schiff gilt immer Sicherheit vor Wagemut, auch wenn er weniger dadurch einnimmt. Bach kann auch knurrig sein, was er allerdings durch einen gewissen Witz und offen gezeigte Rührung ausgleichen kann. Versteckt er sich vielleicht nur hinter dem Bart? Antworten hierauf gibt es auf dem Ausflug mit seinem M / S Tunø und in seinem wunderbaren Buch „Die Geschichte der Haikutter am Beispiel der Dagmar Aaen“. Bach schrieb es 1992 als engagiertes kritisches Buch über die moderne dänische Fischerei, nachdem er vier Jahre zuvor die Dagmar Aaen an Arved Fuchs verkauft hatte. Es eignet sich auch gut für Laien, da Bach das Leben der Fischer und Seeleute sehr anschaulich zeichnet. Anhand von Reedern wie Mouritz Aaen, Kapitänen wie Johannes Hak und seiner eigenen Person als Eigner erläutert Bach Bauweisen, Fangmethoden und Herausforderungen für Kapitäne und Mannschaft.

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DÄNEMARK

„Gefragt – Gelacht“ im größten Irrgarten der Welt

Auf der Kattegatinsel Samsø lösen Touristen Rätsel

Auszug aus der Reportage

(…)

Zwischen abgesägten Birken steht von Bäumen beschattet der Gott Thor mit grimmiger Miene und streckt einen Hammer in die Luft. Seinen länglichen, spitz auslaufenden Kopf schützt ein Helm. Am Kinn wuchert ein langer Bart. An seinem Körper trägt er ein gegürtetes Gewand. Es ist eine in einen Stamm gesägte Holzfigur, wofür der Künstler Henrik Wessel Fyhn gesorgt hat. Seitlich von ihm schießen junge grüne Bäume in die Höhe. „Wir haben hier nicht nur diesen Gott, sondern auch andere Figuren aus der nordischen Mythologie“, erklärt Karen.. „Die Sagen sind unser Hauptthema. Sie bieten sich gut in einem Labyrinth an, denn sie enthalten viele Symbole.“

Es geht weiter auf dem Forstweg durchs Labyrinth, während sie erzählt, dass sie im Winter 5000 Bäume geschlagen hätten. Dafür seien entlang des Weges 10000 neue Bäume gepflanzt worden. „Hier stehen also jetzt viele junge Bäume. Wir wollen, dass sie wachsen und wachsen und wachsen.“ Als sie das erzählt, muss der Reisende tief Atem holen. „Haaach.“ Er sieht ein katzenartiges Geschöpf durchs Dickicht laufen. Sein Schweif fegt über den Waldboden. Es steht dann still, halb im schattigen Unterholz, halb in der Sonne. „Da ist ein Tier“, ruft er aus. Es schaut auch noch herüber. „Ja, manchmal gibt es hier eines“, sagt Karen. „Ich dachte zuerst, es wäre echt.“ Karen und Erik lachen erfreut. „Jaaa!“ Es ist ein aus einer Holzplatte gesägter Fuchs. Der Reisende erzählt ihnen von seinem Erlebnis in den Wäldern von Västerbotten, als er eine Künstlerin in ihrem Atelier in der freien Natur besuchen wollte. Es war schon Abend. Daher wurde es schon leicht schattig unter den Bäumen, unter denen sich der Forstweg entlang schlängelte. Wie immer schaute er nicht nur gerade aus, sondern hier mal nach links und nach rechts, um hauptsächlich Tiere zu entdecken. Mit Radfahrern sind die Tiere des Nordens nicht so vertraut und so sind sie viel leichter zu sehen als vom Auto. Felsen oder umgestürzte große Bäume täuschen öfter wilde Tiere vor. Plötzlich erscheint die Silhouette eines Bären im Wald zu sehen. Das Herz schlägt höher. „Was mache ich jetzt bloß?“ Einfach weiterfahren und hoffen. Noch einmal ein Blick über die Schulter. Der Bär steht immer noch dort. Er bewegt sich nicht. Das Atelier der Künstlerin ist also nicht mehr fern. Lotta lachte amüsiert auf, als sie von der Begegnung beim Frühstück am nächsten Morgen hörte. Da hatte sie dem Radler einen ganz schönen Bären aufgebunden.

So schnell nimmt einen also das Labyrinth gefangen. Eine Taube gurrt beruhigend aus einem der hohen Bäume. An einem mit einer Nummer versehenen Stamm wird die erste Frage gestellt. Sie ist historisch. „Wo wohnte Marschall Stig? Auf Fünen oder auf der Insel Hjelm?“, fragt Karen. Der Reisende hat den Namen noch nie gehört. „Das ist eine ganz schwierige Frage“, meint Karen. Er tippt auf Hjelm, aber nur weil er herausgefunden hat, dass viele dieser Fragen sich auf die Geschichte in und um Samsø beziehen. Fünen liegt nicht gerade um die Ecke.

(…)

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