Auf dem Jakobsweg Pilgern für Radler

Es gibt so Leu­te, die mei­nen, mensch­li­che Inter­es­sen übers Alter defi­nie­ren zu müs­sen. Mit zwan­zig Dis­co und Fit­ness­stu­dio, mit drei­ßig Lite­ra­tur und erst mit vier­zig Jah­ren inter­es­sie­re man sich fürs Wan­dern. Ab fünf­zig soll man angeb­lich spü­ren, dass gar nichts mehr geht. Man soll­te sich dann schon einen Platz im Alters­heim suchen und auch den pas­sen­den Grab­stein. Auf dem Jakobs­weg hat auch schon eine Pil­ge­rin behaup­tet, da sie jung sei, sei sie eher bereit, in den Her­ber­gen zu schla­fen als Älte­re. Dort riecht es oft nicht gut. Leu­te schnar­chen. Eta­gen­bet­ten sind auch nicht immer ver­lo­ckend. Manch­mal gibt es auch kei­ne frei­en Bet­ten mehr, so dass Matrat­zen auf den Gang gebracht werden.

Doch wenn man sich in den Her­ber­gen umschaut, strö­men Men­schen zwi­schen 20 und 70 her­ein. Fast alle tra­gen sport­li­che Klei­dung. Die Tele­skop­stö­cke und Ruck­sä­cke sehen kom­for­ta­bel aus. Nie­mand muss mehr schwe­re Kame­ras schlep­pen. Für den pri­va­ten Gebrauch rei­chen die klei­nen Digi­tal­ka­me­ras locker aus; die Smart­phone­bil­der dürf­ten eher ent­täu­schen, ermü­den auch Teil­neh­mer am hei­mi­schen Stamm­tisch eher.

Erstaun­li­cher­wei­se ach­ten aber vie­le nicht auf rich­ti­ge Wan­der­schu­he, weil sie mei­nen, dass die bil­li­gen beim Dis­coun­ter genau­so gut sei­en wie Mar­ken­wa­re. Ich füh­re selbst oft als Wan­der­füh­rer durch die Eifel, glaub­te selbst lan­ge bei mei­nen alten Schu­hen, dass Schmer­zen ein­fach dazu gehör­ten. Doch seit­dem ich 260 Euro in alpi­ne Schu­he gesteckt habe, weiß ich, dass es auch ohne Bla­sen geht. An das Gewicht gewöh­ne ich mich schon bin­nen Minu­ten bei jeder Wan­de­rung. Die Ober­schen­kel schmerz­ten nur wäh­rend der ers­ten Etap­pe und bei jeder wei­te­ren nur inden ers­ten Minu­ten. Auf dem Jakobs­weg rade­le und lau­fe ich sogar mit mei­nen Win­ter­schu­hen. Die Cleats für SPD-Peda­len sind so gut ein­ge­ar­bei­tet, dass ich sie nur auf sehr glat­ten Stei­nen spü­re, beim Schie­ben nur wenig. Die von vie­len befürch­te­te Wär­me tritt nie auf, weder bei den Berg- noch bei den Rad­stie­feln. Oft sind bei vie­len die Schu­he zu klein, wovon hier San­da­len füh­ren­de Schuh­ge­schäf­te pro­fi­tie­ren. Wer hat die Leu­te bloß bera­ten? Dicke Socken und eine Num­mer grö­ßer, dar­auf bestand mein Fach­ver­käu­fer sogar.

Das Geld wird am fal­schen Ende gespart. Lie­ber ein paar Mal 16 Euro für Frit­ten, Bier und Cur­ry­wurst statt in gute Schu­he und in einen ver­nünf­ti­gen, gut auf Land und Leu­te vor­be­rei­ten­den Rei­se­füh­rer. Phar­ma­in­dus­trie und Fit­ness­stu­di­os freu­en sich über gute Kun­den. Schließ­lich ist man hier auf 235 Kilo­me­tern min­des­tens Wochen unter­wegs mit 17–24 Kilo­me­tern am Tag. Immer­hin ern­tet man nach dem Trip neben einem schlan­ke­ren Kör­per und schö­nen Erin­ne­run­gen auch eine Men­ge Selbst­be­wusst­sein und Durch­hal­te­ver­mö­gen, was man bei den Zuhau­se anste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen gut gebrau­chen kann. Egal, ob man 20 oder 70 Jah­re jung ist: Den inne­ren Schwei­ne­hund hat man auf alle Fäl­le besiegt.

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