Kaschmir und Seide

Klei­dung im Stil der 50er Jah­re nimmt den größ­ten Teil der Arbeit Lena Hoscheks ein. Ihre per­sön­li­chen Stil­vor­bil­der sind Iko­nen wie Sophia Loren und Dita von Tee­se. Vie­le glän­zen­de Mate­ria­li­en ver­wen­det sie, schaut man sich den Film von der regel­mä­ßig im Janu­ar statt­fin­den­den Ber­li­ner Fashion Week an. Kunst­sei­de und Nylon waren zwar vor sech­zig Jah­ren neu, pfle­ge­leicht und schick.

Lena Hoschek setzt aber zu 99 Pro­zent auf Natur­fa­sern wie Kasch­mir und Sei­de. Sie betont beson­ders die Tail­le mit brei­ten Gür­teln und raf­fi­nier­ten Schnit­ten. Dies wider­spricht dem Vor­ur­teil eini­ger Kri­ti­ker, dass sie oft nur Klei­der für fül­li­ge Damen ent­wer­fe. Sie kre­iere auch Klei­der in den Grö­ßen 36 und 38, ent­geg­net Hoschek die­sen. Eini­ge Klei­der tra­gen Namen, die jeder aus Fil­men über his­to­ri­sche Per­sön­lich­kei­ten kennt wie Alex­an­der, Ras­pu­tin und Law­rence. Die Krea­tio­nen kos­ten zwi­schen 350 und 800 Euro, aber sie sind eben nicht von der Stan­ge. Pro­du­ziert wird die Ware in Ost­eu­ro­pa. Dort sei­en die Löh­ne nied­ri­ger, aber es sei auch leich­ter, mit den Pro­du­zen­ten von Wien und Graz den direk­ten Kon­takt zu hal­ten, sagt Hoschek.

Graz-ParkStatue-Peter-Rosegger
Das Geschäft Lena Hoscheks liegt nahe eines Parks.

Frü­her war es ein The­ma, dass man eine Frau war und einen Job mach­te. Heu­te kau­fen berufs­tä­ti­ge Frau­en die­se Klei­dung. Es ist Klei­dung aus einer Zeit, in der Män­ner dafür zustän­dig waren, Wohl­stand zu schaf­fen, den ihre Frau­en auf die­se Wei­se zur Schau stell­ten. In Euro­pa und in den USA blüh­te die Wirt­schaft auf, aber Frau­en wur­de erneut die häus­li­che und die reprä­sen­ta­ti­ve Sphä­re zuge­wie­sen. In den 1950er Jah­ren soll­te die Frau wie­der ganz in ihrer Rol­le als Haus­frau und Mut­ter auf­ge­hen. Berufs­tä­tig­keit für Frau­en war nicht über­all üblich. 

Hoschek setzt auch einen Kon­tra­punkt gegen Mas­sen­pro­duk­te, indem sie edel aus­se­hen­de Dirndls kre­iert. Sie betont auch hier die Weib­lich­keit, zwingt in einer schnell­le­bi­gen Zeit zu gemes­se­nen Bewe­gun­gen durch guten und lan­gen Stoff, ein Wider­stand des Bäu­er­li­chen gegen das Groß­städ­ti­sche. Frau ist bei Fest­lich­kei­ten immer sitt­sam ange­zo­gen, gera­de in tra­di­tio­nel­len Län­dern wie Österreich.

Nun blei­ben noch eini­ge Minu­ten für Fotos. Natür­lich posiert Lena Hoschek stolz. Als eine der bes­ten Desi­gne­rin­nen der Welt sieht sie sich aber nicht; den inter­na­tio­na­len Durch­bruch wie der Öster­rei­cher Hel­mut Lang. Die­ser gab in den 1990er Jah­ren dem stren­gen Puris­mus durch mini­ma­le Effek­te etwas Beson­de­res. Das hat sie noch nicht geschafft.

Fort­set­zung folgt.

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